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Wohnungsmarkt bietet gute und schlechte Beispiele für CSR

Berlin > Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft ist nicht nur eine Frage der Ökologie. Stadt- und Stadtteilentwicklung, Familien- und Seniorenfreundlichkeit und die Veränderungen im Bevölkerungsaufbau sind Herausforderungen an die Wohnungswirtschaft. CSR NEWS sprach über die Corporate Social Responsibility in der Immobilienbranche mit dem Mieterbund-Präsidenten Dr. Franz-Georg Rips:

CSR NEWS: Vor welchen Herausforderungen steht die Wohnungswirtschaft?

Dr. Rips: Die Wohnungswirtschaft steht vor zwei ganz großen Herausforderungen: Da ist zum einen die sehr unterschiedliche demografische Entwicklung der Bevölkerung. Wir haben in Deutschland extreme Schrumpfungsregionen – etwa im Osten, im Norden oder in Teilen des Ruhrgebietes. Und wir haben Regionen mit steigender Wirtschaftskraft und einem entsprechenden Bevölkerungszuwachs. Entsprechend gibt es Wohnungsleerstände in einigen Regionen und in anderen Wohnraummangel und steigende Mietpreise.

Die zweite Herausforderung besteht in der Wohnraumversorgung für Haushalte mit geringen Einkommen. Wir wissen heute bereits, dass die Altersarmut in den kommenden Jahren eine große Herausforderung werden wird. Auf dem Wohnungsmarkt geht der Anteil der Wohnungen aus dem sogenannten sozialen Wohnungsbau dagegen deutlich zurück.

CN: Die Immobilienwirtschaft verhält sich in dieser Situation gesellschaftlich verantwortlich?

Dr. Rips: Auf dem Wohnungsmarkt sehen Sie Anbieter, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind, und andere, die Wohnraum schlicht als Wirtschaftsgut betrachten. Der Unterschied tritt besonders dort hervor, wo Wohnraum knapp ist und hohe Mieten erzielt werden können – etwa in München, Stuttgart, im Rhein-Main-Gebiet, in Köln, Düsseldorf und den Universitätsstätten. Wo soziale Gesichtspunkte beachtet werden müssen, um Wohnungsleerstände zu vermeiden, da zeigt sich natürlich ein positiveres Bild.

Soziale Gesichtspunkte werden am ehesten von kommunalen Wohnungsgesellschaften beachtet. Deshalb haben wir auch – und das mancherorts erfolgreich – gegen den Ausverkauf des kommunalen Wohnungswesens protestiert.

CN: Verantwortliche Wohnungswirtschaft heißt also: Wohnraumangebot zu erschwinglichen Preisen?

Dr. Rips: Nicht nur. Nachhaltigkeit bedeutet auch Wohnrauminstandhaltung. Denn ein gepflegter Wohnraum ist für das Wohlbefinden der Mieter unerlässlich. Die Vernachlässigung der Wohnraumpflege ist zwar kurzfristig billiger, verursacht aber langfristig Kosten.

CN: Es gibt einen Widerspruch zwischen nachhaltiger Wohnungswirtschaft und betriebswirtschaftlichem Erfolg?

Dr. Rips: Ein Spagat zwischen betriebswirtschaftlicher Effizienz und sozialen Aufgaben besteht ohne Frage. Deshalb betonen wir auch, dass die ausreichende Zurverfügungstellung von bezahlbarem Wohnraum eine sozialstaatliche Aufgabe ist. Deshalb gibt es zu Recht Förderinstrumente wie das Wohngeld.

Wir wollen auch, dass die gesellschaftliche Dimension von Wohnraumangeboten erkennbarer wird. Dabei sprechen wir von „Sozialrendite“ oder „Stadtrendite“, die bisher nicht in der Bilanz ausweisbar ist. Die Berliner Wohnungsgesellschaft DEGEWO hat einen Forschungsauftrag an die Humboldt-Universität vergeben, um Methoden für die Bewertung der Sozialrendite zu entwickeln. Solche Initiativen halten wir für zukunftsweisend. Der Mieterbund wird sich auch in Zukunft intensiv Nachhaltigkeit der Wohnungswirtschaft einfordern.

CN: Vielen Dank für das Gespräch!