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Green chic symbolisiert den Zeitgeist – ein Gespräch mit dem Modefotografen Peter Prix

Von Alexandra Hildebrandt

Green Chic, Green Glamour, Fair Fashion – ethischer Konsum setzt auch in der Mode Zeichen. Die Mischung von modischem Stil, ökologischer Herstellung und fairem Handel liegt im Trend. Öko-Label sind mittlerweile auf den Laufstegen von Paris und Mailand vertreten, ökologisch und fair produzierte Mode hat sich zu einem ernst zu nehmenden Markt entwickelt und wird von Top-Models in Szene gesetzt. Lifestyle und Haltung, gutes Design und gutes Gewissen verschmelzen dabei. Öko-Mode wird zu einem sozialen Statement, drückt eine Haltung aus, symbolisiert den Zeitgeist.

Zu zeigen, dass sich gutes Design und soziales Gewissen sehr gut miteinander verbinden lassen, ist das Anliegen des Designzentrums Norintra House of Fashion in Hongkong, das mit seiner neuen Kollektion Norintra Pure Nature auf ökologische Materialen und gutes Design setzt. Das Unternehmen, das Mode für Karstadt Warenhaus, Quelle und Neckermann entwirft, verwendet für die Kollektion ausschließlich natürliche Materialien, die über eine optimale Hautverträglichkeit verfügen und zudem die Umwelt weniger belasten. Zum Einsatz kommen Baumwolle aus ökologischem Anbau, Bambus und Seide. Als erstes Multi-Channel-Unternehmen bietet Peter Hahn Produkte von Norintra Pure Nature an. Die Kollektion wurde mit dem Top-Model Petra Nemkova in Szene gesetzt. Fotografiert wurde die Kampagne von dem Modefotografen Peter Prix. Mit ihm sprach Alexandra Hildebrandt über Mode, Modefotografie und den Trend zu Öko-Fashion.

Peter Prix, geboren 1952, arbeitet seit 1978 als freischaffender Fotograf mit Schwerpunkt Mode. Seit 1995 spezialisiert er sich auf hochwertige Fotoproduktionen und Ausstellungen.

Der Künstler und Mäzen F. C. Gundlach, dessen Modefotografien der Fünfziger- bis Siebzigerjahre zu Ikonen geworden sind, hat in seinen Bildern immer mehr abgebildet als nur Frauen und Kleidung. Seine Arbeiten setzten sich immer auch mit gesellschaftlichen Phänomenen auseinander. Modefotografien, sagt er, „sind Interpretationen und Inszenierungen. Sie reflektieren und visualisieren den Zeitgeist. Sie bieten Projektionsflächen zur Identifikation, aber auch für Träume, Wünsche und Sehnsüchte.“ Entspricht das auch Ihrem Verständnis von Modefotografie?

Das bringt es auf den Punkt. Es ist schwierig, etwas Neues zu formulieren, da dieses Zitat in wunderbarer Weise und völlig zeitlos definiert, was gute Modefotografie ausmacht. Mode ist Zeitgeist und trägt zum Gesamtbild des Zeitalters bei.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Modefotografen aus?

Er sollte überzeugend sein, sollte er ein sicheres Gespür für die Aufgabenstellung besitzen. Er muss seine Bilder im Geist vorplanen und beim Shooting intuitiv sein.

Wie kamen Sie zur Modefotografie – oder wie kam die Modefotografie zu Ihnen?

Die Faszination für die Fotografie begann bei mir mit sechs Jahren. Damals musste mein Fahrrad, eine Pfütze oder ein Baum, als Motiv herhalten. Später in der Foto-AG meiner Schule waren meine Mitschülerinnen die ersten Models für Modeartikel in der Schülerzeitung. Die Modefotografie stand immer im Mittelpunkt meines beruflichen Denkens.

Wann ist Modefotografie für Sie beseelt?

Immer dann, wenn alle Mitwirkenden ihr ganzes Gefühl mit einbringen.

Macht Modefotografie das Subjekt zum Objekt?

Das kann man so sagen. Ich versuche immer, das Äußere mit dem Inneren zu verschmelzen, um so ein Objekt der Begierde zu schaffen.

Ist ein Modefotograf selbst Moden unterworfen?

Natürlich lebt ein Modefotograf von den Trends, aber er sollte selbst seine Handschrift bewahren.

Der Trendforscher Peter Wippermann ist der Meinung, dass sich die Frauen jetzt nach einer langen Phase der Orientierung an maskulinen Leistungsdaten wieder auf feminine Werte besinnen. Wie sieht aus Ihrer Sicht das Modebild zum aktuellen Lebensgefühl aus?

Die moderne Frau entwickelt in ihren Lebensphasen sehr selbstbestimmt ihren eigenen Stil. Sie lebt ihre eigenen Lebenswelten und kleidet sich privat wie geschäftlich in entsprechender Weise. Vielleicht wählt sie das strenge Business-Outfit, und in ihrer Freizeit gibt sie sich betont romantisch, leger oder auch verführerisch. Das aktuelle Lebensgefühl wird natürlich stark von äußeren Einflüssen mitgeprägt, und so entwickelt jeder Typ Frau ein neues, für sie aktuelles modisches Lebensgefühl.

Weshalb hat Stil mit Kultiviertheit und Individualität zu tun?

