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Nachhaltigkeit bei Asset Management-Gesellschaften

Freitagnachmittag in Frankfurt am Main. Gut 20 Vertreter von Asset Management-Gesellschaften gehen nicht ins verdiente Wochenende, sondern finden sich am 4. Juli 2008 bei Ernst & Young in Eschborn ein, um von Stefan Barthelmes und Robert Bopp, beide Senior Manager bei Ernst & Young, mehr zum Thema „Nachhaltigkeit im Asset Management“ zu erfahren.

Das Thema „Nachhaltigkeit“ hat stark an Bedeutung gewonnen. Gründe hierfür sind beispielsweise zahlreiche echte und vermeintliche Skandale bei Unternehmen, die schnellere und direktere Medienberichterstattung, die Glaubwürdigkeitsproblematik von Unternehmen („Green Washing“) und die daraus folgende Wertediskussion. Auch der Klimawandel zeigt erste finanzielle Folgen, zum Beispiel für Rückversicherungen.

Auch in der „Financial Community“ ist durch die Bilanz- und Ergebniswirksamkeit zahlreicher Nachhaltigkeitsthemen, wie z.B. Emissionsrechte, Compliance-Vorgaben, Mitarbeiterführung sowie Klimawandel, festzustellen, dass immer mehr Diskussionen hierzu geführt werden. So entsteht bei der Wertermittlung der „Assets under Management“ ein Bedarf, etwaige Nachhaltigkeitsaspekte mit zu berücksichtigen. Auch gilt es, Vertrauens- und Reputationsverluste der Asset Management-Gesellschaften infolge der weltweiten Kreditkrise bei privaten wie institutionellen Anlegern mit einem aktiven Nachhaltigkeitsmanagement auszugleichen. Dabei bezieht sich „Nachhaltigkeit“ sowohl auf das interne Management der Kapitalanlagegesellschaften als auch auf die von ihnen angebotenen Produkte.

Innerhalb der Gesellschaften umfasst Nachhaltigkeitsmanagement beispielsweise die adäquate Aufklärung der Kunden über die zur Verfügung stehenden Finanzprodukte, die Einhaltung von Vorschriften (Compliance) bei internen Abläufen, den Ausschluss von Interessenkonflikten, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie Arbeitsplatzgestaltung und -sicherheit für eigene Mitarbeiter, den Umgang mit Minderheiten sowie den Einsatz betrieblicher Umweltmanagementsysteme. Auf der Produktebene (extern) sollen negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft bei Finanzierungen transparent dargestellt bzw. vermieden werden.

Mit internen Berichtssystemen, aus denen sich nachprüfbare Kennziffern (KPIs) zum Nachhaltigkeitsmanagement generieren lassen, und mit der Einhaltung von Standards zur transparenten Kommunikation nach innen und außen kann Nachhaltigkeitsmanagement glaubwürdig in der Unternehmensstrategie der Kapitalanlagegesellschaften verankert werden.

Um den veränderten globalen Rahmenbedingungen (z.B. Naturkatastrophen/Klimawandel, Terrorismus, demografischer Wandel, rasche und unerwartete Nachfrageveränderungen) zu begegnen, müssen Asset Management-Gesellschaften ihre Produkte neu definieren. Diese Maßnahmen sind bezüglich des Klimawandels beispielsweise die Anpassung der Prämien (insbesondere in Gegenden mit hohen Klimarisiken), die Integration dieser Gefahren in das Rückzahlungs-Risiko-Profil der Kunden, die Berücksichtigung der Reaktionen der internationalen Börsen auf Klimakatastrophen, die Kosten des Emissionshandels sowie die Investitionen in den Klimaschutz als neuen Markt.

Nachhaltige Investmentprodukte im Asset Management

Nachhaltige Investments oder auch Socially Responsible Investments (SRI) sind Geldanlagen, bei denen bei der Auswahl des Investmentprodukts über ökonomische Faktoren hinaus auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt werden. Der Markt nachhaltiger Geldanlagen stellt dabei eine anerkannte Ergänzung zum herkömmlichen Anlagemarkt dar. Treiber für die Zunahme des SRI-Anlagevolumens sind das steigende Nachhaltigkeitsbewusstsein der Anleger, Produktinnovationen und Regulierungsvorgaben wie das Kyoto-Protokoll, die Bilanzrechtsreform und Vorgaben der EU und nationaler Regierungen.

Neben privaten Anlegern investieren zunehmend institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherer in SRIs. Nachhaltige Investmentprodukte bedeuten nicht zwangsläufig einen Performanceverzicht. Aktien von Unternehmen, die eine an Nachhaltigkeitszielen orientierte Unternehmensstrategie haben, erbringen eine langfristig stabile Leistung, was beispielsweise am Verlauf des FTSE4Good Index oder des Dow Jones Sustainability Index im Vergleich zum Standardindex abzulesen ist.

Jede der zehn größten deutschen Kapitalanlagegesellschaften (KAGs; nach Fondsvermögen) bietet mittlerweile SRI-Produkte an. Allerdings fehlt es noch an Transparenz bei den Auswahl- und Bewertungskriterien, was zu Unsicherheiten bei den Anlageentscheidungen von Investoren führt.

Die Marktentwicklung nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland hat sich im Zeitraum 2005 bis 2006 im Publikumsbereich von 2,1 auf knapp 4 Milliarden Euro nahezu verdoppelt (+ 90 %). Die Anlagesumme institutioneller Investoren wuchs von 3,1 auf etwa 3,7 Milliarden Euro (+ 19 %).

Gleichwohl ist Deutschland bei nachhaltigen Fonds mit einem Prozent vom Gesamtvolumen aller Fonds Schlusslicht im internationalen Vergleich.

