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Das Olympia der unternehmerischen Verantwortung

Berlin > Täglich bringt die Presse Vorausberichte zu der am 8. August in der chinesischen Hauptstadt Beijing beginnenden Olympiade. Dabei richten sich die Augen der Berichterstatter auch auf die als Sponsoren engagierten Unternehmen und stellt deren Engagement in einen Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen und der wirtschaftlichen Situation des Landes. Was tun Unternehmen, um glaubwürdig zu sein?

Heute berichtet die deutsche Tagespresse darüber, dass die chinesischen Behörden das Auslegen deutscher Tageszeitungen im „Deutschen Haus“ untersagen. Den Internetzugang hatten sie bereits vorher eingeschränkt. Den Blick auf Menschenrechtsverletzungen verstellen auch die rund 200 in Beijing neu angelegten Grünanlagen nicht. Mit diskutiert wird dabei die Rolle der Unternehmen, die sich als Sponsoren an der Olympiade beteiligten. Firmen wie Coca Cola, McDonalds oder Visa haben knapp eine Milliarde Euro an das Internationale Olympische Komitee gezahlt, ließ das Deutschlandradio Kultur seine Hörer in der Sendung „Nachspiel“ Mitte Juli wissen. Und fragte: „Darf sich die Wirtschaft wirklich vor jeden ‚Karren‘ spannen lassen?“ Und angesichts eines 70 Millionen schweren Werbeengagements von adidas stellte die Wirtschaftswoche dem Chef des deutschen Sportartikelherstellers Herbert Hainer die Frage: „Haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie den Diktatoren damit helfen, sich in der Weltöffentlichkeit blendend darzustellen?“

Die Frage wäre natürlich zuerst dem Internationalen Olympischen Komitee zu stellen. Es gab dazu auch eine öffentliche Diskussion, die allerdings schnell wieder verklang. Dass eine internationale Isolation Chinas keine Alternative darstellt und die Demokratieentwicklung nicht fördern würde, leuchtet den meisten ein.

In den Blick geraten mit den Spielen auch die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben deutscher Unternehmen. 265 Fabriken produzieren allein in China für adidas und beschäftigen in der Hochsaison 300.000 Mitarbeiter. Die Hälfte aller adidas-Schuhe kommt aus China. Das Land mit seiner jungen und aufstrebenden Bevölkerung ist für adidas zugleich ein zukunftsträchtiger Markt: Über eine Milliarde Dollar wird der Gesamtumsatz des Unternehmens in China in diesem Jahr erreichen, 2010 sollen es bereits über eine Milliarde Euro sein.

Aber auch andere asiatische Länder spielen für die Zulieferindustrie eine große Rolle. Pakistan ist seit Jahren ein Zentrum der Sportartikelhersteller. Bei adidas sind Laos, Kambodscha und Vietnam hinzugekommen, und das Unternehmen dehnt seinen Zulieferradius gerade nach Indien aus. Kinderarbeit, überlange Arbeitszeiten, Behinderung gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse und Hungerlöhne sind die zentralen Vorwürfe, denen Unternehmen dabei begegnen. Ein gutes Branding ist für den Erfolg eines Markenunternehmens entscheidend. Schlechte Nachrichten aus der Zulieferkette können sich die Unternehmen nicht leisten. Entsprechend intensiv sind die Bemühungen um Transparenz, Kontrolle und die Stärkung der Kompetenz und Eigenverantwortung der Zulieferer.

Bei adidas ist das SEA-Team für die Integration der Sozialstandards in den täglichen Betriebsablauf innerhalb der Supply Chain verantwortlich. SEA steht dabei für Social And Environmental Affairs. Nach der Integration von Reebok Anfang 2006 hat sich die Stärke dieses Teams auf heute 63 Fachleute nahezu verdoppelt. SEA ist in drei Arbeitsgruppen für Asien, Südamerika und Europa/Mittlerer Osten und Afrika tätig. Die Juristen, Ingenieure, Personalmanager und ehemaligen NGO-Mitarbeiter kooperieren eng mit anderen Konzernbereichen: mit der Beschaffungs- und der Rechtsabteilung, dem Facility Management und der Personalabteilung, dem Brand Marketing und mit der Produktentwicklung. Zu den Aufträgen dieses Teams gehören auch die Zusammenarbeit mit lokalen Arbeitnehmer- und Nichtregierungsorganisationen und anderen Interessengruppen und die Unterstützung von Geschäftspartnern bei der Umsetzung gemeinnütziger Initiativen vor Ort. Alle CSR-relevanten Lieferantendaten werden in einer zentralen Datenbank mit dem bezeichnenden Namen „Fair Factories Clearinghouse“ erfasst, was den Datenaustausch zwischen den verschiedenen Konzerneinheiten erleichtert. Die Nachhaltigkeitsprogramme bei adidas und Reebok wurden 2004 und 2005 von der Fair Labor Association (FLA) akkreditiert. Viele Herausforderungen lassen sich am besten gemeinsam mit anderen aus der Branche lösen, etwa über den Weltverband der Sportartikelhersteller. Der Verband engagiert sich besonders für das Verbot der Kinderarbeit.

Die Sicherstellung von Arbeits- und Produktionsstandards in der eigenen Zulieferkette ist das eine. Eine größere Herausforderung bildet der Dialog mit anderen Verantwortungsträgern, den nationalen Regierungen etwa. Hier ist adidas in El Salvador ungewöhnliche Wege gegangen: Als nach der Schließung des Zulieferbetriebs Hermosa im Mai 2005 die Beschäftigten nicht die ihnen gesetzlich zustehenden Abfindungszahlungen erhielten, wandte sich der Konzern mit einem offenen Brief in zwei nationalen Zeitungen an die Regierung des Landes und der Dialog kam wieder in Gang. Globalen Unternehmen wie adidas wird bei der Sicherung ihrer Zulieferkette Verantwortung zugesprochen, die zuerst die Regierungen in den entsprechenden Ländern tragen. Die Stärkung des politischen Bewusstseins und des bürgerschaftlichen Engagements in diesen Ländern liegt damit ganz im Interesse der Konzerne.

Womit sich der Kreis nach China hin schließt: Denn auch dort gilt, dass die Förderung der Zivilgesellschaft im unternehmerischen Interesse liegt und die Stärkung der internationalen wirtschaftlichen Kooperationen einen Beitrag dazu leistet.

Foto: Bei adidas wird ausgebaut (CSR NEWS).

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