Nachrichten

Gesellschaftliche Verantwortung in der Lieferkette – KiK hat sich umfassend neu aufgestellt

Bönen > KiK ist ein 14 Jahre junges Unternehmen mit überwiegend jungen Mitarbeitern und sehr erfolgreich. Anfang des Jahres nahm die Kampagne für ‚Saubere Kleidung‘ das Unternehmen und einen weiteren Discounter in den Blick und berichtete von schwerwiegenden Arbeitsrechtsverletzungen in der Zulieferkette. KiK hat reagiert, ein umfassendes CSR-Konzept umgesetzt, strategisch wichtige Partner an Bord geholt – und berichtet nun darüber.

Zunächst die Erfolgsgeschichte: Die KiK Textilien und Non-Food GmbH wurde 1994 von Stefan Heinig in Deutschland gegründet und expandierte bereits 1998 nach Österreich. Das Tochterunternehmen der Tengelmann-Gruppe bietet Damen-, Herren, Kinder- und Babykleidung sowie eine Auswahl an Geschenkartikeln, Spielwaren, Accessoires, Heimtextilien, Wäsche und Strümpfen für den täglichen Bedarf in guter Qualität und zu günstigem Preis an. Das Konzept geht auf: Rund 2.500 KiK-Filialen gibt es bereits, der Bekanntheitsgrad des Unternehmens in Deutschland liegt über 70%, das Unternehmen expandierte im vergangenen Jahr nach Slowenien und Tschechien und nimmt nun Ungarn und die Slowakei in den Blick. Etwa 300 KiK-Filialen entstehen so jedes Jahr neu. Das schafft Arbeitsplätze – und Ausbildungsstellen für bis zu 1.000 junge Menschen pro Jahr. Möglich macht diesen Erfolg auch ein knallhartes Kostenmanagement. Hier setzt die Kritik der Kampagne für ‚Saubere‘ Kleidung an. Denn nach den Worten der Organisatoren werden die günstigen Preise des Textildiscounters auf dem Rücken der Näherinnen in Bangladesch erzielt.

Anfang des Jahres wandte sich die Kampagne mit der Broschüre „Wer bezahlt unsere Kleidung bei Lidl und KiK?“ an die Öffentlichkeit. Darin werden Arbeitsrechtsverletzungen von Zulieferunternehmen in Bangladesch dokumentiert: überlange Arbeitszeiten, unfreiwillige Überstunden, Unterschreitung des Mindestlohns, schlechte Hygiene- und Sicherheitsstandards in den Fabriken und die Belästigung von Arbeiterinnen. Die Vorwürfe in Bezug auf seine Lieferanten räumt KiK ein. Das Unternehmen hat sich gegenüber der Kampagne Anfang des Jahres zunächst bedeckt gehalten. Jetzt geht KiK in die Offensive und berichtet von dem, was es zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in seiner Supply Chain leistet. „Wir wollten zuerst unser Corporate Responsibility Management entwickeln und umsetzen und dann erst darüber reden“, so KiK-Pressesprecherin Aniko Nadine Kalle. Was KiK heute zu sagen hat, das lässt sich hören.

Das Textilunternehmen bezieht seine Importwaren etwa zur Hälfte aus Bangladesch und zur Hälfte aus China. Während in China staatliche Bemühungen zur Umsetzung von Arbeitsrechtsstandards wahrnehmbar sind, sieht es in Bangladesch ganz anders aus. Arbeitsrechtsstandards wie etwa gesetzliche Mindestlöhne oder Arbeitszeitregelungen gibt es auf dem Papier, aber Initiativen oder Kontrollen zu deren Umsetzung in die Unternehmenspraxis? Fehlanzeige. Etwa 100 Zulieferfirmen mit jeweils zwischen 300 und 1.800 Mitarbeitern sind es, von denen KiK seine Textilien in Bangladesch bezieht und deren verantwortlichen Umgang mit Arbeitnehmern das deutsche Unternehmen sichern will. Zugute kommt KiK dabei, dass die Produkte nicht ständig wechseln und die Zulieferer deshalb relativ stabil bleiben.

