Nachrichten

Kinder und AIDS und die Pharmaindustrie – Viele Herausforderungen bleiben

Wiesbaden > Mehr als zwei Millionen Kinder weltweit sind mit dem AIDS-Virus infiziert, die meisten dieser Kinder leben in Schwellen- und Entwicklungsländern. Nur etwa 15 % der Betroffenen haben Zugang zu effektiver Behandlung. Und bislang gab es kaum geeignete HIV-Medikamente für Kinder. Das hat sich jetzt geändert, wie das „Aktionsbündnis gegen AIDS“ anerkennend berichtet:

Eine von Abbott entwickelte niedrig dosierte Tablette vereinfacht die Therapie für Kinder und Jugendliche. Bisher stand als einzige Therapiemöglichkeit ein bitterer Sirup zur Verfügung, der gekühlt werden muss, was besonders in Entwicklungsländern große Schwierigkeiten bereitet. Nun fordert das „Aktionsbündnis gegen AIDS“ als nächsten Schritt eine bessere Darreichungsform für Kleinkinder unter 2 Jahren, damit auch diese nicht mehr den bitteren und zu kühlenden Sirup einnehmen müssen.

Die Behandlung mit dem neuen Kindermedikament kostet in Entwicklungsländern pro Patient 250 US-Dollar im Jahr und ist damit im Vergleich zu den Therapiekosten für einen Erwachsenen relativ günstig. Nach Berechnungen des Aktionsbündnisses kostet die Therapie eines Erwachsenen selbst in den ärmsten Ländern 500 US-Dollar, in vielen Entwicklungsländern sogar 1.000 US-Dollar pro Jahr – ein für die Gesundheitssysteme in den meisten armen Ländern unerschwinglicher Preis. Mit zunehmender Behandlungsdauer müssten die HIV-Patienten von der günstigen Standardtherapie auf die sogenannte „zweite Therapielinie“ umgestellt werden, deren Medikamente in Entwicklungsländern rund 7- bis 13-mal so viel kosten wie die der ersten Linie, so das Aktionsbündnis. Produkte der Firma Abbott machten hier den Löwenanteil der Kosten aus. Und so kritisiert das „Aktionsbündnis gegen AIDS“, dass Abbott in Indien Patentanträge für mehrere AIDS-Medikamente gestellt habe und damit günstige Nachahmerpräparate verhindern wolle.

Das Unternehmen Abbott seinerseits kann darauf verweisen, dass es unmittelbar und über den Abbott Fund mehr als 100 Millionen US-Dollar in Entwicklungsländer investiert hat, um das Leben von Menschen mit HIV und AIDS zu verbessern. Dazu gehören eine Stärkung des Gesundheitssystems, die Unterstützung von betroffenen Kindern und ein besserer Zugang zu HIV-Tests sowie Behandlung. In Deutschland engagiert sich Abbott seit März gemeinsam mit der Michael Stich Stiftung gegen Ausgrenzung HIV-infizierte und an AIDS erkrankte Kinder. Mit dem „Aktionsbündnis gegen Aids“ und den wichtigsten angeschlossenen Civil Societies steht das Unternehmen nach eigenen Angaben im regelmäßigen, intensiven Dialog. Für die von dem Aktionsbündnis aufgeworfenen Fragen kündigte ein Unternehmenssprecher gegenüber CSR NEWS für die nächsten Tage eine offizielle Antwort des Mutterhauses in Chicago an.

Das vorliegende Beispiel verdeutlicht ein Dilemma, in dem Pharmaunternehmen in der Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft stehen: Einerseits sehen sie sich mit der Forderung nach dem Verzicht auf Patentschutz konfrontiert, andererseits werden sie zur – kostenintensiven – Neu- und Weiterentwicklung von Medikamenten aufgefordert.

Weitere Informationen im Internet:
www.abbott.com/hiv

Hinterlassen Sie einen Kommentar