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Organisch wachsen, nachhaltig wirtschaften – Interview mit Arcandor-„Flottenchef“ Dietmar Köcher

Essen > Dass sich stetiges Wachstum und nachhaltiges Wirtschaften unter ökologischen Gesichtspunkten ergänzen, das belegt die Arcandor AG mit Sitz in Essen. Im März 2007 wurde aus der Konzernholding der KarstadtQuelle AG über Nacht die Arcandor AG. Die Umbenennung betraf lediglich die Holding, die erfolgreichen Marken Thomas Cook, Karstadt oder Quelle firmieren weiterhin unter ihren bekannten Namen. Als innovativer, global agierender Konzern ist Arcandor bestrebt, weiter organisch zu wachsen und dabei nachhaltig zu wirtschaften. Dies impliziert gesellschaftliche und ökologische Verantwortung – auch und gerade bei der konzerneigenen Flotte. Dietmar Köcher, Leiter Konzernfuhrpark der Arcandor AG, gewährte im Interview Einblick in die strategische Ausrichtung des Konzern-Fuhrparks.

Herr Köcher, wie ist die Flotte der Arcandor AG aufgestellt? Gibt es einen konzernweiten Fuhrpark oder managt jede Marke, jedes Geschäftsfeld jeweils einen eigenen Fahrzeug-Pool?

Dietmar Köcher: Unser System ist so angelegt, dass wir eine Dienstwagen-Ordnung für den deutschen Markt schreiben. Diese ist verbindlich für alle Konzernteile und macht keinen Unterschied zwischen einem Vorstand, einem Geschäftsführer oder dem so genannten Vielfahrer – sie gilt also für alle gleichermaßen.

Wenn beim Thema Dienstwagen das Prinzip Gleichheit gilt, wie hat man sich dann Ihre Dienstwagen-Ordnung konkret vorzustellen?

Dietmar Köcher: Der Bereich Flotte wird zenral von Frankfurt aus geführt, hier am Main werden zentrale Papiere wie Dienstwagen-Verordnungen erstellt und Rahmenverträge geschlossen. In der Kaufmannssprache reden wir von Governance-Funktionen, die wir konzernseitig vorgeben. Damit gilt dann wirklich gleiches Recht für alle. Am Ende bleibt eine Nuance von zwei Prozent, worin sich die Teilkonzerne unterscheiden. Einfach um den speziellen Eigenheiten der unterschiedlichen Unternehmen der breit aufgestellten Arcandor AG gerecht zu werden. Dadurch bringen wir Linie in unser Fuhrparkgeschäft.

Setzen Sie damit nicht allzusehr auf eine zentrale Steuerung Ihrer Flotte?

Dietmar Köcher: Nein, keineswegs. In den einzelnen Teilkonzernen gibt es jeweils einen Fuhrparkleiter, der mir unterstellt ist. Ohne Standortbetreuung kommen wir gar nicht aus. Schauen Sie zum Beispiel nach Fürth, wo Quelle ansässig ist. Allein dort haben wir 300 Dienstwagennutzer – da brauche ich ohne Wenn und Aber eine Betreuung vor Ort.

Lassen Sie uns auf ganz Deutschland blicken. Könnten Sie uns ein paar Zahlen zum Fuhrpark liefern, damit unsere Leser wissen, von welchen Dimensionen wir sprechen?

Dietmar Köcher: Aber sicher. Wir bewegen in Deutschland 1.750 Pkw sowie 500 Transporter. Dabei setzen wir auf Full-Service-Leasing bei der Volkswagen Leasing. Ausnahmen machen wir zum Beispiel bei der Quelle Werksfeuerwehr – einem Fahrzeug, das eine Million kostet und das nur mit Kauf wirtschaftlich ist. Bei den Nutzfahrzeugen setzen wir nicht auf kontinuierliche Anschaffung, sondern leasen eine beträchtliche Anzahl an Fahrzeugen am Stück. Dazu machen wir eine extra Ausschreibung – jüngstes Ergebnis ist das Leasing von 200 Volkswagen T5. Beim Dienstwagen-Pkw herrscht eher strategisches Denken. Hier steht die Frage im Raum: Was passt zu uns als Konzern, was passt zum Budget und was passt zu den Mitarbeitern? Mit den Fahrzeugen von Audi gehen wir einen optimalen Weg, der auch in der Außenwirkung einen positiven Auftritt ermöglicht.

