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Gefährden zugelassene Pestizide die Gesundheit? Kontroverse zwischen Greenpeace und dem Agrarverband

Berlin > Greenpeace legte gestern eine Liste von 327 als besonders gesundheits- und umweltgefährdend bezeichneten Spritzmitteln vor. Die „Schwarze Liste für gefährliche Pestizide“ beruht auf einer von der Umweltschutzorganisation bei zwei unabhängigen Experten in Auftrag gegebenen Studie. Unter den gebrandmarkten Wirkstoffen befinden sich auch 168 Spritzmittel, die in der Europäischen Union erlaubt sind. Greenpeace fordert die Wirtschaft auf, diese Pestizide sofort aus dem Verkehr ziehen.

„In der konventionellen Landwirtschaft werden noch immer in einem alarmierenden Ausmaß hochgefährliche Pestizide auf Obst, Gemüse und Getreide versprüht“, sagte Greenpeace-Experte Manfred Krautter. Seine Organisation kritisiert etwa das BASF-Produkt Iprodion und das Bayer-Produkt Syngenta, die über die Nahrungsmittelketten in unsere Speisen gelangten. Zugleich berichtet Greenpeace von Gesprächen mit EDEKA: Das Unternehmen wolle nach langen Verhandlungen noch in diesem Jahr eine Ausschlussliste für gefährliche Pestizide vorlegen.

Keine Gefahren für die Gesundheit sieht Verbandsgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler vom Industrieverband Agrar: „Die Zulassung eines Pflanzenschutzmittels bedeutet, dass es bei korrekter Anwendung keine Risiken für Mensch und Umwelt birgt“. Nach den Greenpeace-Kriterien müssten auch die Vitamine A und D verboten werden. Die Verbannung zugelassener Pflanzenschutzmittel durch Supermärkte hält der Verbandsgeschäftsführer ebenfalls für den falschen Weg. „Die Zulassung erfolgt durch unabhängige Behörden mit hoher wissenschaftlicher Kompetenz“, so Koch-Achelpöhler. Einzelne Unternehmen und Umweltorganisationen hätten diesem ‚geballten Sachverstand‘ wenig entgegenzusetzen. Angesichts einer weltweit wachsende Lebensmittelnachfrage und der Verpflichtung zu ressourcenschonender Produktion sei die Landwirtschaft zudem auf eine breite Palette von Pflanzenschutzmitteln angewiesen.

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