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Ärzte an kirchlichen Krankenhäusern beklagen mangelnde christliche Fürsorge

Köln. Für Ärztinnen und Ärzte unter kirchlichen Dächern herrscht nach Erkenntnissen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund „alles andere als rein christliche Fürsorge“. Eine Mitgliederumfrage unter insgesamt gut 3600 Klinikärzten habe gezeigt, dass die Ärztinnen und Ärzte in den kirchlichen Krankenhäuern sich deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen ausgesetzt sehen würden als ihre Kolleginnen und Kollegen in Kliniken mit öffentlichen oder privaten Trägern.

Die ärztliche Hilfsbereitschaft werde „mit dem Argument der christlichen Nächstenliebe aus ökonomischen Spargründen rücksichtslos ausgenutzt“. Wirtschaftliche Interessen würden höher bewertet als etwa der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter oder die Patientensicherheit. „Ärztinnen und Ärzte in kirchlichen Kliniken sind in besonders hohem Maße unzufrieden mit ihrer Arbeitsplatzsituation und wechseln bereits verstärkt zu anderen Trägern“, berichtet Rudolf Henke, Vorsitzender des Landesverbandes NRW/RLP.

„So wird in kirchlichen Kliniken die gesetzliche Höchstgrenze von 48 Stunden bei der wöchentlichen Arbeitszeit besonders drastisch überschritten. 71 Prozent der über 1400 befragten Ärztinnen und Ärzte in kirchlichen Kliniken berichten davon, dass diese Grenze regelmäßig missachtet wird. Hier weisen kirchliche Träger die schlechtesten Ergebnisse unserer Umfrage auf“, erläutert Henke. Allein in den über 320 kirchlichen Kliniken in NRW würden die Überstunden der Ärzte zu 78 Prozent nicht bezahlt. In den öffentlichen Kliniken sei der Anteil hingegen deutlich geringer.

Ein Lichtblick sei jedoch die jüngste Entwicklung im Bereich der evangelischen Kirche, wo sich bei einem Teil der Krankenhäuser die Arbeitsbedingungen künftig verbessern würden. Ausdrücklich fordert Henke die katholische Kirche auf, diesem Vorbild zu folgen und das Gespräch mit dem Marburger Bund zu intensivieren. (spe|08.11.2007)

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