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Finanzielle Bewertbarkeit von Nachhaltigkeitsstrategien

Ein Beitrag von Dr. Philipp Lindenmayer und Charlotte Heine, beide Ernst & Young AG. Welchen ökonomischen Nutzen haben Nachhaltigkeitsaktivitäten für Unternehmen? Diese Frage stellen sich immer mehr Manager, die eine entsprechende Investition prüfen. Denn natürlich wollen Unternehmer, die in diesem Bereich investieren, nicht nur als „ehrbarer Kaufmann“ bezeichnet werden, sondern auch den Shareholdern finanziell gerecht werden.

Gleichzeitig wächst der Druck auf Unternehmen seitens Regierungen, NGOs, Medien und der Gesellschaft, Verantwortung auf der gesellschaftlichen Ebene zu übernehmen. Auch Nachhaltigkeitsratings, die die Qualität der Corporate Responsibility-Aktivitäten von Unternehmen miteinander vergleichen und in deren Bewertung Indikatoren aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Ökonomie einfließen, finden in der Gesellschaft zunehmend Beachtung. Aktuelle Entwicklungen wie etwa der Klimawandel werden vermehrt von Medien und Politik thematisiert und werden die Aufmerksamkeit der Gesellschaft hinsichtlich Corporate Responsibility-Aktivitäten von Unternehmen auch in Zukunft weiter steigern.

Das Dilemma, in dem sich Unternehmen befinden, ist folgendes: Managern fehlt ein passendes Instrument zur Messbarkeit von Nachhaltigkeitsstrategien. Daher sind sie unsicher, ob eine Verringerung des Shareholder Values zum Zeitpunkt der Investition in Nachhaltigkeitsaktivitäten in der Zukunft ausgeglichen oder sogar übertroffen werden kann bzw. welchen finanziellen Nutzen die Einführung von Corporate Responsibility- Aktivitäten hat. Für Unternehmen ist eine Methode zur finanziellen Quantifizierbarkeit von Corporate Responsibility-Strategien und -Aktivitäten demzufolge von tragender Bedeutung.

Theoretisch kann die Einführung von Nachhaltigkeitsaktivitäten den Shareholder Value eines Unternehmens steigern. Schließlich führt die Einführung und Kommunikation von Nachhaltigkeitsaktivitäten zu einer gesteigerten Reputation, was wiederum qualifizierte Mitarbeiter bindet und zu einer höheren Attraktivität einer Marke führt. Durch das verbesserte Image wird mehr Umsatz erwirtschaftet, was zu geringeren Kapitalkosten und somit auch zu einem verbesserten Shareholder Value führt. Doch die Theorie ist bekanntlich nicht immer die Praxis und eine finanzielle Messbarkeit von Nachhaltigkeitsstrategien ist unabdingbar.

In der Studie „Stalking the Elusive Business Case for Corporate Sustainability“ des World Resources Institutes (WRI) beschäftigt sich Donald J. Reed mit eben dieser Thematik. Laut Reed gibt es bisher zwei Möglichkeiten der Wertermittlung auf diesem Gebiet: die relative Wertbestimmung und den Ansatz der Diskontierung des Cashflows.

  • Die relative Wertbestimmung basiert auf der Ergebnisrechnung sowie auf einem geschätzten zukünftigen Umsatz, Gewinn und/oder Cashflow.
  • Der zweite Ansatz, die Diskontierung des Cashflows, gründet sich auf die abgeschätzten zukünftigen Cashflows und auf die Justierung der Kapitalkosten.
  • Bei der relativen Wertbestimmung sind die am häufigsten genutzten Instrumente laut Reed Preisrelationen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Umsatz-Verhältnis oder das Verhältnis zwischen Preis und operativem Gewinn. Im Fall der Verwendung zukünftiger Kurs-Gewinn-Verhältnisse werden im ersten Schritt zukünftige Erträge abgeschätzt. Anschließend wird entschieden, welches „Vielfache“ oder Kurs-Gewinn-Verhältnis geeignet ist, um diesen abgeschätzten Erträgen zu entsprechen. Während Nachhaltigkeitsstrategien potenziell auf beide Schritte passen, wurde bis jetzt der meiste Aufwand für die Gewinnschätzungen betrieben.

