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Soziale Kapitalisten. Ein Interview zum Buch von Hannes Koch

Pünktlich zur Weihnachtszeit erschien das Buch „Soziale Kapitalisten. Vorbilder für eine gerechte Wirtschaft“. CSR NEWS sprach mit dem Autor Hannes Koch.

CSR NEWS: Herr Koch, ihr Buch heißt „Soziale Kapitalisten“. Manche meinen ja Kapitalismus ist per se immer schon sozial, andere wiederum sehen darin einen nicht auflösbaren Widerspruch. Was meinen Sie mit diesem Buchtitel.

Hannes Koch: Weder sind Kapitalismus oder Marktwirtschaft ursprünglich sozial, noch stehen Markt und sozialer Ausgleich in einem automatischen Widerspruch zueinander. Die Marktwirtschaft bietet einen effektiven Koordinationsmechanismus, um Bedürfnisse zu befriedigen. Ziele der Gerechtigkeit und des Gemeinwohls werden aber erst dann erreicht, wenn ein entsprechender politischer Rahmen existiert.

CSR NEWS: Was unterscheidet die sozialen Kapitalisten von den reinen Kapitalisten?

Hannes Koch: Soziale Kapitalisten sind Unternehmer, die neben dem Ziel, Gewinn zu erwirtschaften, noch andere Ziele zu erreichen versuchen – etwa Schutz des Klimas oder vernünftige soziale Bedingungen in ihren Zulieferbetrieben.

CSR NEWS:
Heißt das, es sind Gutmenschen, die es sich leisten können?

Hannes Koch: Diese Unternehmer arbeiten nicht selbstlos. Ihre Firmen stehen gut da, sie können es sich leisten, ihre Beschäftigten am Gewinn zu beteiligen, teure Investitionen in umweltfreundliche Energieversorgung zu tätigen oder höhere Preise für Zulieferprodukte zu zahlen. Aber die ökologische und soziale Qualität von Produkten entwickelt sich zunehmend auch zu einem Faktor, der zusätzliche Gewinnmöglichkeiten eröffnet.

CSR NEWS: Können Sie uns dafür einige Beispiele aus der Praxis nennen?

Hannes Koch: Die Alfred Ritter GmbH (Ritter Sport) kauft Kakao in Nicaragua zu Preisen, die über dem Weltmarktniveau liegen, um Bauerngenossenschaften zu unterstützen. Dieser Kakao soll künftig in Deutschland als Bioschokolade vermarktet werden. Ritter will damit vom Bioboom profitieren. Ein anderes Beispiel: Im Gegensatz zu Schlecker können die Beschäftigten der Handelskette dm drogerie markt sicher sein, dass sie Tarifgehälter plus Zulagen bekommen. Die faire Behandlung des Personals steigert die Motivation und schafft eine angenehme Atmosphäre, was auch die Kunden honorieren. Laut Umfragen ist dm bei den Verbrauchern überdurchschnittlich beliebt.

CSR NEWS: Sind diese „Sozialen Kapitalisten“ etwas Neues? Oder gibt es auch Vorbilder für die Vorbilder in Ihrem Buch?

Hannes Koch: Vorbilder gab es schon im 19. Jahrhundert. In der damaligen Gründerzeit haben Unternehmen eigene Krankenversicherungen gegründet oder Firmensiedlungen gebaut. Sie schafften damit die Voraussetzungen, dass ihnen ihre Arbeitskräfte zuverlässig zur Verfügung standen. Heute hat sich die Motivation der Unternehmen geändert. Verantwortungsvolles Verhalten gegenüber den Beschäftigten und der Umwelt dient auch dazu, das Vertrauen der Öffentlichkeit, der Politik und der Kunden in die Marke zu fördern. Gutes Image erleichtert das Geschäft.

CSR NEWS: Sie betrachten in Ihrem Buch fast ausschließlich inhabergeführte Unternehmen, teilweise mit großer Familientradition. Lassen sich aus Ihren Darstellungen auch Hinweise für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung von Kapitalgesellschaften ableiten?

Hannes Koch: Unternehmen, die nicht dem Druck der Finanzmärkte ausgesetzt sind, müssen nicht unbedingt 25 Prozent Eigenkapitalrendite abliefern. Sie haben es leichter, wenn sie sich andere Ziele setzen wollen, als nur den reinen Profit. Aber auch auf den Finanzmärkten ist eine Veränderung im Gange. Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherungen erkennen allmählich, dass ökologische und soziale Nachhaltigkeit den künftigen Unternehmenswert erhöhen können. Unternehmensverantwortung minimiert Risiko und unterstützt den Aktienwert.

CSR NEWS: Sie portraitieren in Ihrem Buch eine Reihe „guter Unternehmenspraxen“. Bleiben damit kritische Perspektiven automatisch außen vor?

Hannes Koch: Keineswegs. Kein Unternehmen ist in jeder Hinsicht „gut“. Kritische Punkte gibt es überall. Die Otto Gruppe beispielsweise setzt wesentlich auf den Transport per Lkw, obwohl sich Michael Otto mit seiner Stiftung als großer Umweltschützer gibt. Aber die Firmen, die ich untersucht habe, sind doch Vorreiter, weil sie eine soziale und ökologische Verantwortung an den Tag legen, die anderswo noch nicht üblich ist.

CSR NEWS: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Koch.

Das Buch „Soziale Kapitalisten. Vorbilder für eine gerechte Wirtschaft“ von Hannes Koch ist als gebundene Ausgabe bei Rotbuch erschienen und für 19,90 € im Buchhandel erhältlich.

Cover

Das Interview für CSR NEWS führte Thomas Beschorner.

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