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Editorial: Betriebswirtschaftslehre und Ethik (zfwu, Ausgabe 2007/3).

Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik (zfwu), Ausgabe 3/2007 – Editorial

„Die Beschäftigung mit Unternehmensethik ist überflüssig. Die Betriebswirtschaftslehre ist Unternehmensethik“. Mit diesen Worten kommentierte „BWL-Papst“ Horst Albach das Verhältnis von Unternehmensethik und Betriebswirtschaftslehre.

Damit löste Albach jedoch nicht, wie möglicherweise von ihm erwartet, allgemeine Zustimmung aus. Vielmehr bildete diese Aussage den Auftakt zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema. Deutliches Indiz hierfür sind nicht nur zahlreiche neue Veröffentlichungen zum Thema Unternehmensethik, auch aus den Reihen der Betriebswirte, wie etwa das 2006 erschienene Buch ‚Unternehmensethik – Hintergründe, Konzepte, Anwendungsbereiche’ von Hans-Ulrich Küpper oder die Publikation ‚Unternehmensethik’ von Elisabeth Göbel aus dem gleichen Jahr, sondern auch die Beschäftigung der ‚Wissenschaftlichen Kommission Wissenschaftstheorie des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft’ mit diesem Thema auf ihrer Jahrestagung 2007 in München unter Vorsitz von Andreas Scherer. Zudem gewinnt das Fach angesichts der bereits durchgeführten oder noch bevorstehenden Umstellungen der Studienprogramme auf Bachelor- und Masterabschluss und der dabei seitens der Akkreditierungskommissionen geforderten verstärkten Ausbildung in so genannten Schlüsselqualifikationen zunehmend innerhalb der universitären Ausbildung an Bedeutung.

Aller Unkenrufe Horst Albachs zum Trotz scheint insbesondere die Unternehmensethik nun auch innerhalb der Betriebswirtschaftslehre zunehmend Fuß zu fassen. Die vorliegende Ausgabe der zfwu hat es sich daher zum Anliegen gemacht das besondere Verhältnis der beiden Disziplinen Betriebswirtschaftslehre und Ethik zu beleuchten, Ergebnisse der aktuellen Diskussion abzubilden und Impulse für deren Weiterentwicklung zu geben.

Wir freuen uns, dass wir mit Hans-Ulrich Küpper (München) einen fachkundigen Experten für den Hauptbeitrag zu diesem Thema gewinnen konnten. Küpper untersucht in seinem Beitrag Business Ethics in Germany – Problems, Concepts, and Functions die Frage, warum Unternehmensethik bisher kein Standardthema in Forschung und Lehre der deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre ist. Obwohl seit Mitte der 1980er Jahre – so seine Diagnose – eine Reihe unternehmensethischer Positionen und Konzepte entwickelt wurden, konnte sich das Fach bislang kaum in der Wissenschaft durchsetzen. Daher stellt der Autor alternativ das Konzept einer ‚Analytischen Unternehmensethik’ vor, das nach logischen, empirischen sowie normativen Dimensionen unternehmensethischer Fragestellungen unterscheidet. Für ein kritisches Korreferat zu den Überlegungen von Küpper konnte mit Thomas Donaldson von der Wharton Business School (Philadelphia) der derzeit wohl wichtigste nordamerikanische Unternehmensethiker gewonnen werden.

Dominik van Aaken (München) bringt mit seinem Beitrag Wertungen im Konstruktionsbereich der ökonomischen Ethik – Über die Verwendung der Ethikkonzeption Karl Homanns in der Betriebswirtschaftslehre einen äußerst wichtigen Aspekt in die Diskussion. Aus der Sicht einer pluralistisch verstandenen Betriebswirtschaftslehre ist es notwendig, ethische Konzeptionen in den Forschungsprozess der Betriebswirtschaftslehre einzubeziehen. Am Beispiel der ökonomischen Ethik verdeutlicht der Autor, dass Forscher bei der Verwendung von Ethiktheorien zwangsläufig zusätzliche Wertungen einfließen lassen, die in der vorliegenden Arbeit als „Wertungen im Konstruktionsbereich“ bezeichnet werden, ein Aspekt der auch von Donaldson an Küpper kritisiert wird. Das Korreferat Wertungen – Welche, von wem und wofür? übernimmt Reinhard Pfriem (Oldenburg).

