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Medienpädagogik und CSR – Neue Chancen

Berlin > Am Wettbewerb “IT-Fitness macht Schule” können sich alle Schulen, Lehrer oder Schüler bewerben, die mit eigenen Projekten den Umgang mit Informationstechnologie an ihrer Schule fördern. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bill Gates, Gründer und Chairman der Microsoft Corporation, gaben Ende Januar in Berlin den Startschuss zu dem Wettbewerb zum Umgang mit Informationstechnologie an Schule fördern. Bewerbungen sind unter der Webadresse www.it-fitness.de noch bis zum 31. Juli 2008 möglich. Einen Gastbeitrag zum Thema “Medienpädagogische Projekte und Corporate Social Responsibility” schreibt der Medienpädagoge Thomas Schlüter:

Die Vermittlung von Medienkompetenz gehört zu einen der vorrangigsten Lernziele der Schulen, doch hierfür fehlt den Lehren oft die Zeit, die Technik und häufig auch selbst die Kompetenz. Microsoft startet 2007 mit dem Programm „Sicherheit macht Schule“ eine Internetkompetenzoffensive in den Schulen, Schwerpunkte sind Sicherheitsstandards bei der Internetnutzung, Wahrung der Persönlichkeitsrechte und des Urheberechts. Im Bereich Internet sind einige Firmen mit größeren und kleineren Projekten in Schulen aktiv. Doch das Leitmedium der Jugendlichen ist nach wie vor das Fernsehen, das Informationsmedium Nummer eins. Doch wie kommen die Inhalte zustande, wie können Informationen bewertet werden, wie entstehen Nachrichtenbeiträge, Dokumentationen, Filme? Was ist Fiktion, was Realität? Diese Fragen werden auch bei der kompetenten Internetnutzung immer relevanter.

Ein Vormittag in einer Gesamtschule in Berlin Wedding:

23 Schüler aus 8 Ländern erproben sich an 4 Notebooks. Die Jugendlichen der 8. Klasse haben die Aufgabe, in drei Stunden aus den installierten Nachrichtenbildern des Sturmes Kyrill im Winter 2007 eine Auswahl zu treffen und daraus einen eigenen Nachrichtenbeitrag zu schneiden. In der theoretischen Einleitung des Schulprojektes fällt es vielen Schülern sichtbar schwer zu folgen, doch im praktischen Teil vor den Computern sind sie in Kleingruppen konzentriert bei der Sache. Nach zwei Stunden fehlt nur noch ein passender Text für die bereits montierten Bilder, Agenturmeldungen des Sturmtages liefern die oft widersprüchlichen Infos und Zahlen. Doch wer spricht den Text auf die Bilder, wer traut sich? Ein türkische Mädchen, das stets so leise spricht, dass es kaum zu verstehen ist, meldete sich nach anfänglichen zögern. Sie überwindet ihre Hemmungen und spricht den Text per Headset in den Computer ein. Eine Stunde später wird Ihr „Sturmbericht“ der Klasse vorgeführt, genauso wie die drei anderen Beiträge der restlichen Kleingruppen. Alle haben es in der vorgegebenen Zeit geschafft, viele hatten vorher ihre Zweifel, doch jetzt sind sie nur noch stolz auf ihre Leistungen.

Ohne Teamgeist geht nichts, ohne Kompetenz auch nicht, schon gar nicht ohne Mut und Selbstvertrauen! Schüler erstellen schon nach wenigen Stunden der Einweisung eigene Nachrichtenbeiträge, in einer Woche sogar komplett eigene Nachrichtensendungen.

Schüler entdecken die Sprache der Bilder. Besonders Schüler mit Migrationshintergrund bietet die universelle Bildsprache ein neues Ausdrucksmittel, Kurzfilme oder Dokumentationen lassen ihr Selbstwertgefühl wachsen. Sie artikulieren ihre Sicht der Dinge, erkennen nebenbei die manipulativen Möglichkeiten der Bildmedien, lernen sauber recherchieren und Informationen zu bewerten und einzuordnen. Lernen durch handeln, handeln im Team, Selbstvertrauen durch kreative Produkte, vermittelt durch Medien, die die Lebenswirklichkeit der Schüler trifft, das sind die Ziele einer nachhaltigen medienpädagogischen Videoarbeit mit Schülern.

Noch gibt es nur vereinzelte Videoprojekte an den Schulen und Freizeiteinrichtungen. An innovativen Konzepten mangelt es nicht, an engagierten Medienpädagogen, die sich zu neuen Netzwerken zusammenfinden auch nicht. Das Problem ist die Finanzierung. Öffentliche Fördergelder, Unterstützungen der Landesmedienanstalten und einiger Stiftungen erlauben nur exemplarische Projekte wie das oben skizzierte eintägige Nachrichtenprojekt.

Doch wo sind die Unternehmen, die sich verantwortlich engagieren möchten? Teamgeist, Motivation, Integration von jungen Menschen verschiedener Herkunft, Medienkompetenz, Informationsmanagement, das sind Qualifikationen, die Jugendlichen eine Zukunft sichern, genauso wie den Unternehmen, egal, ob sie lokal oder global agieren.
Die Ziele medienpädagogische Projekte und die Ziele einer glaubwürdigen CSR Strategie bieten viele Überschneidungspunkte. An Ideen einer neuen Generation von Medienpädagogen und freien Künstlern fehlt es nicht, an verantwortungsvollen Unternehmen, die neue Wege auch in der CSR gehen wollen, sicher auch nicht.

WINWIN, in diesem Sinne, Thomas Schlüter

Thomas Schlüter arbeitet seit 15 Jahren als freier Redakteur, Autor und Medienpädagoge in Berlin. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Planung und Durchführung medienpädagogischer Projekte in Schulen und integrative Videoprojekte mit benachteiligten Jugendlichen.
Kontakt: tom.schlueter@yahoo.de