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CSR im Mittelstand – Werteorientierung auch bei Auslandstöchtern

Eschborn > Werteorientierte Führung ist für deutsche Mittelständler auch die richtige Strategie in ihren Auslandsniederlassungen. Dies ergab eine Befragung des RKW Kompetenzzentrums zu den Motiven und CSR-Aktivitäten deutscher Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten und ihrer Tochtergesellschaften in Polen. Mit dieser internationalen Ausrichtung und der Konzentration auf die mittleren Unternehmen unterscheidet sich die RKW-Untersuchung von anderen zur Thematik CSR. In diesen Tagen wird es nun in einem nächsten Schritt darum gehen, die Anforderungen von Anspruchsgruppen zu identifizieren und zu untersuchen, wie sich die Unternehmen dem stellen können. Die Stakeholder geraten so in den Fokus des Projekts. Beantwortet werden sollen die Fragen, welche Anforderungen die Öffentlichkeit, Verbände, Banken, Kammern, deutsch-polnische Einrichtungen und andere Anspruchsgruppen an die Unternehmen stellen.

Ihre soziale und ökologische Verantwortung nehmen Mittlerständler traditionell vor Ort wahr – auch wenn sie dafür selten den Begriff „CSR“ verwenden. Das RKW interessierte sich dafür, ob sich KMU auch am Auslandsstandort dieser Verantwortung stellen und werteorientiert führen. Die schriftliche Befragung und anschließende Tiefeninterviews bestätigten, dass nur geringe Unterschiede zwischen Heimat- und Auslandsstandort bestehen.

Im Zentrum steht der Umweltschutz. 93 Prozent der deutschen Muttergesellschaften und 78 Prozent der polnischen Tochtergesellschaften schonen die Ressourcen. 47 beziehungsweise 22 Prozent achten auf umweltfreundliche Transportmöglichkeiten. Beim Engagement für den Schutz der natürlichen Umgebung des Standorts liegen die polnischen Firmen mit 78 Prozent vor den deutschen (67 Prozent).

Alle deutschen Unternehmen nannten das Interesse an nachhaltigem, zukunftorientiertem Wirtschaften als wichtigstes Motiv, messbare ökonomische Vorteile erwarten nur gut 55 Prozent. Für die polnischen Niederlassungen hat das Motiv „Nachhaltigkeit“ mit 60 Prozent ebenfalls einen hohen Stellenwert, nur übertroffen von ethischen und moralischen Grundsätzen (80 Prozent). „Damit unterschätzen die Unternehmen offensichtlich die materiellen Vorteile, die in einer CSR-Strategie liegen.“ Dieses Fazit zieht Projektleiterin Natalia Gorynia-Pfeffer. Sie weiß um die Vorbehalte vor allem vieler polnischer Konsumenten, die gegenüber CSR eher misstrauisch sind und vermuten, das Unternehmen wolle mit seinen CSR-Aktivitäten von negativen Schlagzeilen ablenken. Die Untersuchung zeigte, dass die mittelgroßen Unternehmen ihre Verantwortung sowohl gegenüber den Beschäftigten als auch gegenüber anderen Stakeholdern sehr aktiv wahrnehmen. Allerdings wirken die Maßnahmen oft spontan und wenig strategisch geplant. Das RKW gibt den Unternehmen in einem Handlungsleitfaden Hinweise darauf, wie die Maßnahmen im In- und Ausland besser aufeinander abgestimmt werden können, wo Synergien ausgeschöpft und die Aktivitäten insgesamt besser in die Unternehmensstrategie eingebunden werden können.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in einem Workshop vorgestellt, zusammen mit einer zweiten Befragung zum CSR-Verständnis deutscher und polnischer Studierender. Diese und weitere Referate des Workshops sind veröffentlicht und können von der Website des RKW kostenlos herunter geladen werden:

www.rkw.de/RKW/02_loesung/publikationen/Fuehrung/1521-CSRdeutsch.pdf