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Werte hat auch die Mafia – Paul Ch. Donders zum Verhältnis von Werten und Tugenden

Innsbruck > Unter dem Motto „Führen mit Werten“ findet vom 29. bis 30. Mai im Innsbrucker Haus der Begegnung das 2. xpand Wirtschaftssymposium statt (www.wirtschaftssymposium.com). Die Veranstalter erwarten rund 200 Tiroler Führungskräfte. „Die Rückbesinnung auf Werte hat Konjunktur“, betont Mag. Sven Kühne, der Leiter des Symposiums. Initiiert wird die Veranstaltung von der Unternehmensberatung „xpand austria“. Zu den Referenten werden die Tiroler Skilegende Andi Widhölzl, Tirols Wirtschaftskammerpräsident Dr. Jürgen Bodenseer und Bischof Dr. Manfred Scheuer gehören. Auch der Vorstand von xpand International, Diplom-Ingenieur Paul Ch. Donders, gehört zu den Referenten. Von ihm stammt der folgende Gastbeitrag zum Thema „Werteorientierte Führung“ und zum Verhältnis von Werten und Tugenden:

Der Trendletter vom VNR-Verlag (www.trendletter.de) von Dezember stand unter der Überschrift: „Ohne Sinn kein Gewinn: Warum Kunden und Talente das Sinn-Plus fordern.“ Offensichtlich leben wir in einer Zeit wo immer mehr Menschen den Wunsch haben nachhaltig zu arbeiten, zu konsumieren und ihren Lebensstil einzurichten. Dies fordert Unternehmen und Organisationen auf, darüber nachzudenken, wie sie einen realen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Lange sprachen wir zum Beispiel von „Non-Profit-Organisationen“, merken aber, dass in dieser Bezeichnung vor allem der Begriff „Non“ hängenbleibt. Als ob wir keinen echten Beitrag liefern. Von daher sprechen wir spätestens seid 2007 eher von „Social Profit Organisationen“. Und zwar solche Organisationen, die bewusst einen sozialen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Dies ist bei Krankenhäusern natürlich leicht nachzuvollziehen. Aber auch dass ganz normale Familienunternehmen und gerade auch die Großkonzerne stehen immer mehr in der Erwartung, innerhalb unserer Gesellschaft einen „sozialen Profit „zu leisten.

Werteorientiert, heißt hier also: welchen sozialen Mehrwert liefert das Unternehmen oder die Organisation. Denn nur Werte zu haben und diese sogar peinlich genau nachzuleben, dass kann auch die Mafia. In November 2007 fand man in Sizilien den Ehrencodex der Cosa Nostra. Hier sind die 10 Gebote der Maffia zusammengestellt. Zum Beispiel sollte man jederzeit seine eigene Ehefrau mit Respekt behandeln. Weiter muss sich jedes Mitglied der Cosa Nostra an allgemein moralische Werte halten.

Werte zu haben und ihnen nachzustreben heißt also noch lange nicht, dass ein Unternehmen einen sozialen Mehrwert für unsere Gesellschaft mit sich bringt. Die Firma Enron hatte folgende drei Werte: Integrität, Offenlegung, Ehrlichkeit. Sie und ich wissen, was das Unternehmen durch seinen Manager ausgelebt hat. Offensichtlich genügt es auch in diesem Beispiel nicht, gute Vorsätze zu formulieren, sondern Werte in Form von konkreten Tugenden auszuleben.

Professor Ulrich Hemel sagt dazu: Die Werte der Führungskräfte (also gelebte Tugenden bzw. Untugenden) sind defacto der Wertekanon des Unternehmens. Wesentlich mehr als wir bisher geglaubt haben, besitzen Führungskräfte einen direkten Einfluss auf die gelebten Werte des Unternehmens. Und dies gilt für Familienunternehmen genauso wie für börsennotierte Unternehmen. In Österreich, Schweiz und Deutschland sind Führungskräfte darum auf der Suche wie sie innerhalb ihres Unternehmens – aber auch gegenüber ihren Kunden – Vorbilder sein können. Heute ist es äußerst schwierig, gute Fachkräfte und Führungskräfte zu gewinnen. Und gerade diese Talente suchen sich immer häufiger Unternehmen aus, wo sie neben ihrer Karriere auch eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben können. Allerdings werden unsere Kunden ebenfalls immer mündiger und kaufen dort, wo sie vermuten, dass das Unternehmen auch einen echten „Social Profit“ bringt.

Welchen Beitrag kann hier eine christliche Ethik liefern? Nun: Seid 2.000 Jahren liefert die christliche Ethik einen Rahmen für Nachhaltigkeit und einen wahren sozialen Beitrag, unter anderem in Form der Tugenden. Die Griechen, Römer und Juden lieferten schon die vier Kardinaltugenden: Weisheit/Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Besonnenheit/Maß. Die christliche Ethik nahm diese vier auf und ergänzte sie mit die drei göttlichen Tugenden: Liebe, Glaube und Hoffnung. Dieser Kanon von sieben Tugenden bietet eine ethische Konstante, welche in den vergangenen drei Jahrtausenden die Grundlage für einen gesunden Lebensstil, gesunde Beziehungen und somit einer gesunden Gesellschaft war. Nicht umsonst wird Benediktus von Nursia der “ Vater von Europa“ genannt, weil er mit Hilfe dieser sieben Tugenden und den vier Evangelien seine Lebensregeln aufgebaut hat. Diese wurde durch die Benediktiner in ganz Europa aus- und vorgelebt. Und durch deren nachhaltige Arbeit haben sie Europa wesentlich zu einem christlichen Abendland gestaltet, wo später Demokratie, gesunder Wohlstand sowie Menschenrechte florieren konnten.

Heute stehen wir im Anfang des 21. Jahrhunderts und haben sicherlich einen Auftrag, inmitten einer Globalisierung gesunde Werte wieder zu entdecken, diese durch Tugenden zum Leben zu bringen und damit unsere Unternehmen und Organisationen zu echten „Social Profit Organisationen“ zu gestalten.