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Kultur des Gebens fördern – Interview mit der neuen Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising Verbandes

Frankfurt > Mit 1.200 Mitgliedern ist der Deutsche Fundraising Verband europaweit der zweitgrößte Bundesverband seiner Art. Der Verband setzt sich für eine Kultur des Spendens ein und engagiert sich zu Fragen der Spendenethik. Mit der neuen Verbandsgeschäftsführerin Silvia Starz sprach Achim Halfmann für CSR NEWS:

CSR NEWS: Frau Starz, Ihr Verband beschäftigt sich mit dem Fundraising. Das heißt übersetzt ‚Spendensammeln‘?

Silvia Starz: Beim Fundraising geht es um die strategische Herangehensweise einer Nichtregierungsorganisation zur Gewinnung der Ressourcen, die sie zur Zielerfüllung braucht. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Zeitspenden, Know How oder ehrenamtliches Engagement.

CN: Deutschland hat wirtschaftlich harte Jahre hinter sich. Suchen immer mehr Akteure auf einem schrumpfenden Spendenmarkt nach Ressourcen?

Silvia Starz: In Deutschland fehlen dazu umfassende und aussagekräftige Zahlen. Aber aus anderen Ländern wissen wir: Wenn eine Kultur der Philanthropie wächst, dann wächst auch die Spendenbereitschaft. Ein Bereich mit deutlichem Bedeutungszuwachs ist hierzulande jedenfalls das Stiften. Auf der anderen Seite gibt es derzeit etwa 600.000 Vereine – Tendenz steigend.

CN: Der Staat zieht sich zunehmend aus der Finanzierung gesellschaftlicher Aufgaben zurück. Da sind dann andere Finanzierungsquellen gefragt.

Silvia Starz: Die Situation im dritten Sektor ist unterschiedlich: Manche Akteure arbeiten unabhängig von einer öffentlichen Finanzierung, andere nicht. Wer eine staatliche Finanzierung nutzt und die Qualität seiner Arbeit halten will, muss sich auch nach anderen Finanzierungsquellen umsehen. Oft werden nur die Sachmittel oder alternativ das Personal aus öffentlichen Mitteln gezahlt. Ein freier Träger braucht natürlich beides – Mitarbeiter und Material. Da bleibt Finanzierungsbedarf.

CN: … und auch die Unternehmen werden zu Ansprechpartnern.

Silvia Starz: Für das Fundraising sind Unternehmen wichtige Ansprechpartner. Die Handlungsweise der Unternehmen hat sich allerdings geändert. Gefördert wird nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip. Die Unternehmen schauen vielmehr genau hin, welches Projekt zu ihrem Unternehmen und zu ihrer Zielgruppe passt, wie ein Projekt durchgeführt wird und welche Kommunikationsmöglichkeiten es bietet. Unternehmen wissen: In ihrem regionalen Umfeld wird sehr genau wahrgenommen, ob sie sich als gute Nachbarn auszeichnen. Manche Unternehmen gründen daher heute Stiftungen, in denen sie ihr gesellschaftliches Engagement bündeln und mit denen sie die Kommunikation ihres Engagements auch mit dem Unternehmensnamen verbinden können.

CN: Nehmen Sie einen Bedeutungszuwachs der Corporate Social Responsibility wahr?

Silvia Starz: Die Bedeutung des reinen Social Sponsorings hat abgenommen. Mischformen des Engagements, die unter den Begriff Corporate Social Responsibility fallen, werden häufiger. Unternehmen suchen nicht nur nach medialen Ereignissen, sondern fragen verstärkt nach dem nachhaltigen Effekt ihres Engagements. Sie analysieren ihre Lieferketten, was sicher auch an den neuen Qualitätstests der Stiftung Warentest liegt. Für die Fundraiser haben sich dadurch die Ansprechpartner in den Unternehmen geändert. Heute sitzen sie zum Beispiel oft in den HR-Abteilungen.

CN: Haben die NGOs die Trendwende wahrgenommen?

Silvia Starz: Manche ja, andere nicht. Wer im Gespräch mit Unternehmen ist, der hat die Veränderungen wahrgenommen und ändert seine Organisationsformen und Strategien. Heute ist eine andere Herangehensweise gefragt: Fundraiser suchen nicht nur Geldspenden, sondern bieten Kooperationen an, die für Unternehmen und Gemeinnützige eine win-win-Situation darstellen. NGOs streben eine nachhaltige Kommunikation ihrer Anliegen an. Dabei ist es gerade für die Kleinen nicht leicht, Themen in den Medien zu platzieren und auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Das Medieninteresse fokussiert eben doch auf das Erschreckende und besonders Drängende. Gute Nachrichten und gute Beispiele gehen da oft unter.

CN: Wo werden ihre persönlichen Schwerpunkte in der Geschäftsführung des Deutschen Fundraising Verbandes liegen?

Silvia Starz: Wir haben schon eine sehr gute Mitgliederzahl erreicht und wollen uns weiter steigern. Und wir wollen verstärkt unsere Themen in den Medien platzieren. Fördern wollen wir die Kultur des Gebens in Deutschland. Dazu gehört auch, dass wir uns für die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen engagieren. Die Reform des Gemeinnützigkeitsrechtes hat unser Verband – gemeinsam mit anderen – begleitet. Nun geht es um die Ausführungsbestimmungen dazu. Und wir werden weiterhin sehr aufmerksam die europäische Gesetzgebung und ihre Bedeutung für den dritten Sektor beobachten.

CN: Vielen Dank für das Gespräch!

Der Deutsche Fundraising Verband im Internet:
www.fundraisingverband.de