Nachrichten

Mehr Licht am Viktoriasee

Kisumu > Wer mit dem Flugzeug aus Nairobi kommend nach Kisumu reist, der hat beim Landeanflug in einer letzten Schleife den Viktoriasee vor Augen. Braun und algenhaltig wirkt er aus der Luft, und in der Tat: Die Probleme am Boden sind vielseitig. Wasserverschmutzung hat Ursachen z.B. in einem Absinken des Wasserpegels und im fehlenden Umweltbewusstsein der Anwohner. Ausgebrannte Häuser und Geschäfte symbolisieren ein anderes Problem der Region: Kisumu gilt als Hochburg des bisherigen Oppositionsführers Raila Odinga, und die Unruhen der letzten Wochen hatten hier einen Schwerpunkt. Die ethnischen Konflikte wurden aber nicht nur in der Metropole ausgetragen, sondern auch in den Dörfern kam es zu umfangreichen Vertreibungen von Angehörigen „fremder“ Stämme. Hier in einer ländlichen Region am Viktoriasee hat OSRAM ein weltweit einzigartiges Projekt für eine Lichtversorgung ohne Stromnetz gestartet:

Mbita ist eine Kleinstadt, deren funktionierende Ökonomie auf dem Fischfang basiert. Von dort und aus anderen Orten rund um den Viktoriasee starten jede Nacht rund 175.000 Fischer und locken mit Kerosinlampen Fische an. Das schadet der Umwelt: Durch die Lichterzeugung mit Kerosin werden in Afrika jedes Jahr 67 Millionen Tonnen CO2 emittiert, was ungefähr dem jährlichen CO2-Ausstoß Finnlands entspricht. Und es ist teuer, denn die Fischer müssen allein für die Kerosinkosten über die Hälfte ihres Einkommens aufwenden.

In Mbita hat OSRAM nun eine Solarstation errichtet, den OSRAM Energy Hub. Hier können die Anwohner Akkus für energiesparende Lampen und Leuchten sowie andere Elektrogeräte günstig und gleichzeitig umweltschonend aufladen – und damit zum Beispiel auf den Fischfang gehen. Die Finanzierung der Lampen und der Pfandanleihe ermöglicht ein Microfinancing-System, das die lokale Nichtregierungsorganisation OSIENALA betreibt. Und noch einen weiteren wichtigen Nutzen bietet der nach einer einjährigen Planungsphase in nur vier Monaten Bauzeit errichtete OSRAM Energy Hub: Er verfügen über eine Wasseraufbereitungsanlage mit integrierten UV-Strahlern, deren Licht Bakterien und Keime abtötet.

Drei weitere Energy Hubs stehen in Kenia und Uganda vor Inbetriebnahme, zwei davon ebenfalls am Viktoriasee. OSRAM kooperiert in diesen Projekten mit der Solarworld AG sowie dem Handyhersteller Nokia. Die sogenannten Off Grid Lösungen betrachtet das zum Siemenskonzern gehörende Unternehmen OSRAM als Weg in die Zukunft für Entwicklungs- und Schwellenländer, die sich den Aufbau eines Stromnetzes nicht leisten können. 1,6 Milliarden Menschen leben weltweit derzeit ohne Strom. Und auch am Viktoriasee hat „Kenya Power“ noch längst nicht alle Dörfer erreicht. „Wir sind stolz, als weltweit erster Lichthersteller nun eine nachhaltige Lichtlösung für Regionen ohne Stromnetze anbieten zu können“, konnte deshalb jüngst OSRAM-Geschäftsführer Dr. Kurt Gerl auf einer Pressekonferenz in Nairobi verkünden. Off Grid Lösungen erscheinen auch für viele weitere Regionen Afrikas, Asiens und Südamerikas interessant. Nun will OSRAM erst einmal die Erfahrungen in Kenia abwarten, etwa die Akzeptanz durch die Bevölkerung, und dann über sein weiteres Engagement entscheiden.

Kommentar

  • Die Probleme am Victoria See sind sehr vielfältig und Kerosinlampen sind nur ein kleiner Teil. Der Film „Darwins Alptraum“ (http://www.darwinsnightmare.com/) zeigt deutlich was eine ausgesetzte Monokultur von Fisch, der Victoriabarsch, als Faunaverfälscher bewirkt. Der CO2 Ausstoß den die regelmäßig anreisenden Transprotflugzeuge zum Abtransport von tausenden Tonnen von Victoriabarsch u.a. auch auf den deutschen Fischmarkt sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Von daher ist die Solarstation ein Tropfen auf den heißen Stein.

Hinterlassen Sie einen Kommentar