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Ökotourismus schützt natürliche Ressourcen – CSR im Tourismus gewinnt an Bedeutung

Ulaanbaatar > „Ökotourismus schützt natürliche Ressourcen“, mit dieser Schlagzeile kommt die aktuelle Ausgabe der in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar erscheinenden Zeitung „The Mongol Messenger“ heraus. In dem Artikel geht es um die Förderung der Tourismus. Um die Netzwerkarbeit lokaler Tourismusunternehmen zu verbessern, veranstaltete das mongolische Tourismusministerium am 24. und 25. März eine Messe. „Im Jahr 2007 werben wir besonders für einen ‚ökologischen Tourismus‘. Das ökologische Gleichgewicht ist in Gefahr. Wir werden unsere Aktivitäten darauf ausrichten, durch den Tourismus die Natur zu fördern und das ökologische Gleichgewicht zu stärken“, betonte der Geschäftsführer des mongolischen Tourismusverbandes, D. Batnasan, vor der Messeeröffnung. Aus den ländlichen mongolischen Regionen wurde zugleich die Erwartung geäußert, durch den Tourismus auch die Einkommenssituation der ländlichen Bevölkerung verbessern zu können.

Haben Sie einmal die Mongolei besucht? Noch nicht? Dann haben Sie etwas verpasst! Das Land bietet abwechslungsreiche Landschaften, Kultur und Natur, Wälder und Wüsten. Klassische Wirtschaftsformen – etwa der Bergbau – verlieren an Bedeutung. Der Tourismus gehört zu den Wachstumsbranchen. Wenn Sie in die Mongolei reisen, werden Sie unter Ihren Mitreisenden sehr unterschiedliche Beobachtungen machen können. Bei einer meiner letzten Reisen begleitete mich auf dem Hin- und Rückflug eine Gruppe von „Großwildjägern“. Ihre Erfahrungen mit den Menschen in der Mongolei waren wohl begrenzt, die Trophäenausbeute dafür aber umso reichhaltiger. Reisende dieser Kategorie hatte der mongolische Tourismusmanager wohl nicht im Blick, als er von den Chancen des Tourismus für die Förderung des Ökogleichgewichts sprach. Eher wohl die vielen Gäste, die sich für Kultur und Geschichte, für Natur und Zukunft des zentralasiatischen Landes interessieren. Solche Reisenden treffen Sie häufig, wenn Sie in den Jurtensiedlungen auf der Strecke zur alten mongolischen Hauptstadt Karakorum übernachten.

In den Zielländern des Tourismus wächst die Diskussion über dessen Bedeutung für die lokale Gesellschaft, für Wirtschaftsentwicklung und Ökologie. Mitte März protestierten auf der Balearen-Insel Mallorca rund 50.000 Menschen gegen die Erschließung immer neuer Baugebiete für den Massentourismus und skalierten „Schluss mit der Zerstörung, lasst uns Mallorca retten“. Reiseunternehmen werden heute sowohl in den Zielländern des Tourismus als auch in den Herkunftsländern der Touristen auf ihre Corporate Social Responsibility hinterfragt. Zweiteres hat Tradition: So wurde bereits 2001 zwischen dem Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) und ECPAT Deutschland e. V. – Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder gegen sexuelle Ausbeutung – ein Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vereinbart. „Die REWE-Touristik ist bei der Umsetzung dieser Vereinbarung vorbildlich aktiv“, betont Heinz Fuchs von Tourism Watch. Auch auf der diesjährigen ITB in Berlin wurde an einer erweiterten Verpflichtungserklärung gearbeitet. Verstärkt wird die Rolle des Tourismus aber auch in den Zielländern selbst diskutiert.

Tourismus leistet in vielen Regionen weltweit – gerade auch in Entwicklungs- und Schwellenländern – einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Ob dieser Beitrag optimiert und zugleich schädlichen Folgen des Tourismus entgegengewirkt werden kann, diese Fragen stellen sich immer mehr „Einheimische“, auch in der Mongolei. Was leistet der Tourismus für die Verbesserung des Ausbildungs- und Beschäftigungsniveaus? Welcher Beitrag geht von ihm für die Förderung wirtschaftlich schwacher Regionen aus? Wie werden durch den Tourismus natürliche Ökosysteme erhalten statt geschädigt? Wie können wirtschaftliche und kulturelle Spannungen in Tourismusländern vermieden werden? Mit diesen Fragen werden sich Reiseunternehmen in Zukunft wohl vertieft auseinandersetzen. So gesehen wird auch im Tourismus die Supply Chain einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Der Tourismus ist keine einfache Branche – auch nicht in Deutschland. Saisonarbeit, niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten kennzeichnen hierzulande manche tourismusnahen Unternehmen. Tourismus ist Dienstleistung und lebt aus der Begegnung von Mensch zu Menschen. So gesehen stecken in einer richtig verstandenen Corporate Social Responsibility für Tourismusunternehmen große Potentiale: Denn nur motivierte und von ihrer Tätigkeit überzeigte Mitarbeiter werden als Dienstleister zufriedene Kunden hinterlassen. CSR wird den sogenannten Massentourismus erreichen. Anbieter wie die im „Forum Anders Reisen“ zusammengeschlossenen Unternehmen werben heute bereits erfolgreich mit dem Konzept des nachhaltigen Tourismus. Um durchschnittlich 14 % konnten die über 120 Reiseveranstalter dieses Verbandes ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern. Der CSR-Diskussion werden sich auch die großen Reiseanbieter nicht länger entziehen können.