Es gibt nichts Schöneres als durch seinen eigenen Stil, unterstützt durch die aktuelle Mode, ein selbstsicheres und geschmackvolles Äußeres zu inszenieren. Die Vielfältigkeit der Mode würde genügend Möglichkeiten bieten, um sich stilvoll einzukleiden. Leider haben nicht alle den kultivierten Geschmack.

Weshalb muss eine Kollektion, wenn sie das Publikum erreichen soll, auch fotografisch inszeniert werden?

Der Mensch wird von Bildern überflutet. Nur durch inszenierte und außergewöhnliche Fotos kann der Betrachter erreicht werden.

Welche Grenze sollte ein Modefotograf niemals überschreiten?

Die Modefotos sollten phantasievoll und anregend, aber niemals geschmacklos sein.

Was ist in der Modefotografie wichtiger: das Kleidungsstück oder das Model? Oder gibt es das perfekte Foto nur durch die gelungene Kombination von beiden?

Nur das richtige Model kann zusammen mit dem Kleidungsstück authentisch wirken. Nur wenn beide Teile zusammenspielen, nimmt der spätere Betrachter das Foto als authentisch wahr. Voraussetzung ist die vollkommene Symbiose zwischen Model und Kollektion.

Lässt sich mit dem richtigen Model jede Kollektion „beleben“?

Nicht jede Kollektion lässt sich durchs Model retten.

Sie haben das Top-Model Petra Nemkova für die Kollektion „Norintra Pure Nature“ fotografiert. Was macht diese Kollektion für Sie aus?

Norintra Pure Nature symbolisiert den Zeitgeist, und nur ein Model, das diesem Zeitgeist entspricht, kann hier in Frage kommen. Petra Nemkova ist das vollkommene Sinnbild dieser Anforderung: Sie ist natürlich, warmherzig und ohne Allüren. Sie liebt ihren Job und zeigt sich animativ und authentisch und verkörpert damit auf natürliche Weise die Kollektion, die sie präsentiert. Der Betrachter wird von ihrer Authentizität in den Bann gezogen.

Wenn Sie das Top-Model Petra Nemkova beschreiben müssten – was macht ihr Wesen aus?

Petra hat trotz ihrer schrecklichen Erlebnisse beim Tsunami 2004 in Phuket und dem tragischen Tod ihres Verlobten Simon Atlee eine gläubige und positive Einstellung zum Leben bewahrt. Sie ist großzügig und selbstbewusst und strahlt über ihre wunderschönen Augen von innen eine Heiterkeit und Natürlichkeit aus, die einmalig ist. Zudem wirkt sie auf mich sehr sinnlich. Beim Shooting bringe ich lediglich ihr Wesen voll zur Geltung.

Was meinen Sie mit „großzügig“ – dass sie viel von sich selbst preisgibt?

Ihre Großzügigkeit zeigt sich nicht nur durch ihre süßen Überraschungen, die sie zum Shooting mitbringt. Sie engagiert sich mit ihren Happy Hearts Fund sehr, um Not leidenden Kindern zu helfen. Das ist beeindruckend. Dieses großartige Wirken gibt ihr sicher die Kraft und das Selbstbewusstsein, das sie in ihrem Modeljob ausstrahlt.

Welche Rolle spielt der Blick des Modefotografen beim Shooting? Wie viel Distanz und Nähe zum Model sind nötig, um den gewünschten Bildeffekt zu erzielen?

Grundsätzlich wird immer vor Beginn des Shootings im Team – und vor allem mit dem Model – die gewünschte Ausdrucksform besprochen. Es bedarf einer gewissen positiven Spannung zwischen Model und Fotograf, um hochkonzentriert und trotzdem emotional ein außergewöhnliches Foto zu machen. Voraussetzung dafür ist blindes Verstehen – spüren und fühlen ohne Worte.

Welche Rolle spielt dabei die Improvisation? Ist jedes Model gleichermaßen dafür empfänglich?

Natürlich plane ich die Bilder im Voraus. Dennoch versucht das ganze Team zusammen mit dem Model, spontan zu sein und Ideen sofort aufzunehmen. Die Improvisation beim Shooting ist wie das Salz in der Suppe. Mit Petra fällt es besonders leicht, weil sie selbst sehr offen und kreativ mitwirkt.

Sollte ein Model im Shooting selbst kreativ sein und eigene Vorstellungen einbringen? Wie viel Eigeninitiative lassen Sie zu?

Ein Model wie Petra belebt die Objekte – ich gebe lediglich nur die Richtung vor. Von der kreativen Umsetzung und ihrer starken Ausdruckskraft kann ich nur partizipieren.

Sind Sie als Modefotograf inzwischen häufiger mit dem Thema „Ethical Fashion“ oder „Green Glamour“ konfrontiert worden?

Green Cotton ist mir natürlich schon vor die Kamera gekommen. Trotzdem sehe ich einen erheblichen Unterschied zur Kollektion Norintra Pure Nature. Sie ist trendiges Design in Verbindung mit pure nature. Es war mir eine reine Freude, das fotografisch umzusetzen.

Was macht für Sie den Wert der Nachhaltigkeit eines Kleidungsstücks aus?

Er ist daran zu erkennen, wie häufig und stolz der Konsument das Teil trägt. Es muss für ihn ein Lebensgefühl vermitteln.

Dr. Alexandra Hildebrandt ist Leiterin Kommunikation Gesellschaftspolitik bei der Arcandor AG. Der Beitrag erschien zuerst im changeX Partnerforum.

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