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Erfolgreiches Teamwork lässt Ausbildung gelingen – eine Stiftung, ein Verein und ein Malermeister engagieren sich

Hückeswagen > Nachwievor wartet eine große Zahl Jugendlicher ohne Schulabschluss auf einen Ausbildungsplatz. Viele werden dieses Ziel nie erreichen. Im vergangenen Jahr zählte die Bundesagentur für Arbeit noch 385.000 Altbewerber, die die Schule bereits seit mindestens einem Jahr verlassen haben und ohne Arbeits- oder Ausbildungsplatz dastehen. Dazu zählt der Hückeswagener Stephan Friedrich heute nicht mehr. Und das hat viel mit der LUX-Stiftung und mit Malermeister Juan Sanchez zu tun.

Stephan hat soeben seine Ausbildung als Maler und Lackierer abgeschlossen. Ein Notendurchschnitt von 1,9 steht auf dem Abschlusszeugnis der Berufsschule. Einen Schulabschluss hat er früher nicht erreicht. Das hatte mit dem Drogenkonsum zu tun, mit dem Abgleiten in die Szene und mit Schulschwänzen. Vor etwa vier Jahren wollte Stephan einen neuen Anfang versuchen und zog aus dem südlichen Oberbergischen Kreis nach Hückeswagen in eine Wohngemeinschaft der Gefährdetenhilfe Scheideweg. Hier fand er einen stabilen Abstand zu den Drogen und konnte wieder an seine Zukunft denken. Auch an die Frage, wie er einen Einstieg in das Berufsleben finden könnte.

In dieser Zeit wandte sich der Vorstand der Marianne und Emil Lux-Stiftung an den Hückeswagener Verein. Die Stiftung geht auf den erfolgreichen Unternehmen Dr. Emil Lux aus der Nachbarstadt Wermelskirchen zurück. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler stieg früh in das von seinem Vater gegründete Werkzeugunternehmen LUX Tools ein und brachte 1954 von einem USA-Aufenthalt die Idee eines Heimwerker-Marktes mit. Mit diesen Ideen baut er zunächst LUX aus und gründete 1970 zusammen mit Manfred Maus die OBI Bau- und Heimwerkermärkte. Die vor kurzem verstorbenen Eheleute Marianne und Emil Lux waren zeitlebens sozial engagiert und gründeten die nach ihnen benannte Stiftung. Und deren Stiftungsvorstand entwickelte die Idee, jungen Leuten ohne Ausbildungschance in einem Unternehmen berufliche Perspektiven zu eröffnen, dass ohne eine Förderung nicht ausbilden könnte.

Einen Partner für diese Idee fand die Lux-Stiftung dann in dem Hückeswagener Malermeister Juan Sanchez. Sein nur wenige Jahre zuvor gegründetes Unternehmen hätte wirtschaftlich noch keinen Ausbildungsplatz getragen. Mit der Unterstützung der Stiftung war Malermeister Sanchez jedoch sofort bereit, dem jungen Mann eine Chance zu geben. “Ich habe in meiner Jugend selbst eine harte Zeit mit Drogen hinter mir. Mir haben damals Menschen mit offenen Türen und der Glaube an Jesus geholfen. Deshalb will ich anderen die Chance geben, die ich selbst erhalten habe”, berichtet Juan Sanchez zu seinem Motiv für dieses Ausbildungsengagement. Drei Jahre lang hat er Stephan Friedrich nun in seinem Betrieb begleitet. Gerade in den ersten Monaten gab es für den angehenden Maler neben den fachlichen Herausforderungen auch manche persönliche Krise zu bestehen. Dabei bewährte sich das gemeinsame Engagement seines Malermeisters und der Mitarbeiter der Gefährdetenhilfe.

Heute ist Stephan Friedrich stolz auf seinen Abschluss. Zunächst will er nun für drei Monate in die Mongolei und ein dortiges Gefährdetenhilfeprojekt mit seinen praktischen Fähigkeiten unterstützen. Danach wird er in seinem Beruf arbeiten.

“Der Einsatz hat sich gelohnt, unsere Zusammenarbeit hat sich bewährt”, stellte Stiftungsvorstand Wolfgang Thiele fest, der dem frisch gebackenen Maler am Montag gratulierte. Die Stiftung will sich auch weiterhin für die berufliche Integration benachteiligter junger Menschen einsetzen.

Foto (von rechts nach links): Wolfgang Thiele, Vorstand der Marianne und Emil Lux-Stiftung, Stephan Friedrich, Malermeister Juan Sanchez und Gefährdetenhilfe-Geschäftsführer Achim Halfmann [Foto: GFH]