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CSR Manager sind Allrounder – Stand und Perspektiven einer Profession

Wien > Das CSR-Management professionalisiert sich. Heute bringen CSR-Verantwortliche in Unternehmen die verschiedensten beruflichen Vorkenntnisse und Erfahrungen mit. In den vergangenen Jahren entstand dabei ein berufsfeldbezogenes Fachwissen mit eigenen Methoden und Ergebnissen wissenschaftlicher Fortbildung. Dieses Wissen und praxisrelevantes Handwerkszeug will jetzt die Fachhochschule des bfi Wien in einen zweisemestrigen, berufsbegleitenden Lehrgang zum „Akademischen CSR-Manager“ vermitteln. Die Teilnehmenden erarbeiten dort interaktive Problemlösungen und Verbesserungen für die tägliche Projektarbeit. Der Lehrgang steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Mag. Martin Neureiter. Mit ihm sprach CSR NEWS über die Profession des CSR-Managers und CSR in Forschung und Lehre.

CSR NEWS: Welche „Qualitäten“ muss ein CSR-Manager mitbringen – und welche lassen sich akademisch vermitteln?

Martin Neureiter: CSR Manager sind Allrounder. Sie müssen etwas von Management verstehen, sie sollten rechtlich ziemlich versiert sein, von HR eine Ahnung haben und auch ein wenig Kommunikationstalent mitbringen. Vor allem sind sie auch Beziehungsmanager, zu den Stakeholdern, zum Vorstand, quer durch die Abteilungen, mit der Community. Vieles davon lässt sich akademisch vermitteln, manches wird man nie lernen können, sondern hat man oder hat man nicht. Wie auch in vielen anderen Professionen macht die Kombination aus gelerntem und den menschlichen Fähigkeiten einen erfolgreichen CSR Manager aus.

CSR NEWS: Wie und wo sollte der CSR-Manager im Unternehmen angesiedelt sein?

Martin Neureiter: CSR Manager greifen in fast alle Bereiche eines Unternehmens hinein, weil sie eben die drei Säulen – Ökonomie, Soziales und Ökologie – abdecken müssen plus dem Stakeholdermanagement. Daher ist der CSR Manager idealtypisch eine Stabsstelle beim Vorstand angesiedelt, damit er oder sie abteilungsübergreifend agieren kann. Wenn dem nicht so ist, braucht der CSR Manager ein klares Mandat vom Vorstand, damit er oder sie seinen Aufgaben nachkommen kann. Dann macht es relativ wenig Unterschied wo er angesiedelt ist. In der Praxis sind diese sehr oft in der Kommunikationsabteilung, im Marketing, in der HR Abteilung usw. angesiedelt. Ich glaube aber, dass sich dies in den nächsten Jahren verändern wird in Richtung Strategieabteilungen.

CSR NEWS: Wie weit ist das Thema CSR in herkömmliche Ausbildungen vorgedrungen – insbesondere in Volks- und Betriebswirtschaft?

Martin Neureiter: Unterschiedlich. Ich unterrichte selber an einigen Fachhochschulen, die CSR ursprünglich als eine Art Freifach geführt haben, inzwischen ist es eine Pflichtveranstaltung im 3. oder 4. Semester. Auf den Universitäten tut sich meines Wissens nach noch nicht so viel in diesem Bereich. CSR ist auch im Grunde genommen sehr unwissenschaftlich, es ist mehr ein Handwerk. Wer es gut macht hat Erfolg, wer es schlecht macht, hat den Schwarzen Peter.

CSR NEWS: Wo ist die wissenschaftliche Theoriebildung zur CSR stark, und wo gibt es Lücken?

Martin Neureiter: Die Stärken und Schwächen ziehen sich quer durch alle Bereiche. Man sollte glauben, dass im ökonomischen Bereich schon alles ziemlich gut aufgearbeitet ist, ist es aber nicht, wenn man den ganzen Bereich Korruption oder Corporate Governance betrachtet. Es ist verdammt schwer, in der Literatur etwas Brauchbares – für Unternehmer Brauchbares – zu Korruption zu finden, wann fängt sie an, wann hört sie auf, wie verhalte ich mich etc. Genauso bei Corporate Governance, ist der 14. Aufsichtsratsposten noch o.k. oder doch schon ein wenig zu viel, ist es gut, dass der frühere Vorstand in den Aufsichtsrat wechselt, oder vielleicht doch nicht? Genauso verhält es sich in den Bereichen Supply Chain Management oder Community Involvement. Da sind noch einige Lücken vorhanden. Selbst im so regulierten Bereich Arbeitsrecht – Soziales gibt es noch ziemliche Theorielöcher, etwa, wo fängt Kinderarbeit an, was tun, wenn damit die Familie ernährt wird, oder habe ich mich als Auftraggeber auch darum zu kümmern, dass die Subunternehmer meiner Subunternehmer alle Arbeitnehmer angemeldet haben, oder ist das zuviel verlangt?

Grundsätzlich ist CSR noch sehr im Fluss, dass macht es ja auch so spannend. Ich selber leite weltweit im Rahmen der ISO (International Organisation for Standardisation) die Entwicklung des ISO 26 000 on Social Responsibility – den Bereich Implementation. Da haben wir es mit sehr vielen dieser Fragestellungen zu tun, die gesetzlich vielleicht nicht geregelt sind, die Lösungen aber die Gesellschaft von den Unternehmen erwartet und bei Nichterfüllung sanktioniert durch Nichtkauf oder Reputationsverlust. Deswegen sind diese Initiativen auch so wichtig, damit der Boden für den Gesetzgeber einerseits aufbereitet wird, anderseits aber auch manches nicht mehr gesetzlich geregelt werden muss, weil es der Markt vorweggenommen hat.

CSR NEWS: Vielen Dank für Ihre Antworten!

Informationen zum Lehrgang im Internet:
www.fh-vie.ac.at