    Einige Unternehmen haben Daten in Bezug auf ihre Umweltprogramme gesammelt, die aufzeigen, dass Abfallreduzierung, Kostensenkung und die Schaffung von Umsätzen durch Abfall eine positive Wirkung auf die Ergebnisrechnung haben. Die Katalogisierung der Effizienzverbesserungen sowie der Einfluss dieser Verbesserungen auf weitere Unternehmensprozesse geben einen Eindruck von der finanziellen Vorteilhaftigkeit von Nachhaltigkeitsstrategien.

    Hinter dem Ansatz der Diskontierung des Cashflows steht laut Reed die Idee, dass der Wert jedes Vermögensgegenstands durch die Abbildung seines Netto-Cashflows über seinen Lebenszyklus bestimmt werden kann. Um das Risiko widerzuspiegeln, wird dieser Netto-Cashflow mit einem angemessenen Abzinsungsfaktor diskontiert. Die Methode der Diskontierung des Cashflows baut auf dem Verständnis auf, dass der Besitzer des Vermögensgegenstands spezielle Rechte an zukünftigen Cashflows hat.

    Demzufolge handelt diese Methode sowohl mit dem Zeitwert von Geld als auch mit der Auffassung, dass wirtschaftlicher Wert nur dann gewonnen wird, wenn Vermögensgegenstände einen höheren Umsatz hervorbringen, als ihre Kapitalkosten betragen. In Jahresabschlussberichten von Unternehmen werden Cashflows nach ihrer Herkunft kategorisiert. Die drei Arten sind angetrieben von den folgenden finanziellen Messgrößen:

  • Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit: Verkäufe, Margen und Steuersatz
  • Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit: Kapitalkosten
  • Cashflow aus der Investitionstätigkeit: Höhe des Fest- und Umlaufvermögens
  • Diese finanziellen Messgrößen ergeben zusammen die Komponenten, die in die Berechnung des diskontierten Cashflows einfließen: Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, der Abzinsungsfaktor sowie die Höhe der Verbindlichkeiten.

    In mehreren unterschiedlichen Untersuchungen wurde die Methode des diskontieren Cashflows zur finanziellen Wertermittlung von Umweltstrategien schon verwendet. Frank Figge und Stefan Schaltegger veröffentlichten eine Studie darüber, dass ein Großteil der Umweltstrategien positive Auswirkungen auf den Shareholder Value hat. Diese positiven Auswirkungen resultieren aus einer reduzierten Kapitalintensität, reduzierten Materialumfängen, gestiegenen Margen und einer Reduzierung von Risiken.

    Neben diesen „etablierten“ Möglichkeiten zur finanziellen Bewertung von Nachhaltigkeitsstrategien gibt es eine Reihe von weiteren, weniger gebräuchlichen Methoden, die in bestimmten Fällen den Wert von Nachhaltigkeitsstrategien jedoch besser darstellen können als die relative Wertermittlung oder der diskontierte Cashflow. Hierzu gehören zum Beispiel Risikoanalysen oder die Bewertung von Nachhaltigkeitsstrategien über die immateriellen Vermögensgegenstände Marke und Reputation.

    Natürlich sind die Methoden zur Ermittlung eines finanziellen Werts von Nachhaltigkeitsstrategien noch nicht vollständig ausgereift. Das liegt zum einen daran, dass das Thema „Corporate Responsibility“ und die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen erst seit kurzer Zeit auf der Tagesordnung von Vorständen und Aufsichtsräten der Unternehmen stehen. Zum anderen stellt es sich als äußerst kompliziert heraus, den finanziellen Wert von Nachhaltigkeitsstrategien zu ermitteln. In Zukunft werden solche Unternehmen, die von einer Verbesserung des Shareholder Values durch die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien im Unternehmen überzeugt sind, die Aufgabe haben, Methoden zur Ermittlung der finanziellen Bewertbarkeit von Nachhaltigkeitsstrategien weiterzuentwickeln.

    Ansprechpartner:
    Ernst & Young Deutschland
    Dr. Philipp Lindenmayer
    philipp.lindenmayer@de.ey.com

    Ernst & Young Deutschland
    Charlotte Heine
    charlotte.heine@de.ey.com