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Abbott berichtet über AIDS-Medikamente für Entwicklungsländer – und kritisiert die Regierung Thailands

Wiesbaden > Die weltweite NGO-Kritik an dem in Thailand zurückgezogenen Zulassungsantrag für das AIDS-Medikament Kaletra/Aluvia, einer hitzebeständigen Variante des Präparates Kaletra, lässt das Pharmaunternehmen Abbott nicht gelten. Abbott verweist auf die weite Verbreitung dieses Medikamentes für die antiretrovirale Therapie – gerade auch in Ländern der Entwicklungszusammenarbeit. Kaletra ist weltweit in 118 Ländern erhältlich. Für die neuen hitzebeständigen Lopinavir/Ritonavir-Tabletten wurde bisher in 114 Ländern eine Zulassung beantragt oder bereits erteilt. In diesen Ländern leben 9 von 10 HIV-Patienten weltweit.

Den Preis für Kaletra hat Abbott in den Entwicklungsländern unter das Preisniveau von Generika gesenkt. Seit 2001 liegt der Preis in Afrika und den am wenigsten entwickelten Ländern bei 500 USD pro Patient und Jahr. In den 45 Ländern mit niedrigem und niedrigem bis mittlerem Einkommen senkte Abbott den Preis für Kaletra/Aluvia um 55 Prozent auf 1.000 USD pro Patient und Jahr. Zugleich hat sich Abbott seit langer Zeit der Entwicklung von HIV-Medikamenten für Kinder verpflichtet und betont, es werde auch weiterhin in innovative Produkte investieren und habe bereits eine niedriger dosierte Version der Kaletra/Aluvia-Tablette entwickelt, die bei Kindern angewendet werden kann.

In Bezug auf die Situation in Thailand kritisiert Abbott dessen Regierung: Die thailändische Regierung halte unabhängig vom Preis an der Zwangslizenz fest, und es gehe eigentlich um den Profit für ein thailändisches staatliches Pharmaunternehmen.

Am 12. April habe Abbott der thailändischen Regierung das neue Preisprogramm für Länder mit niedrigem und niedrigem bis mittleren Einkommen vorgestellt und diese habe eingeräumte, dass Kaletra/Aluvia die Option mit den niedrigsten Kosten darstelle, berichtet Abbott. Man habe sofort angeboten, den Zulassungsantrag für Lopinavir/Ritonavir-Tabletten zu dem niedrigeren Preis wieder einzureichen, sofern sich die Regierung bereit erkläre, die Zwangslizenz für Lopinavir/Ritonavir auszusetzen. Auch am 19. April habe man sich mit der Regierung Thailands getroffen und beraten, wie Aluvia in Thailand zu einem niedrigeren Preis als Generika verfügbar gemacht werden könne, so Abbott.

Den Patentschutz will das Unternehmen allerdings erhalten wissen, damit Anreize für eine nachhaltige Forschung und Entwicklung gegeben sind. „Um auch in Zukunft den Zugang zu einem Medikament zu sichern, muss die Bezahlbarkeit bei gleichzeitiger Erhaltung des Systems, das die Entwicklung neuer Medikamente ermöglicht, gewährleistet sein“, schreibt Abbott in seiner Stellungnahme.