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Armut in Deutschland ist ein Bildungsproblem

Köln – Kinder aus bildungsfernen Schichten leiden in Deutschland unter besonders geringen beruflichen Chancen und sind damit später relativ häufig von Armut betroffen. Dies schreibt der Informationsdienst „Wirtschaft und Ethik“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln in seiner aktuellen Ausgabe (Nr. 3/2007). Nach den Ergebnissen der PISA-Studien hinge die Zukunft der Kinder nirgendwo sonst so stark vom Bildungsstand der Mutter ab wie hierzulande. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund hätten in Deutschland zu wenige Chancen, meint der Autor. Problematisch sei nicht die aktuelle Einkommenslage, sondern vor allem der geringe Bildungsstand der Eltern. Denn Kinder von Alleinerziehenden, die überproportional häufig von Armut betroffen seien, schnitten beim PISA-Test nicht schlechter ab als Schüler aus anderen Familien. Das Hauptproblem sei also nicht die Einkommensarmut, sondern die Perspektivlosigkeit, so der Informationsdienst. Wenn sich Chancen böten, aus der Armutsfalle zu entkommen, sei die eigene Leistungsmotivation der Kinder größer. Schwerpunkt der Bekämpfung der Armut in Deutschland müsste also die Verringerung der Bildungsarmut sein, um zukünftige Armut zu verhindern, fordert der Autor.

Wie der Informationsdienst außerdem berichtet, gelten für das Jahr 2004 in Deutschland rund 13 Prozent der Bevölkerung als arm. Im EU-weiten Vergleich ist dieser Wert verhältnismäßig niedrig. Als arm gelten alle Personen, die die „relative Armutsschwelle“ unterschreiten, die in Deutschland bei 9.891 Euro pro Jahr liegt. Die geringste Armutsquote herrscht in Schweden mit neun Prozent, die höchste in Litauen und Polen mit jeweils 21 Prozent. (01.10.2007)