Nachrichten

Lenkt die World Water Week Finanzströme in die richtige Richtung?

Stockholm > Dass gestern Nachmittag auf der World Water Week in Stockholm PUB Singapore mit dem Stockholm Industry Water Award 2007 ausgezeichnet wurde, freut Johannes Schmidt. Schmidt ist Geschäftsführer der Siemens Financial Services GmbH, und in den Wasseraufbereitungsanlagen von PUB Singapore werden auch Siemens-Komponenten verwendet. Früher sei das Wasser für die Menschen in Singapur mit Tankern aus Malaysia herbeigeschafft worden, berichtet er. Inzwischen wird dort aus Brauchwasser, Oberflächen-oder Regenwasser das kostbare Nass in einer Qualität zurückgewonnen, die der Menschen trinken kann oder die sich sogar für die Chipherstellung eignet. Ein Beispiel für verbesserte Lebens- und Produktionsbedingungen durch technischen Fortschritt, der noch in weit größerem Umfang realisiert werden könnte, wenn auch die Finanzströme in größerem Umfang in die Wassergewinnung flössen.

Finanzierung ist das Thema von Johannes Schmidt, einem Siemensianer, der seinem Unternehmen seit seiner Ausbildung verbunden ist. Investitionen in die Wasserwirtschaft sind zukunftsträchtig und sicher, davon wollen er und seine Kollegen die Finanzwelt überzeugen. Wasser wird immer gebraucht werden. Wasser ist unersetzlich und es ist nur schwer transportierbar. Investitionen in Wasser sind also risikoarm – selbst auf lange Zeiträume. Argumente, die nicht nur auf der World Water Week Gehör finden werden. Denn gerade in diesen Tagen befinden sich die Finanzmärkte im klassischen Wechselspiel von Gier und Angst.

Siemens mit seinen 495.000 Mitarbeitern in 190 Ländern ist ein Global Player. Industrial Solutions and Services heißt der Unternehmensbereich, der sich mit der Wasseraufbereitung befasst, überwiegend für den industriellen Bereich. Über 1.500 Patenten nennt Siemens sein eigen und steht als innovatives Unternehmen für Wasser- und Abwasseraufbereitung an der Weltspitze. Mit einem Umsatzvolumen von 1,5 Milliarden Euro gehört das Unternehmen zudem zu den größten Anbietern von Aufbereitungstechnologien für Trink- und Abwasser. Bereits vor vier Jahren hat sich Siemens durch die Übernahme von US Filter auf einen deutlich wachsenden Markt für Wasser- und Abwasseraufbereitung gut vorbereitet und den eigenen Anlagenbau um die Filtertechnik des amerikanischen Unternehmens erweitert.

Finanzströme fließen dort, wo gute Renditen zu erwarten sind. Das ist im beruflichen Alltag von Johannes Schmidt eine Binsenweisheit. Siemens ist kein gemeinnütziger Verein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Und mit den Renditen ist es in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern eben nicht so einfach. Finanzierungsströme können diskriminieren, indem sie an manchen Regionen vorbei fließen. Hier seht der Wirtschaftsmann die Weltbank oder die Asian Development Bank gefordert. Siemens kennt die Probleme mancher Schwellenländer gut, ist das Unternehmen doch seit über 100 Jahren in Indien, in Indonesien und in manchen anderen Staaten Asiens engagiert. Dass Siemens ein Good Corporate Citizen ist, belegt das langfristige Engagement des Unternehmens in diesen Ländern, zum Beispiel in Infrastrukturprojekte, betont Schmidt. Man setze eben nicht auf die schnelle Mark (den schnellen Euro) und wende sich nicht wieder ab, wenn die Rendite sinke, sondern das Siemens-Engagement sein langfristig und gesellschaftlich integriert. Und Corporate Social Responsibility zeige sich auch in dem, was man nicht tue, dass man zum Beispiel nicht gegen geltendes Recht verstoße …

Die World Water Week geht am Wochenende in Stockholm zu Ende. Für Johannes Schmidt und seine Kollegen hat sich die Zeit dort gelohnt, wegen der guten Gesprächsatmosphäre mit den NGO’s zum Beispiel. Gut auch, dass dieses Event die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit einmal mehr auf das Wasser-Thema gelenkt hat. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft zusätzliche Finanzströme dorthin fließen, wo sie dringend gebraucht werden – in Regionen mit einem Mangel an sauberem Wasser. Denn in solchen Regionen müssen auch heute noch über eine Milliarde Menschen leben.