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Werte schöpfen aus eigenen Stärken

Die Orientierung an immateriellen Werten hat Konjunktur. Familie, Gesundheit, Sicherheit und Unabhängigkeit oder Qualität, Loyalität und Image bilden häufig Eckpunkte der Firmenkultur. Inzwischen nehmen auch kleinere mittelständische Unternehmen (KMU) jenseits der reinen Margen-Fixierung solche Consulting-Leistungen in Anspruch, die gezielt auf die Identität des Unternehmens und seiner Führungspersönlichkeiten eingehen.

Diese Entwicklung wird in der bundesweit agierenden Organisation „Die KMU-Berater – Verband freier Berater e.V.“ eindeutig wahrgenommen. Vorstandsmitglied Cord Tepelmann (62) aus Bergisch Gladbach erkennt hier einen Trend, der bislang eher in Großunternehmen sichtbar war: „Im Rahmen der Außendarstellung ist die Beschäftigung mit der „Corporate Identity“ in der Industrie bereits Routine. Nun ist das Thema auch bei KMUs angekommen. Es gibt offensichtlich einen Nachholbedarf, sich mit der eigenen Werteordnung zu beschäftigen. Entsprechende Vorträge werden in der Regel begeistert aufgenommen.“

Aber einen generellen Paradigmenwechsel sieht der Unternehmer-Coach darin nicht. Tepelmann: „Die Mehrheit verfährt nach wie vor nach der Maxime: ‚Ich brauche keine Werte-Debatte, ich brauche mehr Umsatz!’ Für sie sind Werte zwar ebenfalls enorm wichtig; diese erscheinen ihnen aber so selbstverständlich, dass sie keinen Anlass sehen, darüber zu sprechen.“

Gerade diese Unternehmen geraten zunehmend in eine wirtschaftliche Schieflage, obwohl die Konjunktur in Deutschland auf Hochtouren läuft, meint der Wipperfürther Coach und Berater Stefan Hagen (40): „Selbst traditionell erfolgreiche Betriebe stehen mittlerweile vor Existenz bedrohenden Problemen.“ Er kennt aus seiner Praxis viele Fälle, bei denen jahrelang gut funktionierende Konzepte plötzlich nicht mehr greifen.

Ehemals erfolgreiche Konzepte scheitern an mangelnder Identifikation des Unternehmers

Die Ursache: „Vielen Unternehmerpersönlichkeiten fällt es zunehmend schwer, ihre Führungsrolle intern wahrzunehmen, weil sie selbst inzwischen Identifikationsprobleme mit der eigenen Firma haben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das selbstbewusste Bild des engagierten, unbeirrbaren Managers stimmt mit der Innensicht nicht unbedingt überein, denn unter der Oberfläche brodeln oft handfeste Krisen. In der Folge hapert es an Motivation, Überzeugungskraft und der Fähigkeit, die eigenen Stärken richtig einzusetzen“, resümiert Hagen.

Doch wie kommt es, dass „gestandene Macher“ die eigene Unternehmenswelt nicht mehr verstehen, obwohl sie eine steile Karriere hinter sich und einen herausgehobenen Status erarbeitet haben? Stefan Hagen macht als einen Hauptgrund aus, dass diesen Personen nicht mehr bewusst ist, aus welchen Motiven sie Unternehmer geworden sind. Ausschlaggebende Werte, die mit dieser Entscheidung verbunden waren, sind ihnen nicht mehr präsent, wie z.B. Unabhängigkeit, Flexibilität und Anerkennung. Kein Zufall sei es ferner, dass berufliche Schwierigkeiten sehr oft in Kombination mit Lebenskrisen zusammentreffen. Es fehlt, so Hagen weiter, an einem Bewusstsein für die eigenen Werte, Ziele und Stärken, die den bisherigen Erfolg ermöglicht haben.

Erwartungshaltungen oft irreführend

Diese Defizite strahlen weiter auf die Mitarbeiter aus. Schnell entsteht ein Klima, in dem Identifikation gestört, Risiko gescheut und Innovativität behindert werden. Insbesondere inhabergeführte Unternehmen leiden zudem oft unter unklaren Erwartungshaltungen seitens der Geschäftsführung. Getreu dem Motto „Erwarten Sie nichts, sondern führen Sie“ geht Stefan Hagen in seinen Vorträgen und Seminaren explizit auf diesen Punkt ein. „Immer wieder habe ich Manager erlebt, die darüber klagten, dass sie von ihren Mitarbei­tern mehr erwarten. Sobald man diese Aussage hinterfragt, wird klar, dass die ‚Erwartung’ hierbei vor allem aus dem ‚Warten’ bestand. Aktiv die Ziele zu definieren und gemeinsam zu beschließen, das wurde meistens versäumt“, erklärt Hagen. Stattdessen habe sich eine allgemeine Passivität breit gemacht. Dass die Mitarbeiter sich kaum mit dem Unternehmen identifizieren und entsprechend wenig motiviert sind, sei nicht verwunderlich, sobald der Inhaber seine Vorbildfunktion auf diesem Gebiet nicht mehr erfülle.

„Wert-Schöpfung“ durch Authentizität

Wenn ein Unternehmer sich nicht mehr vollständig mit seinem Unternehmen identifiziere, verliere es zugleich für ihn an Wert im Sinne von Bedeutung. Er müsse sich also Fragen, welche Priorität er seinem Unternehmen im Einklang mit seinen persönlichen Werten einräumt. Dies seien zum Beispiel Familie, Gesundheit, Sicherheit und Unabhängigkeit oder auch Qualität, Loyalität und Image. Gefährlich für den Unternehmer und seinen Betrieb werde es insbesondere, wenn die wesentlichen Aspekte seiner Lebensführung aus seiner Sicht nicht im Gleichgewicht stehen.

Hagen plädiert daher für eine erweiterte Vorstellung von „Wert-Schöpfung“: „Nur wer sich seiner Werte bewusst ist, kann seine Berufs- und Lebensplanung langfristig erfolgreich gestalten.“ Ansonsten würde er früher oder später von Unzufriedenheit, unerfüllten Erwartungen oder ziellosem Aktionismus eingeholt.

Der Ausweg ist für den betriebswirtschaftlich geprägten Coach in diesen Fällen klar. Sein „Werte.Coaching“ greift das Grundproblem auf und analysiert die maßgeblichen Werte und Stärken der Unternehmerpersönlichkeit. Sie werden mit den betriebswirtschaft­lichen Zielen in Einklang gebracht, um langfristig Erfolg zu erreichen. Wichtigste Leitlinie bildet dabei die Authentizität: „Man muss seine Ziele, Werte und Stärken genau kennen, um authentisch zu sein. Das gilt gegenüber dem Mitarbeiter ebenso wie beim Kunden“, weiß Hagen. Schwerpunkte seiner Vorträge und Praxis-Workshops im gesamten Bundesgebiet bilden Authentizität, Motivation und Team-Management. (11.06.2007)