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Mikroversicherungsprojekt in Indien am Start – Allianz und CARE kooperieren

Bonn > Indienreisenden bleiben die großen gesellschaftlichen Unterschiede auf dem Subkontinent in lebendiger Erinnerung. Eine stark wachsende Mittelschicht auf der einen Seite, die von der globalen Neuorganisation von Arbeit profitiert. Und auf der anderen Seite Männer, Frauen und Kinder in Städten und auf dem Land, die in bitterer Armut leben und denen damit auch ein Zugang zu medizinischen Versorgungseinrichtungen fehlt oder erheblich erschwert ist. Heute stellten die Allianz Versicherung und die Hilfsaktion CARE in Bonn gemeinsam hoch innovative Versicherungsprodukte vor, die sich an wirtschaftlich arme Menschen im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu wendet: Das Versicherungsprodukt CARE und ein genossenschaftliches Versicherungssystem.

Die Zusammenarbeit mit einem großen Versicherungskonzern ist für Thomas Schwarz von CARE Deutschland-Luxemburg e.V. nicht selbstverständlich. Sie entstand unmittelbar nach der Tsunami-Katastrophe, als sich die Allianz und andere Global Player für Menschen in der Region engagierten. Aus Gesprächen miteinander und mit den Betroffenen vor Ort wuchs der Plan für ein Mikroversicherungssystem. Mit Mikrokrediten hat die internationale Organisation CARE viel Erfahrung. Mikroversicherungen sind etwas völlig Neues, und das Engagement eines so kompetenten Partners wie der Allianz erlebt Schwarz als große Chance für die Region. CARE selbst bringt mit seinen überwiegend lokalen Mitarbeitern die Nähe zu den Menschen in das gemeinsame Unternehmen ein – und zu den über 5.000 Selbsthilfegruppen und 50 Organisationen, die in das Projekt eingebunden werden sollen.

Etwa 200.000 Versicherungskunden erwarten CARE und die Allianz innerhalb des nächsten Jahres. Die Versicherungslösungen kommen nicht von der „Stange“, sondern wurden in intensiven Beratungen gemeinsam mit indischen NGOs und Dorfgemeinschaften entwickelt. Das Unfallversicherungsprodukt mit dem Namen CARE bietet in vier Kategorien Krankenbehandlungskosten, Lohnausfallgeld, Ausbildungskostenübernahme für hinterbliebene Kinder oder eine Hausratversicherung zu Jahresprämien zwischen umgerechnet 1 Euro und 3,40 Euro.

Besonders interessant für die ländlichen Regionen dürfte das genossenschaftliche Krankenversicherungsmodell der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit sein, zu denen sich etwa Dorfgemeinschaften zusammenschließen können. Die indische Bajaj Allianz bringt hier ihr Know How ein und fungiert als Rückversicherer für hohe Versicherungsleistungen. Für eine vierköpfige Familie beträgt die Versicherungsprämie umgerechnet 7 Euro pro Jahr. 65 Prozent der Prämie verbleiben im lokalen Versicherungsverein, 35 Prozent gehen an die Allianz. Die örtliche Gemeinschaft bildet dabei zugleich eine Kontrollinstanz, die auch im Eigeninteresse Versicherungsbetrug und einseitiger Selektion der Versicherungsnehmer vorbeugt.

Ein Geschäft macht die Allianz damit nicht (etwaige Gewinne werden in das Projekt reinvestiert), wohl aber wichtige Erfahrungen: In etwa einem halben Jahr soll eine erste Evaluation starten. Das Angebot für die 200.000 Menschen in Tamil Nadu darf wohl als Modellprojekt gelten. Ein vergleichbares Produkt gibt es bisher nicht, betont Michael Anthony von der Allianz. Allein in Indien schätzt er den Markt für Mikroversicherungsnehmer auf 200 Millionen Menschen, und die Idee ist nicht nur für den asiatischen Kontinent interessant. Ein wirtschaftlicher Erfolg liegt deshalb auch im Interesse einer weiten Verbreitung der Mikroversicherungsidee.

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