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Zahlungen an Paramilitärs in Kolumbien – Chiquitas schließt Abkommen mit US-Justizministerium

Amsterdam > Chiquita Brands International hat mit dem US-amerikanischen Justizministerium (Department of Justice, kurz DOJ) ein Abkommen in Bezug auf Zahlungen getroffen, die von der ehemaligen Tochtergesellschaft “Banadex” in Kolumbien an paramilitärische Organisationen geleistet wurden.Danach wird Chiquita über einen Zeitraum von fünf Jahren eine Geldstrafe in Höhe von 25 Millionen US-Dollar zahlen und sich in einem Anklagepunkt des Verstoßes gegen das Gesetz der Vereinigten Staaten schuldig bekennen. Dies betrifft Zahlungen im Zeitraum zwischen 2001 und 2004 an Einheiten, die der „Autodefensas Unidas de Colombia“ (AUC) angeschlossen sind. Chiquita hatte 2003 freiwillig über die Sachlage berichtet und das DOJ bei der Aufklärung unterstützt.

Wie Chiquita gegenüber CSR today berichtete, sah sich das Unternehmen gezwungen, derartige Zahlungen sowohl an links- als auch rechtsgerichtete paramilitärische Organisationen zu erbringen. „Diese Zahlungen erfüllten nur einen einzigen Zweck: Das Leben unserer Angestellten zu schützen in einer Zeit, in der Entführungen und Morde häufig vorkamen und die Behörden nicht in der Lage waren, Sicherheit und Schutz zu gewährleisten“, betont George Jaksch, Senior Director of Corporate Responsibility and Public Affairs bei Chiquita Europa. Angesichts sehr realer Bedrohungen für die Sicherheit der Mitarbeiter habe man erpresserischen Forderungen nachgeben müssen.Kurz nachdem das Senior-Management von einer Gesetzesänderung in den USA Kenntnis erlangte, nach der solche Zahlungen als Verbrechen gewertet wurden, habe das Unternehmen den Sachverhalt selbst an das DOJ gemeldet.

Um das Unternehmen aus dem ethischen und rechtlichen Dilemma zu befreien, verkaufte Chiquita seine kolumbianischen Landwirtschaftsbetriebe 2004 mit erheblichem Verlust. Dabei habe man mit dem Käufer Banacol vertraglich vereinbart, dass der von Chiquita und der Gewerkschaft SINTRAINAGRO ausgehandelte Tarifvertrag fortgelten und die Zertifizierungen nach Sozial- und Umweltstandards aufrechterhalten werden sollen.

„Die Einhaltung eines hohen Standards ethischer und sozialer Verantwortung ist uns von allergrößter Wichtigkeit. Während noch viele Herausforderungen und Verbesserungmöglichkeiten vor uns liegen, werden unsere Grundwerte und unser Verhaltenskodex auch in Zukunft die Entscheidungen unseres Managements leiten“ versichert George Jaksch. Die Verantwortung dafür trägt nun vorrangig Vanessa Vargas-Land, die vor wenigen Tagen die Funktion des Vice President for Corporate Compliance übernahm. Alle Manager und Abteilungsleiter geben seit einigen Jahren persönliche Garantien ab, dass ihre Geschäftspraktiken dem Verhaltenskodex des Unternehmens entsprechen. Ab diesem Jahr werden sie nun zusätzlich aufgefordert, an einem neuen Online-Kurs über die Unternehmenswerte, den Verhaltenskodex und die ethische Entscheidungsfindungen teilzunehmen – und darüber eine Prüfung abzulegen.