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Matches Giving, Ehrenamt und das Engagement für Familien in Not – ein Besuch bei der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung in München

München > CSR kommt aus Amerika, sagt man. Zumindest für viele philanthropische Konzepte gilt, dass ihr Ursprung jenseits des Atlantiks liegt. Wie für das der Ronald McDonald Häuser und deren Träger, die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung. Wobei natürlich Stiftungen auch in Deutschland eine lange Tradition besitzen. Wer sich aber mit der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung befasst, der spürt, dass deren gesellschaftsoffenes Engagement den Geist der nordamerikanischen Chancen- und Risikogesellschaft atmet. Und heute unsere deutsche Unternehmensstiftungslandschaft bereichert.

Stiftungen sind Philanthropie. Stimmt. Und Philanthropie hat nichts mit dem Core Business eines Unternehmens zu tun. Stimmt nur begrenzt. Bei einem Besuch im Ronald McDonald Haus München am Klinikum Großhadern fällt auf, wie geschickt die Stiftung Zulieferer und Franchisenehmer des Unternehmens McDonald’s für die gute Sache gewinnen kann. So stellt die Coca-Cola Company für die Elternhäuser weltweit Getränke kostenlos zur Verfügung. Aber nicht nur das: Auch Waschpulver und anderer Haushaltsbedarf wächst dem Projekt aus dem Kreis der Zulieferer zu. McDonald’s und alle Franchise-Nehmer haben sich entschlossen, ein Promille des Umsatzes – nicht des Gewinns – in das Stiftungsprojekt fließen zu lassen. Bei der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung ist das Stammkapital relativ gering, aber das jährliche Spendenaufkommen ist hoch.

Am Anfang der Ronald McDonald Häuser stand die persönliche Betroffenheit des amerikanischen Football-Stars Fred Hill und seiner Familie, als dessen Tochter Kim 1973 an Leukämie erkrankte. Fred Hill stand zu dieser Zeit bei McDonald’s-Gründer Ray Kroc unter Vertrag, und so erfuhr auch Kroc davon, was die wochenlange Behandlung schwerstkranker Kinder für deren Eltern und Familien bedeutet. Kims Ärztin entwickelte den Gedanken eines Zuhauses auf Zeit für die Eltern schwerstkranker Kinder während der oft langen Behandlungsdauer. Und Ray Kroc unterstützte die entsprechende Spendenaktion, indem er zusagte, jeden eingeworbenen Dollar zu verdoppeln. „Matched Giving“ ist eine amerikanische Erfindung. 1974 entstand das erste Ronald McDonald Haus in Philadelphia. Heute sind es 279 Häuser in 30 Ländern. Deutsche Kinderärzte, die sich zu Fortbildungsveranstaltungen in den USA befanden, lernten das Modell dort kennen und traten mit der Bitte um ein entsprechendes Engagement an McDonald’s Deutschland heran.

Zurück nach München. Das Ronald McDonald Haus am Klinikum Großhadern ist ein freundliches, helles Gebäude mit 15 Apartments. Hier sitzt auch die Verwaltungszentrale der Stiftung mit 11 Mitarbeitern. In Großhadern werden herzkranke Kinder behandelt. Vielen können die Ärzte helfen. Mütter, Väter und oft auch Geschwisterkinder sind im Schnitt 14 Tage in dem Kinderhaus zu Gast und erleben Hoffnung und Angst gemeinsam. Die Aufnahme in das Kinderhaus vermittelt das Klinikum. Von dort unterstützen auch Klinikseelsorger und Psychologen die Eltern. Unterstützung kommt überdies von allen Seiten: So engagieren sich auch Unternehmen, die in keiner Geschäftsbeziehung zur Schnellrestaurantkette stehen, für das Projekt: Die Marc O’Polo etwa sponsert eines der Apartments, und auch die Hypovereinsbank ist für das Projekt engagiert. Aber da sind auch die benachbarte Bäckerei und der Blumenladen von Nebenan, über deren pro bono Dienstleistungen und Produkte sich die Familien im Ronald McDonald Haus freuen können. Unterstützung kommt gleichfalls von Prominenten wie Heide Klum und Kai Pflaume, die dem Münchener Haus aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der McDonald’s Kinderhilfe in Deutschland einen Besuch abstatteten. Und nicht zuletzt sind da die vielen Ehrenamtlichen, über deren Engagement sich Manfred Welzel, der Vorstandsvorsitzende der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung, besonders viele Gedanken gemacht hat.

