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Zugang zu Aidsmedikamenten nicht behindern: Weltweit appellieren NGO’s an Abbott

Tübingen/Bonn > Weltweit appellieren NGO’s an die Adresse des Pharmaunternehmens Abbott, den Zugang zu Aidsmedikamenten nicht zu behindern. In Deutschland fand die Auftaktaktion am 26. April in Bonn nur einen geringen Widerhall in den Medien. „Wir setzen nun alles dran, dass der Appell möglichst flächendeckend in Deutschland, der Schweiz und Österreich an die Ärzteschaft verbreitet wird“, betont Albert Petersen, Leiter der Arzneimittelhilfe des Deutschen Instituts für ärztliche Mission (Difäm), gegenüber CSR today. Der Hintergrund:

Trotz zahlreicher internationaler Proteste rückt die Pharmafirma Abbott nicht von ihrer Entscheidung ab, die Zulassung von sieben neuen Medikamenten, davon eines zur HIV/Aids-Behandlung, für Thailand zurückzuziehen. Damit stellt Abbott den Zugang von vielen Tausend Aidspatienten/-innen zur verbesserten adäquaten Behandlung in Frage. Daher fordern Nichtregierungsorganisationen weltweit und zehn Organisationen bundesweit Ärztinnen und Ärzte auf, zu prüfen, ob sie Vertreterinnen und Vertreter der Firma Abbott weiterhin empfangen und anstelle von Abbott-Markenpräparaten generische Alternativen verordnen möchten. Über die Vorgehensweise der Praxen wird die Firma Abbott durch entsprechende Erklärungen unterrichtet.

In Thailand werden derzeit weniger als ein Viertel der 580.000 Menschen, die mit HIV infiziert sind, mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Immer mehr Menschen benötigen die kostspieligen Präparate der zweiten Generation – aber weder die Aidskranken selbst noch die Regierung können sie finanzieren. Deshalb erwirkte Thailand Zwangslizenzen gegen drei Hersteller und deren Präparate, um die Kosten durch günstigere Generika drastisch senken zu können: das Präparat Stocrin® der Firma Merck, das Präperat Kaletra® der Firma Abbott sowie das Präparat Plavix® der Firma Sanofi. Zwangslizenzen sind als Schutzrechte ausdrücklich nach Welthandelsrecht erlaubt, sie ermöglichen die preisgünstigere Herstellung oder den Import von patentgeschützten Medikamenten.

Als Reaktion auf die Zwangslizenzen zog die Firma Abbott im März die bereits beantragte Zulassung von sieben neuen Präparaten in Thailand zurück. Dies betrifft u. a. die neue hitzestabile Tablettenversion von Kaletra® Aluvia®. Sie ist einfacher als das bisher verwendete Kaletra® einzunehmen und kann auch dort eingesetzt werden, wo es keine Kühlmöglichkeiten gibt. Diese neue Tablette sollte ursprünglich im Sommer in Thailand verfügbar werden. Albert Petersen, Leiter der Difäm-Arzneimittelhilfe: Dieses deutliche Signal der Abstrafung durch Abbott angesichts des legalen Verhaltens der thailändischen Regierung sei nicht hinnehmbar, betont das Difäm – und beteiligt sich an den weltweiten Protesten.