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Bildungssponsoring endet im Streit: Droege International und Universität Witten/Herdecke trennen sich

Witten > Die Universität Witten/Herdecke hat nichts an der Erfüllung vereinbarter Sparziele getan oder dies zumindest nicht kommuniziert und keinen Business-Plan für den laufenden Haushalt vorgelegt. So sieht es die Droege International Group AG und zieht sich aus einem für die nächsten sieben Jahre geplanten, 12 Millionen Euro umfassenden Engagement zurück. Droege International wollte massiven Einfluss auf Forschung und Lehre nehmen und stand mit dem Vorschlag, 90 Stellen abzubauen, den Wachstumszielen der ältesten Privatuniversität Deutschlands entgegen. So sieht es die Universität Witten/Herdecke und erklärt auch ihrerseits die Zusammenarbeit mit der Familie Droege und mit der gleichnamigen Unternehmensberatung für vollständig eingestellt.

Das Ende dieser Bildungsförderung im Streit schadet dem Ansehen der 1983 gegründeten Universität mit heute über 1000 Studierenden und dem internationalen Beratungsunternehmen gleichermaßen. Im Juni 2007 hatten sich die Universität Witten/Herdecke (UWH) und die Droege International Group AG auf die 12 Millionen Euro schwere Zusammenarbeit festgelegt. Zum Vergleich: Der Jahresetat der UWH im Geschäftsjahr 2006/2007 betrug 31,1 Millionen Euro. Ein Jahr später, im Juni 2008, entbrannte ein Streit über die Veröffentlichung von Details dieser Zusammenarbeit ohne Zustimmung von Droege. So sieht es das Unternehmen. Aus Sicht der UWH gab es bereits im Frühjahr 2008 ernste Verstimmungen, als Droege die Forderung des Landes Nordrhein-Westfalen nach einer Ausfallbürgschaft genutzt habe, um 50% Gesellschaftsanteile der Universität zu erhalten. Beide Seiten beschuldigen sich, Vereinbarungen nicht eingehalten zu haben: Die UWH hat vereinbarte Milestones zur Verbesserung der finanziellen Situation nicht erreicht, meint Droege. Das Unternehmen hat sich nie rechtswirksam zur Zahlung der vereinbarten Fördersumme verpflichtet, meint die UWH. Die Verantwortungsträger beider Seiten fanden in ihren gestrigen Äußerungen nicht zueinander. “Das Verhalten der Familie Droege war in den letzten Monaten nicht korrekt”, sagte Dr. August Oetker, Mitglied des Stiftungskuratoriums der Universität. “Mir tut es aufrichtig leid, dass wir die Zusammenarbeit mit der Universität Witten/Herdecke nicht fortsetzen können”, sagte die Miteigentümerin von Droege International Dr. Hedda im Brahm-Droege.

Mit der Förderung wollte es Droege der UWH ermöglichen, den Strukturwandel von einer gemeinnützigen GmbH in eine private Stiftungsuniversität zu vollziehen und dann sozusagen sich selbst zu gehören. “Wir wollen die Unabhängigkeit der renommierten Privatuniversität gewährleisten”, betonte Brahm-Droege damals. Die Unternehmerin engagierte sich als Vorsitzende des Stiftungskuratoriums. Diesem gemeinsamen Restrukturierungsprojekt vorausgegangen war eine mehr als zehn Jahre lange projektbezogene Kooperation. Das die Zusammenarbeit nun mit dem Vorwurf der Universität endet, Droege habe die Freiheit von Forschung und Lehre behindern wollen, fällt besonders ins Auge.

“Hochschule vor Bruch mit Hauptsponsor” titelt heute die Financial Times Deutschland. ” Abschied vom ‘weißen Ritter'” heißt es bei Spiegel Online. Vielleicht wären den ehemaligen Partnern solch unangenehme Schlagzeilen erspart geblieben, wenn klarere Vereinbarungen und zugleich eine schadensminimierende Exit-Strategie am Anfang dieses CSR-Engagements gestanden hätten und in der Krise die Kommunikation zwischen den Beteiligten nicht abgerissen wäre. Nun kommunizierten am Ende beide getrennt – in die Öffentlichkeit.

Foto: Universität Witten/Herdecke