Ehrenamtliche dort sind keine ‚Helfer‘, sondern ‚Mitarbeiter‘: Sie werden über Stellenausschreibungen – von den Zeitungen zur Verfügung gestellte Füllanzeigen – geworden. Sie arbeiten auf der Grundlage einer Stellenbeschreibung, durchlaufen eine Probezeit, sind mit einem festen Zeitbudget von 3 Stunden pro Woche tätig und in einen Fortbildungsplan einbezogen. Sie unterstützen die Hausleitung und deren Assistenz regelmäßig, bereiten das Frühstück, kochen ein Abendessen und reden mit den Gästen. Oder sind als projektbezogene Mitarbeiter engagiert, etwa für einen Malkurs oder ein Sommerfest.

Und auch das Engagement von McDonald´s Deutschland und seinen Mitarbeitern für die derzeit 15 Ronald McDonald Häuser in Deutschland ist vielseitig: Dazu gehören die Einbindung von Auszubildenden in praktische Aktivitäten der Stiftung, Infotafeln in vielen Restaurants, die hausförmige Spendendose an den Kassen und der dazu ausgelegte Info-Flyer, bei besonderen Anlässen auch die Gestaltung der Tablet-Sets zu Themen der Kinderhilfe Stiftung, die jährlich stattfindende McDonald´s Fundraising Gala und Feste und die „Helfenden Hände“ der Mitarbeiter bei vielen praktischen Herausforderungen. Und nicht zuletzt ist es für Vorstand Manfred Welzel wichtig, dass er bei rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen in den Fachabteilungen von McDonald’s immer ein offenes Ohr findet.

Ein neues Projekt beschäftigt derzeit das hochkarätig besetzte Kuratorium der Stiftung, an dessen Spitze sich die Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth engagiert: Es geht um den Aufbau von Oasen, um Rückzugsräume für Angehörige in den Kliniken, die gerade die Situation der vielen Tagesgäste erleichtern soll. Auch dieses Modell kommt aus Amerika, und so wird seine Umsetzung und Anpassung auf die Verhältnisse hierzulande sorgsam beraten. Man geht mit der gebotenen Vorsicht an neue Projekte heran. So war die heutige Stiftung in ihren Anfangsjahren eine gemeinnützige GmbH, die man bei einem Fehlschlag der Projektidee viel einfacher hätte schließen können. Das musste man nicht, und auch die Idee der Oasen wird wohl Eingang in deutsche Krankenhäuser finden.

Die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung ist nicht als einzige für den Aufbau von Kinderhäusern engagiert. Zwei Häuser werden von der Mildred-Scheel-Stiftung getragen, und 42 weitere befinden sich in der Trägerschaft von Elterninitiativen. Einmal im Jahr trifft man sich zum Erfahrungsaustausch. Welzel wünscht sich dabei mehr Abstimmung gemeinsamer Positionen, etwa wenn es um die Festlegung von Tagessätzen für die Gäste der Kinderhäuser geht. 15 Euro pro Apartment und Tag sind das bei der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung heute; diese Kosten werden den Eltern in der Regel von den Krankenkassen erstattet. Mehr gemeinsamer Einsatz der Kinderhäuser wäre für die Vertretung ihres Anliegens im poltischen Raum wichtig. Denn schließlich wird eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen.

Dem derzeitigen Stiftungsboom in Deutschland steht Manfred Welzel nicht unkritisch gegenüber. „Wäre es oft nicht günstiger, finanzielle Mittel in bestehenden Stiftungen zu bündeln“, fragt er – und ist sich bei der Antwort selbst unsicher. Die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung jedenfalls wird ihr Engagement weiter ausbauen, demnächst mit einem weiteren Kinderhaus in Köln. Der Spendenzufluss der Stiftung steigt kontinuierlich, und das spornt auch McDonald’s zu höheren Zuwendungen an „seine“ Stiftung an. Denn der Grundsatz des Matched Giving aus den Gründerzeiten in Amerika gilt im Grundsatz auch heute. In Deutschland. In einer Stiftung, die vorbildlich eine Mittlerposition zwischen Unternehmen und Zivilgesellschaft einnimmt.

Foto: Ostern im Ronald McDonald Haus München (McDonald’s Kinderhilfe Stiftung)

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