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Integration unternehmen – Städte und Unternehmen mit menschlichem Gesicht

Köln > Dr. Norbert Walter-Borjans ist Reisender in Sachen Corporate Social Responsibility. Doch Borjans ist nicht für ein Unternehmen unterwegs. Der Beigeordnete aus dem Wirtschaftsdezernat wirbt für seine Stadt Köln. Die viertgrößte Metropole Deutschlands steht im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsfaktoren. Hier zählen die Soft Facts. „Wir sind eine sehr menschliche Metropole, und wir wollen den sozialen Zusammenhalt der Menschen in Köln weiter stärken“, betont Borjans. So will der Dezernent Wirtschaftsbetriebe für den Standort Köln gewinnen. Und deshalb stellte er sich am Donnerstag hinter die „Kick Off“ – Veranstaltung „Integration unternehmen“ in seiner Stadt.

Das Landesprogramm „Integration unternehmen“ spiegelt einen Aufbruch zwischen wirtschaftlichem Handeln und sozialer Bewegung wieder, erläutert Gerhard Hermann vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS). Zielgruppe sind dabei schwerbehinderte Arbeitnehmer. 39.000 von ihnen sind in Nordrhein-Westfalen arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Arbeitnehmer dauert in der Regel länger und diese Personengruppe ist im Durchschnitt älter als der Durchschnitt der Arbeitslosen. Werkstätten für Behinderte sind ein Weg, diesen Menschen Arbeit zu ermöglichen. 104 Werkstätten mit 60.000 Plätzen gibt es in NRW. Doch manche der dort Beschäftigten könnten auch in der freien Wirtschaft ihren Mann oder ihre Frau stehen, ist Hermann überzeugt.

Das Land will nun mit einem neuen Programm 1.000 Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen in so genannten Integrationsunternehmen oder Integrationsabteilungen schaffen. Dafür stehen in den nächsten drei Jahren 10 Millionen Euro zur Verfügung. Etwa 100 Integrationsunternehmen mit 2.500 Beschäftigten – darunter 1.300 Schwerbehinderte – gibt es bereits in NRW. Deutschlandweit sind es etwa 500 Integrationsunternehmen mit 18.000 Arbeitsplätzen. Hier treffen sich wirtschaftliches Handeln und soziale Kompetenz.

Was Integrationsunternehmen sind, erläutert Dr. Dieter Schartmann vom Integrationsamt des Landschaftsverbands Rheinland: Diese Unternehmen – oder auch Integrationsabteilungen innerhalb größerer Unternehmenseinheiten – agieren als Wirtschaftsunternehmen am Markt, erwirtschaften einen Großteil ihrer Kosten aus eigenen Umsätzen und Erlösen, beschäftigen etwa zu gleichen Teilen Personen mit und ohne Schwerbehinderung und erhalten vom Land einen Nachteilsausgleich. Integrationsbetriebe und -abteilungen entstehen durch unternehmerisches Engagement, nicht aufgrund von Förderpolitik, betont Schartmann. Das Land fördert dies z.B. mit Investitionskostenzuschüssen – und sucht Unternehmer, die sich dieser Herausforderung stellen, wirtschaftliches Geschick und soziale Kompetenz in ihrem unternehmerischen Handeln zu verbinden.

Weitere Informationen im Internet:
www.arbeitsmarkt.nrw.de/integration-unternehmen/index.html