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Sollen Unternehmen zu verantwortlichem Handeln gezwungen werden?

Braucht man gesetzliche Vorschriften oder reichen freiwillige Lösungen, um Unternehmen zu ethischem Verhalten zu bewegen? Wie ein roter Faden zog sich diese Frage durch die Podiumsdiskussion zum Thema „Soziale Verantwortung von Unternehmen?“, die am Freitag mit prominenter Besetzung auf dem evangelischen Kirchentag stattfand. Besonders im Fokus: Wie verhalten sich Unternehmen auf dem internationalen Parkett? Achten sie die Menschenrechte? Vermeiden sie Kinderarbeit? Schützen sie die Umwelt?

Befürwortet wurden international festgelegte Sozialstandards vom DGB-Vorsitzenden Michael Sommer. Solche Regulierungen seien nur für die schwarzen Schafe eine Gefahr. Die Nachteile beträfen nur diejenigen, die sich nicht ethisch verhalten würden. „Was nützen denn Standards, die nicht durchgesetzt werden?“ fragte der Gewerkschaftschef. Anderer Meinung war VW-Vorstand Dr. Gerhard Prätorius. In Deutschland gebe es bereits zu viele Regulierungen. Besser setze man auf die Initiativen der Menschen. Inzwischen müssten sich Unternehmen allein aus Eigeninteresse sozial verantwortlich verhalten. Gerade institutionelle Investoren interessierten sich vermehrt für die CSR-Aktivitäten der Unternehmen und achteten genau darauf, welche Materialien oder welche Energie eingesetzt würden.

Grundsätzlich keinen Widerspruch zwischen Freiwilligkeit und Gesetzen sah Prof. Dr. Klaus Leisinger, Präsident der Novartis Stiftung. Was in Drittländern mit geringen Standards legitim sei, sollten Unternehmen freiwillig nicht ausnutzen. Gleichzeitig sollten sie im Inland zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn sie in diesen Ländern etwa Menschenrechtsverletzungen durchführten. Als gutes Beispiel für eine freiwillige Selbstverpflichtung nannte er die Diskussionsplattform „Globaler Pakt“ (Global Compact). Diese wurde 1999 von der UN vorgestellt und enthält 10 Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Bislang beteiligen sich daran 3700 Unternehmen und Organisationen.

Kritik am Globalen Pakt äußerte allerdings Elisabeth Strohscheidt von der Hilfsorganisation Misereor. Der Globale Pakt sei gegen verbindliche Regeln der UN ausgespielt worden, um die Freiheit der Unternehmen zu sichern. Aber gerade Menschenrechtsopfer bräuchten eine klare Möglichkeit für Klagen gegen Unternehmen. (beko|11.06.2007)