Nachrichten

Ziele erreichen: Kraft aufbringen und loslassen

Aus acht Metern eine Kerze auspusten – das gab Johanes Warth als sein Ziel aus: Das richtige Setzen und Umsetzen von Zielen war das Thema des Trainers und Vortragskünstlers auf dem Kongress Christlicher Führungskräfte in Leipzig. “Ich versuche, das Ziel mit einem stark gebündelten Luftstrahl zu treffen”, sagt Warth den rund 1.500 anwesenden Kongressteilnehmern. Er holt Luft, geht in die Knie, pustet – und die Kerze bleibt an.

Er sei immer wieder verwundert, dass seine Gäste glaubten, dass er es schaffe, aus dieser Entfernung die Kerze auszupusten. “Das ist die erste Lektion”, sagt Warth. “Chefs setzen oft unrealistische Ziele. Und dann stehen sie einen Meter neben der Kerze und sagen zu ihren Mitarbeitern ‘Die ist ja immer noch an.'”

Einfältig statt vielfältig

Es komme auf die richtigen Tools an. Warth lässt sich daher Bogen und Pfeile reichen. “Wer ein Ziel erreichen will, muss einfältig sein. Das Gegenteil von ‘einfältig’ ist ‘vielfältig’. Wer will, dass ich vielfältig auf das Ziel schieße, darf aufstehen.” Das Publikum bleibt sitzen.

Warth stellt eine Zielscheibe hinter der Kerze auf. “Ich habe es bisher nicht geschafft, dass der Pfeil im Docht stecken bleibt”, sagt er. Man müsse es sich und anderen leicht machen, das Ziel zu erreichen.

Grundsatz 1: Das Ziel vor Augen haben
“Sind Sie damit einverstanden, dass ich versuche, mit verbundenen Augen zu schießen?”, fragt Warth. Die Zustimmung hält sich in Grenzen. “Der erste Grundsatz lautet: Sie müssen das Ziel vor Augen haben”, sagt Warth.

Grundsatz 2: Kraft aufbringen
“Ohne Investment läuft nichts”, sagt Warth weiter. Man müsse Kraft aufbringen. “Es bringt nichts, zum Pfeil zu sagen ‘Sei motiviert’. Sie müssen sich selbst anstrengen.”

Grundsatz 3: Loslassen
Warth spannt den Bogen. “Jetzt müssen Sie loslassen können. Dazu gehört Vertrauen.” Warth lässt die Sehne losschnellen – und schießt daneben.

Es klappt meist nicht beim ersten Mal. “Das mach ich bewusst”, sagt er. “Wenn’s das erste Mal nicht klappt, dann kann ich’s nochmals versuchen.” Auch der zweite Versuch misslingt. “Sie glauben doch nicht, dass es gleich bei den ersten Malen klappt”, sagt Warth und spannt den Bogen ein drittes Mal.

Die Kerze liegt unten, die Flamme ist aus.

von Ralf Lengen, MittelstandDirekt.de.