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Engagiert in Sachen Umwelt und Gesellschaft – der BHB nimmt Stellung

Dem Thema Corporate Social Responsibility und ökologische Verantwortung widmet der BHB (Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte e.V.) die Dezemberausgabe seiner Fachzeitschrift BHB-Info. Auf die hohe Bedeutung und wachsende Zahl gesetzlicher Regeln zur Umweltverantwortung aus Brüssel weist BHB-Geschäftsführer Frank Michel in seinem Editorial hin. Einer Überregulierung durch EU-Recht will der Verband zurvor kommen – durch Information und verantwortungsbewusstes Handeln. Die Ausgabe enthält auch einen Beitrag von csr-news.net Redakteur Achim Halfmann:

Soziales Engagement – Verantwortung zahlt sich aus

Eine provokante Frage vorneweg: Würden Sie gerne Ihren Feierabend auf einem Gartenstuhl verbringen, von dem Sie befürchten müssen, dass dessen Holzbedarf zur Vernichtung des Regenwaldes beigetragen hat und dessen Textilbestandteile von Arbeiterinnen mit 14-Stunden-Schichten gewebt wurden?

Marktstudien belegen: Konsumenten wollen informiert einkaufen. Das hat viel mit Globalisierung zu tun: Auf einem weltweiten Marktplatz werden Lieferketten immer komplexer und manchmal verdächtig. Der Deutsche blickt mit einer Mischung aus Anteilnahme und Angst nach Asien: Anteilnahme für die Arbeiter, deren Leistung unter manchmal inhumanen Arbeitsbedingungen und zu Billigstlöhnen erpresst wird, und Angst vor der Abwanderung des eigenen Arbeitsplatzes in solche Länder. Corporate Social Responsibility (CSR) heißt der Fachbegriff für die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung – einschließlich der Verantwortung eines Groß- oder Einzelhändlers für seine Zulieferkette. „CSR“ ist längst mehr als ein Kürzel für Kenner: So überschreibt die Stiftung Warentest ihren aktuellen Bericht „Nähen im Akkord“ schlicht mit „CSR Herrenhemden“ – und informiert dann ausführlich über die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstandorten der Modebranche.

Kunden wollen informiert einkaufen

Deshalb etwa veröffentlicht die Stiftung Warentest mit Erfolg CSR-Berichte. Eine Informationslücke zwischen dem Unternehmen und dem Konsumenten in Sachen CSR sieht das im Entwurf vorliegende Papier „Informing Consumers of CSR in International Trade“ (Kundeninformation zur CSR im Welthandel) der OECD – und will dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Wirtschaft und Handel nutzen dazu etwa den Verkauf von mit Siegeln versehenen Produkten, etwa Holzprodukten mit dem FSC-Siegel des „Forest Stewardship Council“: Das Siegel dieser Nichtregierungsorganisation will den Schutz von Urwäldern, Pflanzen, Tieren, Menschenrechten und Lebensräumen in der Holzwirtschaft garantieren. Die Zahl der Handelsunternehmen, die fair gehandelte Produkte (so mit einem Siegel der Organisationen TransFair oder – bei Teppichen – Rugmark) wächst ständig. Seit kurzem gehört auch der Discounter Lidl dazu. „Der Corporate Social Responsibility geht es nicht darum, wie Geld ausgegeben, sondern wie es verdient wird“, betont Matthias Stausberg vom UN Global Compact in diesem Zusammenhang. Verantwortlichkeit gehört zum modernen Lifestyle in einer globalen Welt.

Wenn die Kassen leer sind …

Und doch: Es geht auch um das „Geldausgeben“ – oder besser: Den Einsatz der Unternehmensressourcen für das lokale Gemeinwohl. Der Druck von außen auf die Unternehmen wächst, und gerade der Einzelhandel ist vielen Forderungen ausgesetzt. Mein persönliches Erlebnis im Ratssaal einer Kleinstadt: Da stellt die Jugendamtsleiterin ein Frühwarnsystem vor, das Kindesvernachlässigung effektiv verhindern soll. Ausgezeichnet, meinen einstimmig die Anwesenden. Wir haben kein Geld, sagt der Kämmerer. Daraufhin kommt aus dem Teilnehmerkreis: Lasst uns doch den großen Discounter am Stadtrand ansprechen, der noch weiter ausbauen will. Der muss doch sowieso etwas an seinem guten Ruf tun. – Dafür dass solche Anspruchshaltungen in Zukunft häufiger auf Handelsunternehmen zukommen können, ließen sich noch weitere aktuelle Beispiele auflisten.

Wer zahlt für Sozialarbeit?

Das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens ist – legitimer weise – immer auch an den Interessen des Unternehmens selbst orientiert. Nur so kann ein Unternehmen auf Dauer seiner Verantwortung nachkommen, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Gesellschaftlich engagierte Unternehmen suchen deshalb win-win-Situationen, also Engagementformen, die Gesellschaft und Unternehmen gleichermaßen nützen. Ein sehr gutes Beispiel gibt das – in Nordamerika und England weit verbreitete – „Corporate Volunteering“: Die wichtigste Unternehmensressource sind seine Mitarbeiter. Deren Motivation, Kommunikations- und Teamfähigkeit bestimmt über einen großen Teil des Unternehmenserfolges. Beim „Corporate Volunteering“ unterstützt ein Unternehmen seine Mitarbeiter bei der Verwirklichung gesellschaftlicher Projekte: Dem Ausbau eines Spielplatzes, der Renovierung eines Kindergartens, der Anlage eines Gartens vor einem Altenheim. Die Unterstützung geschieht etwa in Form von Arbeitsfreistellung und Materialsponsoring. Solche Projekte fördern Teamentwicklung und Motivation in der Mitarbeiterschaft, gerade auch dann, wenn die Mitarbeiter ihre Projekte selbst wählen. Und sie weisen das Unternehmen in seinem Umfeld als einen „guten Unternehmensbürger“ (Fachbegriff: Good Corporate Citizen) aus. Wichtig dabei ist: Unsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn alle Verantwortungsträger ihren Teil beitragen: Bürger, Politik und Unternehmen.

Nur eine Modeerscheinung?

Ist Corporate Social Responsibility eine vorübergehende Modeerscheinung? Die Frage ist klar beantwortet: Sie ist es nicht. Gesellschaftlich verantwortliches Handeln wird auch in Deutschland zu mehr als einem Wettbewerbsfaktor, nämlich zur „licence to operate“ – zur Existenzberechtigung eines Unternehmens. Sie bezieht weltweite Zulieferbedingungen ebenso ein wie die gesellschaftliche Situation vor der eigenen Haustüre. Professionell gehandhabt führt CSR nicht zu einem Verlust an Ressourcen, sondern im Gegenteil zur Ressourcensteigerung. Denn gute Mund-zu-Mund-Propaganda und positive Berichterstattungen in lokalen Medien sind mitunter preisgünstiger und effektiver als Marketingkampagnen.

Der Achim Halfmann
ist Fachjournalist und Redaktionsleiter Deutschland bei www.csr-news.net