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Studie veröffentlicht: Verantwortung und Entrepreneurship – Nachhaltige Unternehmensführung im Mittelstand

Stuttgart > Der Begriff des „ehrbaren Kaufmanns“ hat eine lange Tradition in Deutschland und ist eine Art Gütesiegel für verantwortungsvolle Unternehmensführung in mittelständischen Unternehmen. Angesichts der aktuellen CSR-Diskussion, die sich in erster Linie an große und global agierende Unternehmen richtet, haben wir uns die Frage gestellt, wie sich heute der verantwortungsvolle mittelständische Entrepreneur definiert bzw. ob sich vor dem Hintergrund gesellschaftskritischen CSR-Diskussion neue Chancen für den Mittelstand ergeben.

In unserer aktuellen Studie „Verantwortung und Entrepreneurship: Nachhaltige Unternehmensführung im Mittelstand“ haben wir deshalb gemeinsam mit dem UNESCO Lehrstuhl der Fachhochschule Gelsenkirchen 500 mittelständische Unternehmen hierzu befragt. Hinzu kommt eine Reihe von Expertenstatements, vornehmlich aus Politik und Unternehmen, zur besonderen Herausforderung von CSR im Mittelstand.

Die Ergebnisse bestätigen, dass der verantwortungsvolle Unternehmer nicht neu erfunden werden muss. Die mittelständischen Unternehmen verfolgen das Thema CSR mit hoher Aufmerksamkeit und sehen seine Reichweite nicht nur auf Großunternehmen beschränkt: Deutlich über die Hälfte der Befragten bewerten die Bedeutung von CSR für mittelständische Unternehmen als wichtig bzw. sehr wichtig. Interessant ist, dass die Unternehmen den Beitrag mittelständischer CSR-Aktivitäten zur sozialen, ökonomischen und ökologischen Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft zwar als positiv betrachten, jedoch davon ausgehen, dass die Öffentlichkeit ihr CSR-Engagement eher wenig wahrnimmt. Zielgruppen des mittelständischen CSR-Engagements sind denn auch weniger öffentliche Gruppen als vielmehr Kunden und Mitarbeiter, also die Ansprechpartner, die unmittelbar mit dem Unternehmen verbunden sind. In diesem Sinn stehen auch soziale Maßnahmen für die Mitarbeiter im CSR-Fokus. Gegenüber den Kunden und Lieferanten prägen vor allem Fairness und Ehrlichkeit in Preisgestaltung, Marketing und Beschwerdemanagement das Bild. Aber auch Maßnahmen zum Umweltschutz, wie z.B. zum Recycling oder zur Energieeffizienz, nehmen im CSR-Engagement einen grundsätzlich hohen Stellenwert ein.

Die Kommunikation der CSR-Aktivitäten richtet sich in erster Linie nach innen, also ins Unternehmen und dient damit vor allem der Mitarbeiterbindung. Dies ist vorausschauend, da aktuelle Untersuchungen zeigen, dass qualifizierte Mitarbeiter immer mehr darauf achten, welches Verantwortungsprofil ein potenzieller Arbeitgeber hat. Im „War for Talent“ ist der interne CSR-Fokus also durchaus zielführend.

Bei der Frage nach der Motivation, die Unternehmen zu einem CSR-Engagement veranlasst, zeigt sich, dass der Mittelständler in Deutschland mit hohem ethischem Bewusstsein handelt, das nicht in erster Linie der Umsatzsteigerung dient. Verantwortungsvolles Handeln ist Chefsache und gehört zum Unternehmensethos. Es ist Teil des Selbstverständnisses und umfasst soziale und ökologische Aspekte.

Gefragt nach dem politischen bzw. regulatorischen Umfeld ist der Appell eindeutig: Unter der Abwägung politischer Zielvorstellungen und Lenkungswirkung den Unternehmen sollte ein möglichst hohes Maß an Freiraum für die Gestaltung der unternehmensspezifischen Verantwortungsdimension gesichert werden.

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Die Studie gibt ein eindrucksvolles Bild über die CSR-Wirklichkeit in mittelständischen Unternehmen wieder. Verantwortungsvolles Unternehmertum findet im Mittelstand unter den Herausforderungen des 21. Jahrhundert in einem modernen Entrepreneur-Selbstverständnis seinen Niederschlag. Was im sozialen und Gemeinwohlsinn lange Tradition hat, wird um aktuelle Entwicklungen, vor allem angesichts des Klimawandels, um entsprechende Maßnahmen erweitert. Verbesserungsbedarf besteht jedoch in der strategischen Ausrichtung und der externen Kommunikation. Das bedeutet in erster Linie, die bestehenden CSR-Aktivitäten zusammenzustellen, sie zu klar definierten CSR-Prozessen weiterzuentwickeln und nach außen zu kommunizieren. Aus einem lange tradierten Selbstverständnis kann so ein Wettbewerbsvorteil entstehen.

Die Studie steht unter www.de.ey.com/csr als Download zur Verfügung und kann kostenlos unter csr@de.ey.com bestellt werden.

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