Die Marken-Frage wäre damit geklärt. Wie sieht es mit der Ausstattung Ihrer Fahrzeuge aus – was geben Sie Ihren Mitarbeitern mit auf die Reise?

Dietmar Köcher: Unsere Flotte kennt drei Auto-Ordnungen: Die erste ist der Direktion und Geschäftsführer-Ebene vorbehalten, die zweite wendet sich an das mittlere Management und die dritte ist auf Vielfahrer und Funktionsträger zugeschnitten. Unsere Referenzfahrzeuge sind allesamt gleich ausgestattet mit Radio, Freisprecheinrichtung und Klimaanlage – klingt etwas nostalgisch, weil das mittlerweile fast alle Neuwagen bieten. Aber wir betreiben dieses System schon seit der Zeit, als elektrische Fensterheber noch optional bestellt werden mussten. Vielfahrer erhalten zudem – angelehnt an ihre Funktion – auch ein festeingebautes Navigationsgerät.

Auf welchen Antrieb setzen Sie bei Ihrer Flotte?

Dietmar Köcher: Das betrachten wir weniger emotional als überwiegend aus wirtschaftlicher Perspektive. Wir lassen vom Leasinggeber 15 Leasingpreise im Rahmen eines FullService-Leasings ermitteln, die immer mit einer bestimmten Motorisierung verbunden sind – in unserem Fall ist dies zu 95 Prozent ein Diesel, die zu 100 Prozent über Dieselpartikelfilter verfügen. Die Leasingrate informiert dabei auch über den Spritverbrauch pro Monat. Aus den Vorschlägen des Leasinggebers formen wir dann unsere Leasing-Oberrate für die Referenzfahrzeuge, an der sich die Dienstwagenberechtigten bei der individuellen Konfiguration ihrer Fahrzeuge orientieren.

Die Arcandor AG strebt nachhaltiges und profitables Wachstum an – dazu zählt auch gesellschaftliche und ökologische Verantwortung. Welchen Stellenwert hat Klimaschutz und das Stichwort „CO2“ für Ihr Flottenmanagement?

Dietmar Köcher: Das Thema Ökologie ist für uns mehr als ein Lippenbekenntnis. Wir haben erst kürzlich einen Ökoflotten-Test in der Essener Zentrale durchgeführt: Im Rahmen eines Gewinnspiels haben wir sieben Mitarbeiter ausgelost, die für zwei Wochen BlueMotion-, EcoFuel, Hybrid- und e-Modelle testen durften und in dieser Zeit unmittelbar am Eingang der Zentrale geparkt haben. Die Bereitstellung der Fahrzeuge lief dabei über unseren zentralen Betreuungspartner, das Audi Zentrum Trier, welches der Löhr-Gruppe angehört. So hat die Belegschaft mitbekommen, was derzeit im Bereich grüne Flotte am Markt ist. Die Resonanz der Testfahrer war durchgehend positiv – ob es um Leistung, Verbrauch oder Komfort ging. Die Angst vorm „schlechteren“ Öko-Auto dürfte damit passé sein.

Ihr Engagement in Ehren, aber das Projekt hatte doch eine recht kurze Laufzeit …

Dietmar Köcher: Sicher, aber wir werden diese Richtung weiter verfolgen – etwa indem wir künftig Anreize für die Dienstwagenfahrer schaffen, diese umweltfreundlichen Modelle auch zu ordern. Einen Test mit Erdgasfahrzeugen kann ich mir zudem auch sehr gut bei den Karstadt-Technikern vorstellen, zum Beispiel beim Facility-Management in München, dessen Bewegungsradius doch überschaubar ist. Sie sehen, wir denken da schon äußerst zielorientiert und in konkreten Anwendungen.

Bitte wagen Sie einen Blick in die Zukunft – wie ist Ihre Flotte künftig aufgestellt?

Dietmar Köcher: Ich denke, dass ökologische Faktoren immer stärker in die wirtschaftlichen Überlegungen bei der Anschaffung einfließen werden. Gut möglich, dass wir Referenzfahrzeuge in naher Zukunft zuallererst nach CO2-Emission gewichten. Wir erleben derzeit einen Wertewandel in wirtschaftlicher Hinsicht, der sicherlich auch Auswirkungen auf unseren Fuhrpark haben wird. Gut, wenn sich ein Konzern wie Arcandor einschließlich seiner Mitarbeiter rechtzeitig darauf einstellt.

Foto: Dietmar Köcher besteigt ein Testfahrzeug (Arcandor AG)

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