Der zweite Beitrag mit dem Titel Business as Usual – Der deutsche und französische Beitrag zur Korrumpierung des Oil for Food-Programms stammt von Julia Roloff (Rennes). Die Autorin untersucht, wie es zu einer Korrumpierung des Oil for Food-Programms kommen konnte. Dabei wird exemplarisch die Rolle deutscher und französischer Unternehmen und Mittelsmänner beleuchtet, um deutlich zu machen, inwieweit Iraks politische Strategien Einfluss auf die Geschäftspraktiken hatten. Es soll geklärt werden, warum deutsche und französische Führungskräfte (in)direkt zu Komplizen des Iraks werden konnten und wie in Zukunft derartige Praktiken verhindert werden können.

In der Rubrik Ideenforum stellt Michael J. Rothe seinen Beitrag Personalabbau und Ethik – Ein historischer Essay zur Frage, ob es richtig war, Kathryn McNeil zu entlassen vor. Die Moral des Marktes konkurriert, so der Autor, bis heute mit der älteren, auf Aristoteles zurückgehenden, familienmoralischen Ökonomie. Am Beispiel der Kündigung der Kathryn McNeil wird dieser moralische Konflikt verdeutlicht. Im Anschluss skizziert Till Talaulicar (Berlin) seine jüngst preisgekrönte Dissertation Unternehmenskodizes – Typen und Normierungsstrategien zur Implementierung einer Unternehmensethik.

Zudem besprechen wir in der vorliegenden Ausgabe drei Bücher: Was ist ‚wertvoll’ für die Wirtschaft? (zu Christoph Weber-Berg 2007: Mehrwert Ethik – Added Values in Wirtschaft und Management), rezensiert von Markus Breuer (St. Gallen), Wert und Werte (zu Ulrich Hemel 2005: Wert und Werte: Ethik für Manager – Ein Leitfaden für die Praxis, München/Wien: Hanser) von Alexander Brink (Bayreuth) und Der Entrepreneur als ‚Hirt der Lichtung’? (zu Ferdinand Rohrhirsch und Ludwig Paul Häußler 2007: Unternimm mit anderen. Führung als Selbstführung im unternehmerischen Mitsein) von Markus Porsche-Ludwig (Hualien, Taiwan).

Martin Büscher (St. Gallen) schildert in Ausbildung von Ethik-Beauftragten in der Sozialwirtschaft – Struktur des Curriculums und Erfahrungen der didaktischen Umsetzung Eindrücke aus einem Praxisprojekt. Das Ethik-Forum der Diakonie Südwestfalen hat für acht Ethik-Beauftragte ein Curriculum entwickelt, das einen Beitrag dazu leisten soll, dass Ethik-Beauftragte dafür qualifiziert werden, ihren Auftrag kompetent und wirksam umzusetzen. Im Anschluss daran geben Ludger Heidbrink und Peter Seele (Essen) Einblick in das internationale EU-Projekt ‚Corporate Culture and Regional Embeddedness’. Abschließend wird der Bachelorstudiengang Management, Philosophy & Economics – Frankfurt School of Finance & Management von Bernd Lahno (Frankfurt) kurz vorgestellt.

Last not least begrüßen wir herzlich unser neues Beiratsmitglied Prof. Dr. Fabienne Peter (Department of Philosophy, University of Warwick, UK) und freuen uns auf eine vielversprechende Zusammenarbeit. Beachten Sie bitte auch das Call for Papers zum 9. Jahrgang der zfwu am Ende des Heftes. Wir freuen uns über spannende und interessante Beiträge! Eine anregende Lektüre wünschen

Weitere Informatione stehen unter www zfwu.de zur Verfügung.

Alexander Brink, Michael S. Aßländer und Thomas Beschorner