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Watt’n Störfall!

Störfall bei Vattenfall. Der Energiekonzern kommt nicht aus den Schlagzeilen. Am 28. Juni hatte es in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel an der Elbe Zwischenfälle gegeben. Seitdem sorgte vor allem die zögerliche Informationspolitik des Unternehmens darüber, was passiert war und was nicht, für allgemeinen Unmut. Krümmel ist seit diesem Tag abgeschaltet, Brunsbüttel inzwischen wieder voll am Netz.

Jetzt ist eine weitere Schlagzeile hinzugekommen: Vattenfall plant nach einer Meldung des Nachrichtenmagazins Spiegel Online vom 14. Juli in Deutschland einen vorzeitigen Ausstieg aus der Kernkraft. Gute Nachrichten für Atomkraftgegner? Für alle, die diese Form der Energieerzeugung schon immer für verantwortungslos hielten? Ein Zeichen weitreichenden Verantwortungsdenkens? Mitnichten.

Nach einer Serie von Pannen überlegt das Unternehmen, die Lizenz für die Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel abzugeben. Abzugeben an einen anderen Atomkonzern. Nach Informationen des SPIEGEL gab es bereits Verhandlungen mit dem E.on-Konzern. Auch nach Informationen der Financial Times Deutschland vom 15.7. haben die Konzerne bereits darüber gesprochen, ob E.on den Betrieb der Anlage übernehmen soll.

E.on, so Der Spiegel, genießt nach der Pannenserie eine höhere Reputation beim Betreiben von Kernreaktoren als Vattenfall. Er könnte – so die Hoffnung der Branche – die Kraftwerke wieder aus der Kritik nehmen. Andere Energiekonzerne fürchten derweil, dass Vattenfall die Kernkraft insgesamt in Verruf bringen könnte. Dadurch wäre die von der Branche angestrebte Verlängerung der Atomlaufzeiten in Gefahr. Die Energiekonzerne hoffen, so Der Spiegel abschließend, bei der nächsten Bundestagswahl auf einen Sieg der Unionsparteien, und damit auf den so genannten Ausstieg aus dem Ausstieg.

Wer hier Konzern-Verantwortung vermutet hatte, der muss sich getäuscht sehen. Es geht anscheinend nicht darum, aus aktuellen Fehlern einer Problemtechnologie zu lernen und Konsequenzen zu ziehen. Es scheint um die Rettung der Kernkraft in Deutschland zu gehen, zunächst wenigstens um die Rettung des Ansehens dieser Technologie. Was für Vattenfall ein technisches Problem war, könnte zum allgemeinen Vertrauens-Störfall werden. Vielleicht für Vattenfall. Vielleicht für alle Atomkraftwerksbetreiber.

Robin Keppel, Oldenburg