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Siemens und Fraport bieten Schulabgängern mit Migrationshintergrund Perspektiven

Frankfurt > In diesen Tagen sitzen viele Schüler über ihren Abschlussprüfungen. Nicht für jeden von ihnen öffnet sich danach die Türe zu einer qualifizierten beruflichen Ausbildung. Dass junge Menschen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach einer Lehrstelle heute schlechter abschneiden als früher, darauf hatte jüngst die Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hingewiesen: Zwischen den Jahren 1994 und 2004 sank die Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen mit Migrationshintergrund dramatisch von 34 Prozent auf 24 Prozent. Das ist jedoch bei weitem nicht in allen Unternehmen spürbar.

Rolf Eisenberg ist Ausbildungsverantwortlicher bei der Fraport AG. Er betreut dort die nachwachsenden Elektroniker/innen für Gebäudetechnik und Betriebstechnik. Jedes Jahr stellt die Fraport AG etwa 110 Auszubildende ein, insgesamt sind es derzeit 370 junge Menschen. In den Ausbildungsgruppen von jeweils 12 jungen Elektronikern sind etwa ein Drittel Jugendliche mit Migrationshintergrund. Oft mit deutschem Pass, aber einem Geburtsort in der Türkei oder der Russischen Föderation. Für diese jungen Leute sind Sprachkenntnisse eine wichtige Herausforderung, denn wie alle anderen müssen sie nicht nur mathematische oder physikalische Kenntnisse unter Beweis stellen, sondern auch Dokumentationen schreiben können. „Diese jungen Leute haben sich wie ihre Kollegen bei den Einstellungstests durchgesetzt“, berichtet Rolf Eisenberg. In diesen Bewerbertests erlebt er sehr qualifizierte und auch auffallend schwache junge Menschen – nicht nur in der Gruppe der Migranten.

Von der schulischen Ausbildung wünscht sich Rolf Eisenberg, dass sie besser auf das Berufsleben vorbereitet. Manche Qualifikationen wie etwa Teamfähigkeit seien zwar besser geworden, in Mathematik aber beobachtet er bei den Schulabgängern deutliche Schwächen. Die Integration ausländischer Mitarbeiter ist für die Fraport AG eine Selbstverständlichkeit; auch unter den insgesamt 12.800 Beschäftigten ist der Ausländeranteil hoch.

Ein Sonderprogramm für 250 benachteiligte Auszubildende hat die Siemens AG aufgelegt. Eine Zielgruppe dabei sind junge Ausländer. Migranten haben teils gute Schulabschlüsse, jedoch oft überproportional hohe Defizite bei den Basiskompetenzen, hat das Unternehmen beobachtet. In Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit will Siemens die Integration dieser jungen Leute durch Ausbildung fördern, berichtet Dr. Hans-Georg Kny von der Siemens Professional Education. Motivation, ein starkes Eigeninteresse an der Ausbildung und mindestens einen (qualifizierten) Hauptschulabschluss müssen die Bewerber mitbringen. Die Vorauswahl läuft über die Arbeitsagenturen, danach durchlaufen die Bewerber das übliche Testverfahren. Angeboten werden den jungen Menschen bei Siemens technische Ausbildungsberufe wie z.B. zum Elektroniker, Industriemechaniker oder Systeminformatiker und auch kaufmännische Berufe. Siemens ist überzeugt, so genug Talente zu finden, deren Schwächen durch entsprechende Hilfestellungen ausgeglichen werden können. Auch unter den jungen Migranten.