Beurteilung der Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen

Bisher gibt es keinen einheitlichen Standard zur Auswahl nachhaltiger Investments, dennoch existieren eine Vielzahl von Initiativen und Standards, die als solche genutzt werden können: Die Global Reporting Initiative hat Richtlinien für Nachhaltigkeitsberichte (G3) einschließlich solcher für einzelne Industriesektoren entwickelt. Auch mithilfe der Principles for Responsible Investments (PRI) werden Nachhaltigkeitsaspekte in die Investmentanalyse integriert.

Für Asset Manager kommen bei der Auswahl von SRIs neben externem Research je nach Schwerpunktsetzung der Anleger drei Ansätze infrage: Negativ-, Positiv- oder Best-in-Class-Ansatz. Beim Negativansatz werden nicht nachhaltigkeitskonforme Investments ausgeschlossen. Beim Positivansatz wird darauf geachtet, dass das Unternehmen aktiv Nachhaltigkeitsmaßnamen umsetzt. Der Best-In-Class-Ansatz bezieht sich auf die Auswahl der Nachhaltigkeits-Best-Practices der jeweiligen Branche. Um diese Best-Practices zu nutzen, wird oft auf Nachhaltigkeitsrankings zurückgegriffen.

Auch Nachhaltigkeitsindizes stellen eine gute Übersicht zur Analyse der Nachhaltigkeitsperformance dar. Beispiele hierfür sind der Dow Jones Sustainability-Index, der FTSE4Good-Index, der Global Challenge Index und der DAXglobal Sarasin Sustainability Index. Mehr zum Thema „Nachhaltigkeitsindizes“ finden Sie im Ernst & Young CSR-Newsletter (Ausgabe 7, Mai 2008), den Sie unter www.de.ey.com/csr downloaden können.

Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) veröffentlichte im März 2008 Key Performance Indicators für Environmental, Social und Governance Issues (ESG). Diese richten sich an den Mainstream-Investor als Instrument zur Beurteilung der Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen. Diese KPIs stellen eine Ergänzung des regulären Reporting dar.2

Ergebnisse der anschließenden Diskussion

In der im Anschluss an die Veranstaltung stattfindenden Diskussion bestätigten die Teilnehmer den Trend zur Beachtung von Nachhaltigkeitsaspekten im Asset Management. Ein Teilnehmer betonte, dass Nachhaltigkeit bereits im Mainstream-Bereich angekommen sei.

Leider habe sich noch kein Marktstandard zur Beurteilung der Nachhaltigkeitsperformance etabliert, merkte ein anderer Teilnehmer an; es brauche eine Institution, die einen einheitlichen Standard für Nachhaltigkeitsperformance definiere. Vorgeschlagen wurde in diesem Zusammenhang die allgemeine Nutzung des Begriffs „ESG“ (Environmental, Social and Governance Issues), da die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „CSR“ zu unpräzise seien. Daraus könne ein stärkeres Interesse der deutschen Anleger für nachhaltige Investmentprodukte resultieren.

Als weiteren Aspekt nannten die Teilnehmer die Beachtung der steuerlichen und finanzpolitischen Förderung nachhaltiger Investmentprodukte. Andere Teilnehmer berichteten davon, dass sich institutionelle Investoren zunehmend schwer täten, in ihrem Bericht zu erwähnen, dass sie bei ihren Anlagenentscheidungen Nachhaltigkeitsüberlegungen in Erwägung gezogen haben, weil Renditeziele weiterhin Nachhaltigkeitsziele überwiegen würden. Ein Teilnehmer betonte, es gebe wissenschaftlich fundierte Analysen, dass nachhaltige Aktien mindestens so gut wie und teilweise sogar besser als klassische Anlagen performen würden.

Fazit

Das Fazit der Veranstaltung fiel deutlich aus: Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten hat auch bei Asset Management-Gesellschaften erheblich an Bedeutung gewonnen. Dass Nachhaltigkeitsfaktoren dauerhaft in das Analyseinstrumentarium von Asset Managern integriert werden, ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Konsequenzen der Nachhaltigkeitsdiskussion für Asset Management-Gesellschaften können zusammenfassend wie folgt dargestellt werden:

  • Aufgrund der Bilanz- und Ergebniswirkung zahlreicher Nachhaltigkeitsthemen (Emissionsrechte, Compliance, demografischer Wandel, Energieverbrauch usw.) ist Nachhaltigkeit auch ein Thema im Asset Management
  • Nachhaltigkeitsmanagement bezieht sich auf Produkte und interne Prozesse
  • Private wie institutionelle Anleger investieren zunehmend in nachhaltige Produkte / bei an Nachhaltigkeitszielen orientierten Gesellschaften
  • Asset Management-Gesellschaften erwarten zunehmend Transparenz/belastbare Daten (‚Accountability‘) zur Nachhaltigkeitsperformance, d.h. zu den Environmental, Social and Governance Issues (ESG) ihrer „Assets under Management“
  • Hierfür liegen bereits erste Standards vor, z.B. GRI G3, PRI, EAI, KPIs/DFVA
  • Die weitere Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in das Analyseinstrumentarium von Asset Managern ist zu erwarten
  • Ansprechpartner:
    Ernst & Young Deutschland
    Stefan Barthelmes
    stefan.barthelmes@de.ey.com

    Literaturverzeichnis
    1 Forum NG, Statusbericht Nachhaltige Geldanlagen 2007, Seite 6.
    2 DVFA (2008): „KPIS for ESG – Key Performance Indicators for Environmental, Social and Governance Issues, A Guideline for Corporates on how to Report on ESG and Benchmark for Investment Professionals and how to Integrate ESG into Financial Analysis”

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