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FAIR 2008 – mit Innovation, Kreativität und Gewinn

Dortmund > Der faire Handel wird professioneller und sein Gesicht wird von jungen Entrepreneuren mitbestimmt. Zertifizierung diskutieren gerade die kleineren Unternehmen kritisch. Und der faire Handel hat nach wie vor eine Fangemeinde. Das zeigte die zweite nordrhein-westfälische FairTrade-Messe, die mit dem Schwerpunktthema „Textilien und Accessoires“ am Freitag und Samstag in Dortmund stattfand. Mit den rund 2000 Besuchern der Messe und der parallel stattfindenden Veranstaltungen – einer Fachtagung „Fairer Handel hautnah“ und der zwölfte Eine-Welt-Landeskonferenz – zeigten sich die Veranstalter sehr zufrieden.

Einige junge und innovative start ups fanden sich unter den über 30 Ausstellern. Etwa die Modedesignerin Daniela Lehne, die mit ökologisch und sozial verträglich produzierten Stoffen in Deutschland Kleidung für Männer und Frauen herstellt und unter der Marke „glücksstoff“ (www.gluecksstoff.de) vertreibt. Seit einem Dreivierteljahr gibt es das Unternehmen, das am Anfang vor der Herausforderung stand, die richtigen Partner und Produktionsstätten zu finden. Oder das Anfang 2006 gegründete Label „fairliebt“ (www.fairliebt.com) mit modischen T-shirts für junge Leute aus IVN-zertifizierten Stoffen. „Wir bieten faire Mode mit ansprechenden Designs für junge Leute“, sagt Wiebke Hövelmeyer, die das Label zusammen mit Mathias Ahrberg betreibt. Vertriebsweg für diese start ups ist überwiegend das Internet. Ein weiterer wichtiger Vertriebskanal für die ausstellenden Unternehmen sind Eine-Welt-Läden, die großen darunter mit rund 200 qm Ausstellungsfläche in Backnang und Leipzig. „Wir wollen mit unseren Produkten aber auch die normale Boutique erreichen“, betont Jürgen Sokoll, Fair-Handels-Experte beim Eine-Welt-Netz NRW.

Dass auch über geschäftlichen Erfolg offen gesprochen werden kann, weil unternehmerischer Erfolg der Sache nutzt, berichten einige der größeren Aussteller mit Zufriedenheit. Am Anfang seien gewinnorientierte Unternehmungen in der FairTrade-Bewegung kritisch beäugt worden, heißt es. „Wir sind ein Unternehmen und brauchen den unternehmerischen Erfolg“, betont Gerhard Schwark von der WALIKI GmbH, die als Importeur und Großhändler, aber auch als Einzelhändler bolivianischer Strickwaren aus Alpaka arbeitet. Und zum unternehmerischen Erfolg tragen die hohe Qualität und der Tragekomfort der Alpaka-Waren ebenso bei wie das ansprechende Design, in das traditionelle Elemente südamerikanischer Kultur einfließen. Auf den geschäftlichen Erfolg ist man auch bei dem 1981 gegründeten schweizer Textilunternehmen Switcher SA (www.switcher.com) stolz. Switcher bietet nachhaltig produzierte T-Shirts, Sweat-Shirts, , Pullovers, Hemden, Jacken, Windjacken, Hosen, Kinderkleider in mehr als 50 Modellen und Farben.

Kritisch diskutiert wird gerade bei manchen kleineren FairTrade-Anbietern das Thema Zertifizierung. Dabei geht es z.B. um die Schwierigkeit, die Herkunft der Rohmaterialien zu überwachen, aber auch um die Kosten der Zertifizierung. Dafür besteht bei diesen Unternehmen und Initiativen ein unmittelbarer und persönlicher Kontakt zu den Produzenten in den Herkunftsländern; man besucht sich gegenseitig und ist mit der Situation vor Ort sehr gut vertraut.

Die FA!R 2008 erlebte einen hohen Publikumsandrang, am Eingang musste manche Wartezeit in Kauf genommen werden. Ein großer Teil der Besucher darf wohl zur Fangemeinde der FairTrade-Bewegung gezählt werden. Dass sich diese ausweitet und alle Generationen und gesellschaftlichen Schichten erreicht, dazu werden die FairTrade-start ups einen Beitrag leisten können.

Weitere Infos im Internet:
www.fair2008.de

Foto: Der IDEO-Stand auf der FA!R 2008 (CSR NEWS)

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