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CSR 2008 – Was die unternehmerische Verantwortung herausfordern wird

„Aus der Vergangenheit kann jeder lernen. Heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen“. Den Ausspruch von Hermann Kahn mag mancher CSR-Verantwortliche vor Augen haben, wenn er über Perspektiven für die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung im neuen Jahr nachdenkt. Was bedeutet Corporate Social Responsibility morgen? Wo liegen 2008 die Herausforderungen für Unternehmen, die Good Corporate Citizen sein wollen? Einige Schlaglichter:

Aufschwung am Arbeitsmarkt – Geht er an den Schwachen vorbei?

Am Arbeitsmarkt ist ein spürbarer Aufschwung eingetreten. Auch ein möglicherweise verhaltenes Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr weitere positive Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Werden alle Arbeitssuchenden davon profitieren können? Wie steht es mit den beruflichen Perspektiven älterer Arbeitsloser, schwerbehinderter Arbeitssuchender, junger Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss und Langzeitarbeitsloser? Für den sozialen Frieden in unserem Land ist die Erfahrung wichtig: Jeder besitzt die Chance zum Zugang auf den Arbeitsmarkt. Hier sind die Unternehmen gefragt.

Megathema Jugendkriminalität und Jugendhilfe – Haben sie etwas mit Unternehmen zu tun?

Die Aggressionen einiger junger Menschen gegenüber Passanten und Fälle von Kindesvernachlässigungen und Kindesmisshandlungen mit Todesfolge bestimmen die öffentliche Diskussion. Mehr Kontrollen und zusätzliche Eingriffsrechte werden gefordert, härtere Strafen, mehr Disziplin, schnellere Abschiebungen und die Einrichtung zusätzlicher „Runder Tische“. Hat das etwas mit Unternehmen zu tun? Kindesmisshandlungen sind nicht nur eine Herausforderung an die Jugendämter als Eingriffsverwaltungen, sondern auch an gelebte Nachbarschaft und die Kinderfreundlichkeit unserer Gesellschaft. Jugendkriminalität ist – statistisch betrachtet – nicht zuerst ein Ausländerproblem, sondern eine Frage der gesellschaftlichen Schichten und der Zugangschancen innerhalb unserer Gesellschaft. Unternehmen als Corporate Citizen gehören an Runde Tische, die sich diesen Fragestellungen widmen.

Demografischer Wandel und Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft

Der demografische Wandel bleibt ein Dauerthema. Die Fragen nach der Integration älterer Arbeitnehmer und der beruflichen Qualifikation sind bereits zur Sprache gekommen. Perspektivisch werden die europäischen Arbeitsmärkte Zuwanderung brauchen. Die Förderung der Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft steht daher in unmittelbarem Unternehmensinteresse.

Regulierungsfreudige Gesetzgeber – was wird aus der CSR?

Besonders Brüssel steht derzeit für seine „Regulierungsfreudigkeit“ in der Kritik. Der deutsche Arbeitnehmer ist mit knapper Not einer Regelung entkommen, mit der die Europäische Union seine Zeit an der Sonne eingeteilt hätte. Ohne Frage gibt es schutzwürdige Rechte und Interessen, die einer Regulierung bedürfen. Andererseits: Wenn nur noch erlaubt ist, was nicht verboten wurde, dann fehlt der Corporate Social Responsibility die Luft. Unsere Gesellschaft brauchen eine Eigendynamik, die über das gesetzlich Gebotene hinaus geht.

Krieg und Frieden -durch die Überwindung von Armut terroristische Rückhaltebecken leeren

Der West-Ost-Konflikt scheint für immer vorbei. Im kommenden Jahr wird uns dafür der Dschihad-Terrorismus weiter bedrohen. Die Überwindung dieser Form des Terrorismus wird umso schneller möglich sein, als in den Ländern des Orients und anderer betroffener Regionen wirtschaftliche und soziale Verbesserungen für die Breite der Gesellschaften möglich werden und Bürger die Unternehmen des „kapitalistischen Westens“ als verantwortlich handelnde Akteure kennen- und schätzen lernen.

Globalisierung der Weltwirtschaft – Schwarzafrika den Anschluss ermöglichen

Von der Globalisierung profitieren derzeit besonders China, Indien und einige andere asiatische Länder. Schwarzafrika droht den Anschluss zu verlieren. Globales Ungleichgewicht bildet den Nährboden für globale Konflikte. Unternehmerisches Engagement in Sub-Sahara-Afrika bleibt daher besonders wertvoll.

Wirtschaftlicher Aufschwung in Asien – die Schere zwischen Arm und Reich schließen helfen

Der wirtschaftliche Aufschwung in Asien hat die Schere zwischen Arm und Reich, Stadt und Land, Gebildet und Ungebildet nicht geschlossen. Verantwortliche Staatsführung, bürgerschaftliches Handeln und das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen sind auch hier gefragt. Dabei geht es auch darum, die (langsam) wachsenden Mittelschichten in gesellschaftliche Verantwortung einzubeziehen.

Aktuelle Krisen in Kenia und Pakistan – Zivilgesellschaft stärken

Die gegenwärtigen Staatskrisen in Kenia und Pakistan zeigen: Die Demokratisierung einer Gesellschaft und – allgemeiner – zukunftsfähige Demokratien brauchen nicht nur eine entsprechende Staatsform, sondern auch eine starke Zivilgesellschaft. Die Entwicklung einer solchen Selbstorganisation der Gesellschaft muss im Interesse von Unternehmen liegen, die Freiheit als Voraussetzung ihres Wirtschaftens verstehen.

Welche Herausforderungen für die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung im Jahr 2008 sehen Sie? Wie begegnen Sie diesen? Senden Sie uns eine Email an redaktion@csr-news.net oder loggen Sie sich ein und senden Sie uns Ihren Kommentar: