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Göttinger Gruppe: Anlegerschützer sprechen von größten politisch mit zu verantwortenden Finanzskandal der Nachkriegsgeschichte

Das Unternehmen „Göttinger Gruppe“ befindet sich in Liquiditätsschwierigkeiten und zahle auch auf gerichtlichen Druck nicht mehr, meldete das Deutsche Institut für Anlegerschutz (DIAS) am Sonntag in Berlin. Der Anbieter staatlich geförderter sogenannter atypisch stiller Beteiligungen Unternehmen habe DIAS zufolge bundesweit von über 100.000 Anlegern eine Anlagesumme in Höhe von über 1 Milliarde Euro eingesammelt. DIAS-Vorstand Volker Pietsch bezeichnete die jetzt eingetretene Situation als „Supergau“ und teilte in einer Presseerklärung mit, es handele sich um den „größten politisch mit zu verantwortenden Finanzskandal der Nachkriegsgeschichte“.

Weiter hieß es bei DIAS: Das Amtsgericht Göttingen habe nach DIAS vorliegenden Dokumenten bis Ende Mai 170 Haftbefehle gegen führende Manager des Unternehmens erlassen, nachdem diese Vollstreckungsmaßnahmen verschleppt beziehungsweise vereitelt hatten. Die Haftbefehle richteten sich gegen die Vorstandsmitglieder der Konzernmutter Securenta AG, Jürgen Rinnewitz und Marina Götz. Auch gegen den Geschäftsführer der zum Konzern gehörenden Göttinger Gruppe Vermögens- und Finanzholding GmbH & Co. KGaA, Martin Vaupel, habe das Amtsgericht Göttingen bereits am 07.05.2007 einen Haftbefehl erlassen. Vaupel sei „untergetaucht“ und werde von den Ermittlungsbehörden gesucht, sagte Pietsch. Derzeit sei nicht bekannt, wo sich Rinnewitz und Götz aufhielten. In der Firmenzentrale in Göttingen laufe nur noch ein Ansageband. Bereits im August des vergangenen Jahres hatte das DIAS gegen die Verantwortlichen der Göttinger Gruppe Strafanzeige wegen des dringenden Verdachts der Insolvenzverschleppung gestellt.

Die Göttinger Gruppe sei auf dem Grauen Kapitalmarkt in den neunziger Jahren der größte Anbieter staatlich geförderter sogenannter atypisch stiller Beteiligungen gewesen. Das gefährliche Anlagemodell sei potentiellen Anlegern als „private Altersvorsorge“ angedient worden. Das Gros der Anleger habe an die Seriosität der Anlage geglaubt, da die Anlageform steuerlich gefördert wurde.