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PETA macht gegen KFC mobil – Geflügelzucht in Deutschland umstritten

Düsseldorf > Für Proteste vor den Filialen der Restaurantkette Kentucky Fried Chicken (KFC) in Darmstadt, Frankfurt, Offenbach, Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt aktivierte die Tierschutzvereinigung PETA Deutschland in der vergangenen Woche ihre Anhänger. Weltweit hatte die Organisation, deren Abkürzung für “People for the Ethical Treatment of Animals” steht, Druck auf KFC ausgelöst. PETA drängt gegenüber der Schnellrestaurantkette auf die Einhaltung des Tierschutzes in der Geflügelmast. In den Mastanlagen werden Hühner gequält, ist PETA überzeugt – und präsentiert auf ihrer Website Bilder und Berichte von leidenden oder toten Tieren. PETA fordert unter anderem wirksame Betäubungsmittel bei der Schlachtung, Vermeidung von durch zuchtbedingtes Schnellwachstum verursachte Qualen und mehr Platz pro Tier in den Stallungen.

Hühnerfleisch wird in der gesamten Gastronomie angeboten. Das PETA sich gerade gegen Kentucky Fried Chicken wendet, ist sicher kein Zufall: Gegen eine Restaurantkette lassen sich Kundenproteste und Boykotts organisieren, gegen die Hühnermasterbetriebe selbst nicht. Und KFC führt das Huhn bereits in seinem Namen … Das Problem ist indes nicht auf die Schnellrestaurantkette beschränkt.

KFC betont, dass eigene Standards und Kontrollen sowie eine unternehmensinterne “Welfare Richtlinie” einen wirksamen Schutz gegen Tierquälerei in den Zulieferbetrieben bieten. Und das Unternehmen verweist auf die in Deutschland geltenden Richtlinien. Eine Position, die man teilen kann, denn ein so zentrales Anliegen wie der Tierschutz gehört nicht in den Bereich der ethisch zu verantwortenden Entscheidungen eines Unternehmens. So betrachtet wäre es wohl auch nicht falsch, die Protestaktionen und Forderungen an die Politik zu richten.

Auf deren Agenda steht der Schutz von Masthühnern sowieso. Der Rat der Europäischen Union hat im Juni 2007 Mindestvorschriften zum Schutz von Masthühnern erlassen, denen die Mitgliedsstaaten bis zum 30. Juni 2010 nachkommen müssen. Darin werden Fütterung, Einstreu, Licht, Lärm, Reinigung und Inspektionen für die Hühnermastanlagen geregelt. Wenn ein Zuchtbetrieb seinen Bestand auf über 33 kg pro Quadratmeter Stallfläche ausdehnen will, hat er das gesondert anzuzeigen. In Deutschland gelten derzeit die “Bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Jungmasthühnern” mit einer Obergrenze von 35 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter nutzbarer Stallfläche. Bei einem Endmastgewicht von 1,5 bis 2,5 kg sind das zwischen 14 und 23 Tiere.

“Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.” So heißt es in § 2 des deutschen Tierschutzgesetzes. Die bundeseinheitlichen Eckwerte legen diese Bestimmung für die Hühnermast aus. Sie sind als freiwillige Vereinbarung dabei kein stumpfes Schwert: Bei einer Überschreitung der Besatzdichte führen die Behörden Einzelfallprüfungen durch. Kommt dabei zutage, dass der Züchter vorsätzlich oder fahrlässig zu viele Hühner auf zu wenig Fläche gehalten hat, werden ordnungs- oder tierschutzrechtliche Maßnahmen angeordnet. Die Vereinbarung unterzeichneten im Jahr 1999 das Bündnis Tierschutz (ein Zusammenschluss des Deutschen Tierschutzbundes, des Bundes gegen den Missbrauch der Tiere und des Bundesverbandes Tierschutz) und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz ebenso wie der Bundesverband Bäuerlicher Junggeflügelmäster und der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft.

Die gegenwärtigen Aktionen von PETA vor einigen KFC-Restaurants lenken das Augenmerk der Öffentlichkeit auf ein wichtiges Thema: den Tierschutz. ‘Fair’ im Sinne einer gleichen Belastung aller Entscheider und Verantwortungsträger sind sie nicht. Das Thema braucht eine breitere gesellschaftliche Verankerung, die Umsetzung der EU-Richtlinien in deutsches Recht und eine wirksame Kontrolle.