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CSR in Russland: internationale Unternehmen als Vorbilder gebraucht

Moskau > Russische Unternehmen stellen sich zunehmend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, jedoch ist Corporate Social Responsibility in der Russischen Förderation noch weit von ihrer Bedeutung in westlichen Gesellschaften entfernt. Obdachlose Kinder, Jugendkriminalität, Alkohol- und Drogenkonsum oder die Versorgung älterer Menschen sind nur einige der drängenden Themen in der russischen Gesellschaft. „Die öffentlichen Budgets werden stärker für soziale Belange eingesetzt, und die Wirtschaft zeigt eine stärkere soziale Orientierung.“ Diese Beobachtung teilte der russische Architekt Nikolai Lyzlov bei einer Gesprächsrunde mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur Russlands mit, die der Automobilkonzern BMW im Juli organisierte. Das Unternehmen hatte am Vorabend erstmals den neuen BMW 7er auf dem Roten Platz in Moskau öffentlich präsentiert.

Bei der Begegnung hob Sergei Afontsev vom Institute of International Relations and World Economic Studies die Bedeutung des gesellschaftlichen Engagements der Global Player in Moskau hervor: „Wenn internationale Unternehmen beginnen, hier soziale Projekte zu etablieren, sind sie gute Vorbilder für russische Firmen“, meinte Afontsev. BMW zählt zu den internationalen Unternehmen, die sich gesellschaftlich in Russland engagieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Kulturförderung. Seit 2004 unterstützt BMW die Premieren am Bolshoi Theater, einem Symbol kulturellen Lebens in Russland.

Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Stärkung gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung leistet die BMW Stiftung Herbert Quandt mit ihrem jährlich stattfindenden „Russian German Young Leaders Forum“. Die Veranstaltung im Juni 2007 in Hamburg stand unter dem Thema „Small and Medium-Sized Enterprises – Backbone of Society?“ und thematisierte die gesellschaftliche Verantwortung des Mittelstandes. Dass der russische Mittelstand CSR als Thema bisher kaum wahrgenommen hat, berichtete dort Igor Belikov, Direktor des Moskauer Russian Institute of Directors. Manche Mittelständler glaubten, soziale Verantwortungsübernahme sei schlecht fürs Geschäft, so Belikov.

Geprägt ist die russische Gesellschaft nach wie vor durch einen zahlenmäßig schwachen, aber langsam wachsenden Mittelstand, durch ein oft kritisches Verhältnis zwischen dem Staat und seinen Bürgern, durch eine geringe Selbstorganisation der Gesellschaft und schrittweise in ihrer Zahl zunehmende Vereine und NGOs sowie durch ein starkes Auseinanderdriften von Einkommensverhältnissen und Lebensstilen. Initiativen, die verschiedene Akteure zur Lösung dringender gesellschaftlicher Probleme an einen Tisch bringen und Vertrauen zwischen den Beteiligten schaffen, besitzen eine besonders hohe Bedeutung für die Zukunft der russischen Gesellschaft. Deshalb darf man gespannt sein, wo und wie Unternehmen und bürgerschaftliche Organisationen im Kontext der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung kooperieren werden – und wie der Staat dies unterstützt.

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