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Mainstream-Tourismus, Nachhaltigkeit und ein Workshop der InterContinental Hotels

Jesolo & Hamburg > Mehr als 600 Millionen grenzüberschreitende Urlaubs- und Geschäftsreisen mit jeweils mindestens einer Übernachtung weltweit registriert die World Tourism Organisation jährlich. Einer davon bin in dieser Woche ich. Meinen Arbeitsplatz habe ich an die Adriaküste und in den schönen italienischen Ort Jesolo verlegt. Jesolo Lido – der Strand von Jesolo – ist um vieles größer als der ursprüngliche Ort. Ein wunderbarer Sandstrand, in der Nachsaison bei angenehmen Temperaturen erfreulich leer. Ein Ort, in dem sich Hotel an Hotel reiht und in dem nun – im Oktober – so langsam die Lichter ausgehen. Ich habe mich umgesehen – und noch keine Spuren des nachhaltigen Tourismus gefunden. Mit einer Ausnahme: Dem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr.

Nachhaltiger Tourismus ist im Kommen. Seit 1998 gibt es beispielsweise das forumandersreisen e.V., einen Verband kleiner und mittelständischer Reiseveranstalter, die ein auf Nachhaltigkeit aufgebauter Tourismus als gemeinsames und verbindliches Ziel verbindet. Langfristig ökologisch tragbar, wirtschaftlich machbar und für ortsansässige Gemeinschaften ethisch und sozial gerecht soll dieser Tourismus sein. Und es gibt Anbieter wie explore & help, die Reisen in verschiedene Länder mit dem Besuch eines Hilfsprojektes vor Ort kombinieren. Allerdings: Der Marktanteil der bei einem der Reiseveranstalter dieses Forums gebuchten Reisen liegt noch knapp unter 1%. Das Thema gewinnt dennoch an Fahrt: Mindestens 40% der Bevölkerung interessiert sich für sozialverträgliches Reisen. Der Trend geht deshalb an den großen Veranstaltern nicht ganz vorbei. So hat die TUI als Großveranstalter Umwelt-Checklisten für seine Vertragshotels und Destinationen eingeführt oder eine kleine Umweltbroschüre zu Mallorca herausgegeben.

Die Herausforderungen für den Tourismus sind groß: Einerseits beschafft die Branche dringend benötigte Arbeitsplätze und Devisen. Andererseits sind diese Arbeitsplätze in der Regel saisonabhängig und schlecht bezahlt. Wasser- und Energieverbrauch der Hotels sind hoch, Vertragsbedingungen für Zulieferer oft schlecht, und für Neubauprojekte wird die einheimische Bevölkerung manchmal ohne Berücksichtigung ihrer Infrastrukturbedürfnisse umgesiedelt, beklagen Experten.

Hier also an meinem temporären Arbeitsplatz in Jesolo lese ich mit Interesse einen Bericht über den CSR-Workshop der InterContinental Hotels Group am 1. Oktober in Hamburg. Der Senior Vice-President des britischen Konzerns, David Jerome, stellte dort die CSR-Strategie seines Unternehmens vor. Für ihn ist klar: Bei Corporate Social Responsibility geht es nicht um beliebiges soziales Engagement, sondern um die Frage, wie Unternehmen ihr Geld verdienen.

Zum Workshop im InterContinental Hamburg trafen sich auf Einladung der Kommunikationsberater Laurich & Kollegen rund 25 CSR- und Nachhaltigkeitsexperten norddeutscher Unternehmen und Institutionen zu einem deutsch-britischen Erfahrungsaustausch in Sachen CSR. „Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere CSR-Strategie in unsere Managementsysteme zu integrieren und streben an, dass Nachhaltigkeit sämtliche Abläufe prägt, die für unser Business relevant sind“, betonte David Jerome zur Eröffnung des Roundtables bei einem Impulsvortrag zum CSR-Verständnis des Unternehmens und den gegenwärtigen Trends in der anglo-amerikanischen Nachhaltigkeitsdiskussion.

InterContinental wolle sein Kerngeschäft zugleich nachhaltig – umwelt- und sozialverträglich – und wirtschaftlich erfolgreich führen. Dazu entwickle das Management derzeit Verfahren, welche die Umwelt-Performance der Hotels in den Schlüsselsegmenten Energie-, Wasserverbrauch und Abfallaufkommen ermitteln und bewerten und so Verbesserungs- und Einsparpotenziale für die Zukunft aufzeigen. Bei deren Realisierung setzt die weltweite Hotelkette auf partnerschaftliche Vereinbarungen mit den Häusern in den jeweiligen Regionen. Die aktive Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Häusern sieht Jerome als entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg.

Nachhaltigkeit in einer Hotelgruppe mit über 540.000 Gästezimmer in mehr als 3.650 Hotels und nahezu 100 Ländern – ein wichtiger Schritt voran. Nachhaltigkeit im Tourismus, dieses Thema werden wir in den kommenden Tagen mit verschiedenen Berichten auf www.csr-news.net aufgreifen.

Foto: David Jerome mit Gesa Rohwedder, Gerneral Manager des InterContinental Hamburg
Rechte: InterContinental