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Corporate Volunteering gut aufgestellt und strategisch schlecht genutzt

Berlin > Viele deutsche Firmen engagieren sich im Corporate Volunteering und fördern freiwillige gemeinnützige Aktivitäten ihrer Mitarbeiter – doch nur wenige nutzen das Potenzial dieser Maßnahmen für die Personalgewinnung. Das ist das Ergebnis einer Gemeinschaftsstudie der CSR-Beratungsagentur Scholz & Friends Reputation, der Humboldt- Universität zu Berlin und der Financial Times Deutschland, die gestern veröffentlicht wurde. Für die Studie „Corporate Volunteering als Recruiting-Maßnahme für Spitzenkräfte in Deutschland – Eine Studie aus Sicht deutscher Großunternehmen“ wurden 190 deutsche Großunternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX sowie die 30 größten privatwirtschaftlichen Unternehmen befragt. Die Antwortquote lag bei 23%.

„Wir merkten auf als uns klar wurde, wie vielfältig das Thema Volunteering bereits in Unternehmen aufgestellt ist – und wie wenig es gleichzeitig unternehmensstrategisch genutzt oder gar eingesetzt wird“, berichtet Sabine Fischer, die diese Studie für Scholz & Friends Reputation begleitete. Die in Unternehmen mit dem Corporate Volunteering verbundenen Ziele stünden in der Regel nur im direkten Zusammenhang mit den Volunteering-Maßnahmen und ihren Auswirkungen. Bedeutung und Wirkung dieses Engagement könne aber auf vielfältige Weise konzipiert und kommuniziert werden und so auf mehreren Ebenen Erfolge verzeichnen, betont Fischer und benennt als Beispiel das Recruiting. Einige Ergebnisse dieser Studie zu einem sehr zukunftsträchtigen Bereich der Corporate Social Responsibility:

Gesellschaftliches Engagement fassen die Unternehmen vor allem in den Begriffen „Corporate Social Responsibility (CSR)“ und „Unternehmensverantwortung / Corporate Responsibility“ zusammen (jeweils 49%).

Corporate Volunteering ist kein neues Phänomen: Die große Mehrheit (78%) der Unternehmen setzt Corporate Volunteering -Maßnahmen ein. Der Anstoß für Corporate Volunteering kommt überwiegend aus dem Unternehmen selbst – und eher von Mitarbeitern als vom Vorstand.

In der Recruiting-Kommunikation spielt gesellschaftliches Engagement bisher keine Rolle. Im „War for Talents“ feuern die Unternehmen aus allen Rohren – Corporate Volunteering ist nicht dabei.

Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter mit Sachmitteln und Know-how (jeweils 43%) und ermöglichen Corporate Volunteering in der vergüteten Arbeitszeit (61%). Die Mitarbeiter bringen dabei vor allem Zeit und Know-how ein. Personalentwicklung in sozialen Institutionen spielt eine geringe Rolle. Unter den Mitarbeitern engagieren sich Führungskräfte stärker im Corporate Volunteering.

Corporate Volunteering ist vor allem Sache der Personalabteilung (43%) und der CSR-Abteilungen (32%). Eine Erfolgskontrolle der Corporate Volunteering -Maßnahmen findet nicht statt.

Die Autoren der Studie empfehlen den Unternehmen, Corporate Volunteering gezielt für ihr Personal-Recruitment und damit Spitzenkräfte zu gewinnen und zu binden. Dafür müsse das Potenzial vorhandener Corporate Volunteering -Maßnahmen für Unternehmenskultur, Personalbindung und Recruitment identifiziert und Corporate Volunteering konsequent in die CSR-, Personal-, Unternehmens- und Kommunikationsstrategien eingebunden werden. Wie finden Unternehmen einen Einstieg in das Corporate Volunteering? „Die Welt und die Potentiale von Corporate Volunteering verstehen lernen und im Abgleich mit der Identität des eigenen Unternehmens eine strategische Ausrichtung von CV festlegen“, rät Sabine Fischer. Und warnt vor einem Stolperstein: „Vorsicht hinsichtlich des bereits bestehenden privaten Engagements von Mitarbeitern. Dies darf weder unternehmerisch okkupiert werden noch darf das Unternehmen darüber hinweg sehen.“

Die Studie im Internet:
http://www.s-f.com/Portals/9/studien/080107_CV-Studie_sf-hu-ftd.pdf

Foto: Mitarbeiter von Coca Cola beim Orange Day 2007 (Coca Cola)

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