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Nokia und die unternehmerische Verantwortung

Bochum > „Unternehmerische Verantwortung heißt für Nokia, die Einflüsse ihrer Arbeit auf Gesellschaft und Umwelt zu erkennen und entsprechend zu agieren. Als Marktführer und weltweit tätiges Unternehmen nimmt Nokia diese Verantwortung sehr ernst. Eine solide Unternehmensethik ist deshalb für das tägliche Geschäft enorm wichtig“, heißt es auf der Website des Unternehmens, dass aufgrund der geplanten Betriebsstilllegung in Nordrhein-Westfalen und der Verlagerung seines Produktionsstandortes nach Rumänien derzeit in Deutschland in der Kritik steht wie kein anderer Global Player. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmen, das weltweit tätig ist und auch künftig auf dem deutschen Markt seine Produkte verkaufen will, bereit ist, einen Imageschaden hinzunehmen“, sagte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers der Rheinischen Post (Donnerstag-Ausgabe). Die Menschen an Rhein und Ruhr hätten ein „gutes Gespür für Fairness und Gerechtigkeit“. Rüttgers will gemeinsam mit Nokia-Mitarbeitern und Gewerkschaften „Druck aufbauen“, damit sich das Unternehmen seiner Verantwortung stellt – von der es in seinem CSR-Statement redet.

Die Diskussion läuft dabei nicht undifferenziert. Handys sind zu einem Massenprodukt mit geringer Gewinnmarge geworden. Wer etwa bei www.billiger.de nach Handys ohne Vertrag sucht, findet Angebote für Nokia-Handys unter 14,00 EUR. Ein solcher Preisdruck lässt sich für Unternehmen nur mit äußerster Kostendisziplin führen. Die Lohnkosten machen dabei lediglich einen kleinen Teil aus. Der Fall Nokia jedenfalls führt deutschen Schnäppchenjägern vor Augen, zu welchem Preis „billig – billig“ zu haben ist.

Nokia steht besonders aufgrund der Inanspruchnahme von Fördergeldern des Landes Nordrhein-Westfalens in Höhe von 60 Millionen Euro in der Kritik. Diese Gelder sollten Arbeitsplätze aufbauen und den Industriestandort NRW sichern. Insgesamt zahlte das Land NRW in den letzten zehn Jahren in 120 Förderfällen 443 Millionen Euro Subventionen an Unternehmen. Auch diese Subventionspraxis steht nun zur Diskussion.

„Unternehmerische Verantwortung heißt für Nokia, die Einflüsse ihrer Arbeit auf Gesellschaft und Umwelt zu erkennen und entsprechend zu agieren“, betonte Nokia. Dieses Bekenntnis nehmen dem Unternehmen die Menschen im Ruhrgebiet heute nicht ab. Wer Steuergelder in hohem Umfang zum Aufbau von Arbeitsplätzen entgegen nimmt und diese dann nach Ablauf der Zweckbindung wieder einreißt, der muss sich nach seiner Corporate Social Responsibility fragen lassen.