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Anbau, Handel und Verbraucher im Blick – Bayer CropScience fokussiert auf ganze Lebensmittelkette

Monheim > Bayer CropScience nimmt die ganze Lebensmittelkette in den Blick. Mit strategischen Partnerschaften zu Herstellern, Exporteuren und dem Lebensmittelhandel, mit Wissenstransfer und Beratungsangeboten will das auf Pflanzenschutz spezialisierte Unternehmen damit vom Anbau bis zur Abgabe an den Endverbraucher präsent sein. Das bietet den Erzeugern verbesserte Produktionsbedingungen, den Verbrauchern mehr Lebensmittelsicherheit – und Bayer CropScience eine Handlungsalternative angesichts des Drucks, den Nichtregierungsorganisationen über die Verbraucher und den Lebensmittelhandel auf die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln ausüben.

Jedes Jahr müssen weltweit 80 Millionen Menschen mehr ernährt werden. In den Schwellenländern hält ein verändertes, an westlichen Standards orientiertes Konsumverhalten in Bezug auf Lebensmittel Einzug. Und in steigendem Ausmaß werden landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Auf der gestrigen Jahrespressekonferenz stellten Dr. Rüdiger Scheitza aus dem Bayer CropScience-Vorstand und die Leiterin des Food Chain Managements, Frau Dr. Birgitt Walz-Tylla, den neuen strategischen Ansatz ihres Unternehmens und die Herausforderungen in dessen Geschäftsfeld vor. Bayer wird einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung der Weltbevölkerung leisten, betonte Scheitza. In der Landwirtschaft sei ein ausreichendes Optimierungspotential vorhanden, um sowohl die Weltbevölkerung zu ernähren als auch Energiepflanzen anzubauen. Das geht nicht ohne Saatgutoptimierung und Pflanzenschutz.

In diesem Sommer hatte Greenpeace kritisiert, dass Pestizide deutscher und internationaler Chemiemultis die Gesundheit der Verbraucher belasteten. Die NGO wandte sich mit ihrer Studie unmittelbar an die Verbraucher. Der Handel reagiert: Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der REWE Group, sieht den Lebensmittelhandel mitten in einem neuen qualitativen Wettbewerb um das Kundenvertrauen und forderte Antworten auf drängende ökologische und soziale Fragen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bayer CropScience hatte darauf bereits vor zwei Jahren mit der Neuausrichtung seiner Geschäftstätigkeit auf die gesamte Lebensmittelkette zu antworten begonnen.

Bei Landwirten und Anbauern war das Unternehmen damals bereits gut aufgestellt. Eine wachsende Bedeutung spielen angesichts globaler Lebensmittelströme jedoch die Exporteure und Importeure, zu denen Bayer nun den Kontakt vertieft. Und der Handel stellt sich mit Zertifizierungssystemen und Maßnahmen zur Nachverfolgbarkeit der Produktherkunft auf das Sicherheitsbedürfnis seiner Kunden ein, was wiederum Bayer CropScience unmittelbar tangiert. Ebenso wie das neue Lebensmittelrecht der Europäischen Union, das die Rückverfolgbarkeit von Produkten fordert. Key Relation Manager heißt die Funktion bei Baer CropScience, die hier verbinden und koordinieren soll. Zudem fokussiert das Unternehmen heute stärker auf Kulturarten als auf Produkte und hat seine Experten den Integrierten Kulturplattformen Getreide, Zuckerpflanzen, Reis, Mais und Soja, Baumwolle, Ölpflanzen, Obst und Gemüse zugeordnet. Das verbessert Wissenstransfer und Beratung weltweit.

Dass dieser integrierte Ansatz für die Lebensmittelerzeuger neue Vermarktungschancen schafft, erläuterte Birgitt Walz-Tylla am Beispiel des Projektes „Flavor Guarantee“ in Brasilien. Hier soll eine gesteigerte Produktion von Süßfrüchten wie Melonen, Ananas und Tafeltrauben der wachsenden Nachfrage der Verbraucher gerecht werden. Über 500 Landwirte sind an dem seit 2007 laufenden Projekt beteiligt. Bayer CropScience kooperiert dazu mit der Nichtregierungsorganisation HortiBrazil, die Kleinbauern in Bezug auf Technik und Vermarktung berät. Bayer selbst bietet Anbauberatung und optimierte Pflanzenschutzprogramme. Nicht zuletzt ermöglicht die Zertifizierung der Produkte bessere Absatzchancen und höhere Preise. Für die derzeit regional gehandelten Früchte gibt es inzwischen erste internationale Interessenten. „Es macht Spaß, in einem solchen internationalen Projekt zu arbeiten“, sagt Birgitt Walz-Tylla; die Begeisterung ist ihr abzuspüren.

Die Zukunft der landwirtschaftlichen Produktion sieht Scheitza optimistisch. Dort sei ein ausreichendes Optimierungspotential vorhanden, um sowohl die Weltbevölkerung zu ernähren als auch Energiepflanzen anzubauen. So habe allein die Getreideproduktion 2007 um 60 Millionen Tonnen über der des Vorjahres gelegen. Allerdings sein inzwischen als Folge der ungünstigen Preisentwicklung eine deutlich langsamere Produktionssteigerung zu beobachten. Es sei jedoch zu früh, dafür in dieser ersten Phase der Energiepflanzenproduktion diese dafür verantwortlich zu machen.

Obwohl das Kerngeschäft von Bayer CropScience die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln ist, will das Unternehmen in seiner Beratung auch alternative Pflanzenschutzmethoden vorstellen. So müsse etwa bei den für die Herstellung von Babynahrung bestimmten Lebensmitteln in den letzten Wochen vor der Ernte auf Nützlingseinsatz zurückgegriffen werden. Neue Produkte werden zudem so positioniert, dass sie Nützlingssysteme schonen. In der Beratung werde ein umfassendes Programm angeboten. Und wenn einer saisonalen Herausforderung mit Bayer-Produkten nicht begegnet werden könne, empfehle man durchaus auch Produkte von Wettbewerbern – allerdings nur von forschenden Unternehmen, betont Birgitt Walz-Tylla.

Bei verschiedenen Themen schimmert die Macht des Verbrauchers durch, so auch als Bayer CropScience Vorstand Scheitza nach den CO2-Emissionen angesichts weltweiter Lebensmittelströme gefragt wird. Eine große britische Handelskette bringt bereits heute Informationen über den Carbon Food Print auf ihren Lebensmitteln an, weiß Scheitza. Der Handel greift die Kundenerwartungen detailliert ab und richtet sich danach. Und so entscheidet der Verbraucher, ob er nur in der Saison der auch außerhalb der Saison und mit einer deutlich höheren CO2-Belastung verbunden Erdbeeren angeboten bekommt. Scheitza betont: „Der Verbraucher ist Schlüssel zur Veränderung, das können Unternehmen nicht leisten.“ Ansatzpunkte für eine deutliche Reduzierung der CO2-Belastung sieht der Bayer-Vorstand ansonsten in der Lebensmittelindustrie. So sei es in Zweigen der indischen Lebensmittelindustrie durch den Einsatz moderner Techniken gelungen, den Energieverbrauch innerhalb eines Jahres um die Hälfte zu reduzieren. Und auch die Bayer CropScience selbst will hier nicht zurückstehen: In Monheim entsteht zurzeit ein Kindergarten für Mitarbeiterkinder – als emissionsneutrales Gebäude.

Foto: Bayer CropScience stellt italienischen Erzeugern sein Wissen hinsichtlich Pflanzengesundheit und Ernte-Qualität zur Verfügung. (Bayer CropScience AG)