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Adenauer: Nächstenliebe ist keine Staatsaufgabe

Der ausufernde Wohlfahrtsstaat in Deutschland droht das individuelle Gebot der Nächstenliebe zu bürokratisieren, befürchtet Patrick Adenauer, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) und Enkel des ersten Bundeskanzlers, in einem Beitrag in der neuesten Ausgabe der Wirtschaftswoche. Was als „sozial“ bezeichnet werde, laufe heute faktisch darauf hinaus, dass zwei, die etwas weniger haben, sich darauf einigen, einem Dritten, der etwas mehr hat („Besserverdiener“), einen Teil wegzunehmen.
Gerade aus christlicher Sicht bezweifelt Adenauer den Sinn der massenhaften Umverteilung durch den Staat. Nirgends werde Nächstenliebe in der Bibel als Staatsaufgabe definiert, sondern als persönliche Pflicht im Privatleben. Individuelle Nächstenliebe werde eher zerstört, wenn an ihre Stelle die bürokratische Hilfe des Staates trete. Jesus habe zwar die Wohlhabenden aufgefordert, freiwillig zu geben, wenn jemand in Not sei, aber er habe nicht das Recht ausgerufen, sich bei den Wohlhabenden selbst zu bedienen. Der Staat solle sich daran erinnern, dass das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ auch für Kollektive gelte, fordert Adenauer. In den christlichen USA mit ihren imponierenden Traditionen praktischer Nächstenliebe in privaten Stiftungen und Wohltätigkeitsinitiativen habe man das begriffen.

Unternehmertum ist Gottesdienst

Auch hinsichtlich unternehmerischen Handelns wendet sich Adenauer gegen gängige Auffassungen. Die vielfach beklagte Macht der Unternehmen hält er für sehr unbeständig, weil sie auf Abruf stehe und sich täglich bewähren müsse. Macht und Größe eines Unternehmens hingen davon ab, inwieweit es den Bedürfnissen seiner Kunden gedient habe. Jeder Tag sei ein „Plebiszit über seine unternehmerische Leistung“. Was der Wahlzettel in der Politik, seien Banknoten und Münzen auf den Märkten.

In der modernen Marktwirtschaft werde Eigeninteresse mit dem Dienst am Nächsten verbunden, meint Adenauer. Ursache sei das Erfolgsgeheimnis der Marktwirtschaft: Aufstieg nur durch nützliche Leistung für andere. Unternehmerische Arbeit versteht er folglich als Dienst am Nächsten und damit als „Christus- oder Gottesdienst“. Aus diesem Grunde sei er mit gutem Gewissen christlicher Unternehmer. (beko|08.01.2007)