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CSR in der Pharma-Industrie – ein spannendes Thema mit vielen Herausforderungen

München > Die Veranstaltung begann ungewöhnlich: Wegen eines falschen Alarms trafen sich die etwa 200 Teilnehmer zunächst nicht im Konferenzraum im 13. Stock, sondern vor der Türe des Mercedes-Benz-Center München. Dann aber gelang es dem Veranstalter Ernst & Young hervorragend, seine Gäste hereinzuholen. Das Thema “Corporate Social Responsibility” griffen unterschiedliche Referenten aus der Praxis auf – mit Tiefgang, konkret und mit einer beeindruckenden Offenheit.

Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung ist in der Branche dabei nichts Neues. Bereits 1901 richteten die Farbenwerke Leverkusen, aus denen die Bayer AG hervorging, eine “Abwasser-Commission” ein. Heute muss sich das Unternehmen weltweit der Verantwortung für seine Services und Produkte stellen, wie auch eine Frage aus dem Publikum nach Chemikalienabfällen in Nepal bewies. Von der Entwicklung des CSR-Managements bei Bayer AG berichtete Ursula Mathar, Vice President Corporate Center Environment & Sustainability. Umweltschutz sei heute produktintegriert und das Thema Nachhaltigkeit für Bayer nicht Kür, sondern Pflicht: Das Thema sei im Mainstream der Finanzmärkte deutlich angekommen. Mathar nahm auch zu der Frage des Medikamentenzugangs für Patienten in Ländern der Dritten Welt Stellung. Hier leiste Bayer viel, etwa durch freiwillige Lizenzvergaben. Der Anteil der Medikamente an den Kosten der Gesundheitsversorgung in diesen Ländern mache jedoch nur 5% aus. Mathar verwies auf die hohe Bedeutung der Gesundheitserziehung und des richtigen Umgangs mit Medikamenten.

Von der auch unternehmerisch sehr erfolgreichen Umsetzung einer konsequenten CSR-Strategie bei einem Generika-Hersteller berichtete Christine Pehl, CSR-Referentin bei der betapharm Arzneimittel GmbH. Das Unternehmen begann zunächst mit klassischem Sponsoring und gründete 1998 die betapharm Stiftung und 1999 das gemeinnützige beta Institut. Dort und gemeinsam mit dem Bunten Kreis werden Programme entwickelt, die die physiologische, die psychologische, soziale und die spirituelle Situation von Patienten ansprechen und den ganzen Menschen erfassen. Auf dem sehr vergleichbaren Markt der Generika-Hersteller konnte betapharm damit ein wichtiges Unterscheidungskriterium schaffen. Das Unternehmen fand dann auch mit dem indischen Pharmakonzern Dr. Reddy´s Laboratories einen neuen Eigentümer, der den Wert dieses Engagements schätzt, den Ansatz stärkt und internationale Synergien zur gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung ermöglicht.

Auf den Status der CSR-Berichte in der Pharmaindustrie ging Dr. Susanne Wosch, Senior Industry Specialist bei der Ernst & Young AG ein. 71% der 24 größten Pharmaunternehmen berichten seit mindestens drei Jahren zu ihren CSR-Aktivitäten. Andererseits werden Inhalte oft narrativ wiedergegeben und strategisch wichtige Themen fehlen (Produktsicherheit, Patientensicherheit, Korruptionsvorsorge).

In einem zweiten sehr offenen und spannenden Teil des Workshops ging es um Compliance und Korruptionsvorsorge. (Wir berichten später.) Insgesamt vergingen vier Stunden schnell bei spannenden Vorträgen und Diskussionen, und die Teilnehmer nutzten das abschließende Buffet ausgiebig für Kontakte und Begegnungen.

Foto (von links): Ursula Mathar, Christine Pehl, Dr. Susanne Wosch (CSR NEWS)