Im Jahr 2005 begann das Unternehmen, sich über einen „Code of Conduct“ Gedanken zu machen. Im folgenden Jahr wurde dieser Verhaltenskodex fertig gestellt und Ende 2006 an die Lieferanten versandt. „Alle unsere Zulieferer haben uns den Code of Conduct unterschrieben zurück gesandt, aber uns war auch klar, dass wir damit nicht automatisch eine Verhaltensänderung in den Unternehmen erreichen“, berichtet Petra Katzenberger, seit Anfang 2007 Social Compliance Managerin bei KiK. Papier ist geduldig. Deshalb hat KiK das Cal Safety Compliance Corporation (www.cscc-online.com) mit der Auditierung seiner Zulieferer beauftragt. KiK wählte ein erfahrenes Institut mit ausreichenden Kapazitäten zur Bewältigung eines solchen Großauftrags. Inzwischen sind alle Zulieferer auditiert, manche befinden sich bereits in der Reauditierungsphase. Grundlage bestehender wie neuer Geschäftsbeziehungen ist der in diesem Mai überarbeitete Code of Conduct. Nur, wenn dieser akzeptiert und unterzeichnet wird, entsteht eine Geschäftsverbindung und der Lieferanten wird dauerhaft in das Auditierungssystem aufgenommen. Zudem besuchen auch KiK-Mitarbeiter die Zulieferbetriebe, und in jeder der Agenturen vor Ort gibt es einen Social Compliance Officer.

Kontrolle ist nicht alles. KiK geht einen entscheidenden Schritt weiter und qualifiziert seine Zulieferer. Dabei beteiligt das Handelsunternehmen einen erfahrenen Partner: die aus dem Versandhaus Otto hervorgegangene Hamburger Systain Consulting GmbH. Jeweils 15 Unternehmen werden durch lokale Systain-Mitarbeiter jährlich qualifiziert. Hierbei setzt KiK stark auf Kontinuität, um den Verbesserungsprozess nachhaltig zu beeinflussen. Ausgangspunkt sind dabei die in den Auditierungen festgestellten Mängel, die Zielgruppe dieser Schulungen bildet besonders das Management der Unternehmen. Sie sollen ein Verständnis für Werte und die Chancen ihrer Umsetzung, praxisorientiertes Managementwissen und die persönlichen Voraussetzungen für dessen Umsetzung erwerben. „Wenn wir einen Zugang zu unseren Lieferanten gewinnen wollen, müssen wir ihr Vertrauen erwerben“, weiß Petra Katzenberger, die selbst mehrere Jahre als Einkäuferin in Bangladesch unterwegs war. Aber es geht auch um Konsequenz: Wer sich konstant nicht an den Verhaltenskodex hält, der scheidet aus der Zulieferkette aus.

Zugute kommt KiK zudem die aktive Bürgergesellschaft in Bangladesch, die Persönlichkeiten wie Muhammad Yunus hervor gebracht hat. Das deutsche Unternehmen kooperiert mit zwei lokalen NGO’s: Gemeinsam mit der Awaj Foundation (www.awajfoundation.org) werden medizinische Behandlungen für Fabrikbeschäftigte nicht nur aus den eigenen Zulieferbetrieben angeboten. Die Gründerin dieser Stiftung, Nazma Akhter ist selbst eine ehemalige Textilarbeiterin und setzt sich heute besonders für die Rechte arbeitender Frauen ein. Und mit Phulki (www.phulki.org) wurden im August zwei Kindertagesstätten eröffnet und Arbeiterinnen in den KiK-Zulieferbetrieben erhalten Damenbinden zu subventionierten Preisen. Die Beschaffung von Hygieneartikeln ist für viele Menschen in Bangladesch schwer.

Fünf Mitarbeiter umfasst die Social Compliance-Abteilung von Petra Katzenberger daheim im westfälischen Bönen. Sie und ihre Mitarbeiter sind regelmäßig in Bangladesch und China unterwegs. Corporate Social Responsibility in der Zulieferkette beinhaltet für KiK einen verbindlichen Code of Conduct, eigene Kontrollen und Fremdautidierungen in Zulieferbetrieben, die Schulung und Qualifizierung des lokalen Managements in diesen Unternehmen und die Kooperation mit Organisationen der Zivilgesellschaft. Darüber berichtet das Handelsunternehmen heute auch umfassend auf seiner Website unter http://verantwortung.kik-textilien.com/. Sicher ausschließen lassen sich Arbeitsrechtsverstöße in Zulieferbetrieben auch so nicht. Aber KiK leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Situation der Arbeitnehmer in Bangladesch und fördert die Zivilgesellschaft.

Übrigens: Im Oktober wird es erstmals ein fair gehandeltes Produkt in den KiK-Filialen zu kaufen geben: Einen handgewebten Flickenteppich zu einem Preis von unter 2 Euro, bei dem die Verkaufserlöse nach Abzug der Kosten den Menschen in den Dörfern Bangladeschs zugute kommen, die diesen Teppich herstellen. Dann wird der Verbraucher abstimmen, was ihm das Engagement für dieses Land wert ist.

Bild: Auditierung einer Näherei in Bangladesch (KiK)