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„Wir vermitteln qualifiziertes und sozialversichertes osteuropäisches Pflegepersonal ab zwei Euro die Stunde“ –

Sind Dumpinglöhne moralisch vertretbar, wenn Alte, Arme und Schwache davon profitieren? Zumindest davon profitieren könnten? Eine spannende Diskussion dazu ist jetzt in der deutschen Wirtschaft denkbar, insbesondere im Gesundheitssektor, in der Pflegedienstleistungsbranche. Ein Unternehmen aus Bremen ist angetreten, um mit Billigkräften den Markt zu bedienen: Es heißt McPflege und bezeichnet sich selbst als Pflegediscounter. Es geht dabei nicht ums Kleckern, sondern ums Klotzen: Ziel von McPflege ist es nach Unternehmensangaben, innerhalb der nächsten drei Jahre 50 Vertriebsniederlassungen bundesweit aufzubauen und das Unternehmenskonzept auch in den Niederlanden, der Schweiz und Österreich einzuführen.

„Wir vermitteln qualifiziertes und sozialversichertes osteuropäisches Pflegepersonal ab zwei Euro die Stunde“, erklärte Firmengründer und Pflegemarktexperte Dr. Norbert Meiners in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Pflegebedürftige könnten also weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung leben und deren Angehörige sicher sein, dass eine optimale Versorgung und Betreuung gewährleistet ist, hieß es weiter. „Unser Angebot beschränkt sich jedoch nicht nur auf bloße Pflege“, betonte Mitgründer Alwin Teiken in der gleichen Meldung. „Wir möchten, dass pflegebedürftige Menschen bei ihren noch möglichen Aktivitäten begleitet und betreut sowie darüber hinaus auch motiviert, reaktiviert und mobilisiert werden, um ihre Lebensqualität zu steigern.“

Klingt ja zunächst irgendwie gut, der Wortlaut dieser Presseerklärung. Aber was verbindet man mit dem Namenselement „Mc“? Schnell und billig? Schnell und nur vermeintlich billig? Standardisierte Produkte von zweifelhafter Qualität? Qualifizierte Arbeit für 2 Euro die Stunde inclusive Sozialversicherung – kann das gut gehen? Warum meint das Unternehmen betonen zu müssen, dass das Konzept „absolut legal“ sei? Was werden die Arbeitskräfte in den etablierten Pflegediensten zu der Billigkonkurrenz sagen? Und wird ein Billiglohn als Preisvorteil bei den gepflegten Menschen ankommen? Oder wird ihn jemand anders vorher abschöpfen? McPflege erklärt dazu in seiner Pressemitteilung, keine Konkurrenz zur hiesigen ambulanten Pflege zu sein. „Wir sind die Ergänzung dazu“, sagen sie, und dass sie „deshalb gezielt die Zusammenarbeit mit ambulanten Pflegediensten“ suchen. Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat noch keine Stellungnahme dazu veröffentlicht, weder auf Bundesebene noch im Landesverband Bremen-Niedersachsen.

Noch nicht! Man darf gespannt, richtig gespannt sein, ob Dumpinglöhne als vertretbar gelten werden, wenn es um Alte, Arme und Schwache geht…

Robin Keppel, Oldenburg