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Private Investoren für Microfinance gewinnen – die Microfinance Initiative Liechtenstein

Vaduz > Am Finanzplatz Liechtenstein hat auch das Social Investment seinen Platz. Das zeigt die Microfinance Initiative Liechtenstein (MIL), und zwar nicht erst seit diesem Monat. Im Rahmen einer Public Private Partnership fanden bereits im Jahr 2005 der Liechtensteinische Bankenverband, die Hilti Familienstiftung, die Medicor Foundation, die Hochschule Liechtenstein, der Liechtensteinische Entwicklungsdienst und die Liechtensteinische Regierung zu der Initiative zusammen. Forschung und Technical Assistance stehen im Mittelpunkt der Arbeitsgemeinschaft, in der Akteure am Finanzplatz Liechtenstein ihr Wissen und ihre Erfahrungen in eine weltweite Entwicklungspartnerschaft einbringen. Ziel ist es dabei, mit guten Argumenten und gesicherten Erkenntnissen Microfinance-Investmentfonds als neue Anlageklasse im Portfoliomanagement für den Mainstream der Investoren interessant werden zu lassen.

Mit diesem Ziel wird bereits über zwei Jahre an der Hochschule Liechtenstein geforscht. Dort ist Oliver C. Oehri am Institut für Finanzdienstleistungen für dieses Themengebiet verantwortlich. Die gute internationale Verankerung der Forschungsarbeiten aus Liechtenstein ist ihm besonders wichtig. Für Anlagen in Microfinance-Investmentfonds sieht Oliver Oehri viele Argumente: Aus Compliance-Sicht bietet dieses Investment einen hohen Schutz vor Korruption, da Darlehen ausgegeben und diese Gelder zurück gezahlt werden müssen. Zugleich bietet das Investment aus der Risikoperspektive aufgrund weltweiter Streuung und vieler tausend Kleinkreditnehmer eine hohe Zuverlässigkeit und ist damit vor allem als stabilisierendes Element in größeren Portfolios geeignet. Für Anleger kleinerer Portfolios eignet es sich dagegen unter der Perspektive eines Social Responsible Investments. Der Kapitalbedarf jedenfalls ist riesengroß: Wenn 500 Millionen „aktiven Armen“ jeweils mit Kleinkrediten von 500 USD geholfen werden kann, dann macht das einen Investitionsbedarf von 250 Milliarden USD. Im Jahr 2005 waren die Microfinance-Fonds gerade einmal mit etwa 1,1 Milliarden EUR ausgestattet, etwa zwei Drittel davon stammten von öffentlichen Kapitalgebern. Es bleibt also viel zu tun.

Im Themenbereich Technical Assistance ist Pius Frick vom Liechtensteinischen Entwicklungsdienst tätig. Hier hat sich die Microfinance Initiative Liechtenstein auf Mikrofinanzprojekt im südlichen Hochland von Peru spezialisiert, wo etwa 50% der Menschen unter der Armutsgrenze leben. Partner dabei ist Swisscontact, die örtliche Mikrofinanzinstitutionen z.B. durch technische Beratung, Aus-und Weiterbildung des Personals und Produktanpassung unterstützen. Zum Einsatz kommen dabei Microfinanzexperten aus Ecuador, die ihr Wissen in vorausgegangenen Projekten erworben haben. Das auf vier Jahre angelegte Projekt umfasst ein Investitionsvolumen von etwa einer Million Schweizer Franken. Und auch für Pius Frick ist klar: Wenn Microfinance erfolgreich sein soll, dann darf es keine Thema vorwiegend für Entwicklungshilfeorganisationen bleiben. MFI in den Mainstream der Investoren zu holen, dass ist auch für den Entwicklungshilfeexperten ein wesentliches Ziel der MIL.

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