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Discounter reagieren auf Supply-Chain-Probleme

Bonn > Supply-Chain-Management ist ein Thema bei den Discountern KiK und Lidl. Mit ihrem Geschäftsmodell sind sie auf sehr günstige Zulieferer angewiesen. Die gehandelten Textilien stammen – nicht nur bei diesen beiden Unternehmen – überwiegend aus Asien und zu einem erheblichen Teil aus Bangladesch. Dort hat sich das deutsche Hilfswerk NETZ an einer Untersuchung der Arbeitsbedingungen von Näherinnen beteiligt und diese im Rahmen der „Kampagne für saubere Kleidung“ (international: CCC – Clean Clothes Campaign) veröffentlicht. Arbeiterinnen aus Bangladesch berichten darin über einen Stundenlohn von 9 Cent, zahllose unbezahlte Überstunden bis spät in die Nacht und die Verhinderung gewerkschaftlicher Tätigkeit. Betroffene Fabriken produzieren für den deutschen Markt, insbesondere für KiK und Lidl. Mit der Veröffentlichung will NETZ Druck auf die Unternehmen ausüben, für die Einhaltung internationaler Arbeitsstandards in der Supply Chain zu sorgen. Und es sollen Kunden und Politiker für das Thema interessiert und sensibilisiert werden. NETZ sucht auch den direkten Kontakt mit den Unternehmen, und der trägt erste Früchte: Am 4. März fand ein Gespräch von Vertretern der „Kampagne für saubere Kleidung“ und den Unternehmen Lidl und KiK statt.

Lidl betont seine Bereitschaft, den offenen Dialog mit der CCC fortzusetzen und gemeinsam einen nachhaltigen Entwicklungsprozess der Lieferanten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Näherinnen zu begleiten. Für die CCC war es wichtig zu hören, dass Unternehmen Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern übernehmen. Die KiK Textilien und Non-Food GmbH betont, man habe die Anschuldigungen der CCC in einem gemeinsamen Gespräch erläutert und entkräftet; das Unternehmen distanziert sich von den Vorwürfen.

Die Lidl Unternehmensgruppe kann darauf verweisen, seit 2006 als erster und bisher einziger deutscher Discounter Mitglied in der Gemeinschaftsinitiative „Business Social Compliance Initiative“(BSCI)“ zu sein, die im Rahmen des europäischen Außenhandelsverbandes entwickelt wurde. Die Mitglieder dieser Initiative wollen einheitliche soziale Mindeststandards für ihre Lieferanten in den unterschiedlichen Ländern für verbindlich erklären und deren Einhaltung durch ein entsprechendes Kontrollsystem gemeinsam überwachen. Lidl hat einen eigenen Verhaltenskodex entwickelt, der den Vorgaben der BSCI entspricht und zu dessen Einhaltung sich alle Lieferanten der Lidl Unternehmensgruppe verpflichten. Zu deren Kontrolle ließ Lidl über 300 Audits in Zulieferunternehmen durchführen. Trotzdem kam es zu den Vorwürfen von NETZ bezüglich der Missstände in Bangladesch.

Die Koordinierung von Audits durch die BSCI begrüßt Dr. Gisela Burckhardt, Vertreterin von NETZ-Bangladesch in der Kampagne für Saubere Kleidung. Es mache keinen Sinn, wenn ein uns derselbe Zulieferer nacheinander von verschiedenen Abnehmern auditiert werde. Sie bemängelt zugleich, dass der BSCI eine reine Unternehmensorganisation sei und kein Multistakeholderforum – wie etwa die niederländische Fair Wear Foundation. Dort werden die Leitungsfunktionen zu 50 Prozent von Unternehmen, zu 25 Prozent von Nichtregierungsorganisationen und von 25 Prozent von Gewerkschaften besetzt. Das trifft sich mit der Zusage von Lidl, Lösungen im Dialog mit gesellschaftlichen Stakeholdern zu suchen.